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Pragmatisch: Martina Schwarzmann trägt gebrauchte Klamotten auf und alte Melodien vor.

Martina Schwarzmann

In der Eishalle „am dahoamsten“

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Erding – Martina Schwarzmann spiegelt den Alltag wieder: gschpinnert, grotesk, gruselig, gschert – aber immer gescheit.

Das Bezaubernde am Sinnflut-Festival ist, dass hier die ganze Welt vertreten ist. Selbst für das kleine eigene Daheim ist ein Platzerl. Das Motto am Dienstagabend: Hier ist die Eishalle, „und do bin i am dahoamsten“. Ihr Auftritt, Martina Schwarzmann!

Seit gut zwei Jahren ist sie mit ihrem Programm „Gscheid gfreit“ auf Tour. Zwischendrin wurde sie zum dritten Mal Mutter, was ihr weitere Lebensweisheiten bescherte. „Wer Kinder hod, braucht Hehna“, erzählt sie vom Hühnerstall, in dem die Essensreste der Familie restverwertet werden. „Und wer drei Kinder hod, braucht a Sau.“

Das kommt an beim Publikum. Mal zwei Stunden nichts hören von dem Terrorwahnsinn in diesen Zeiten.

Griabig, grob, grotesk, gescheit

Es ist schon paradox: Ausgerechnet diese Eishalle, diese Betonburg mit der ungünstigen Sitzordnung und schwierigen Akustik (gut gemacht, ihr Tontechniker, auch in der letzten Reihe war alles gut zu hören). Ausgerechnet hier also ist die Heimat so, wie man sie durchaus aushalten kann: griabig, grob, grotesk, gschert, gruselig – aber alles in Grenzen.

Schwarzmann erzählt von dieser Welt, mit einem Mix aus lustigen Geschichten, Liedern und viel Selbstironie („Folgendes ist frei erfunden, aber sprechen Sie nicht meinen Mann oder mich drauf an“). Als sie sich bei einem Gitarren-Intro vergreift, wundert sie sich: „Dabei haben 95 Prozent meiner Lieder die gleiche Melodie – hat Fredl Fesl einmal zu mir gesagt.“ Was ja nicht schlimm sei, „denn Melodie macht keinen Müll, man kann sie öfter hernehmen.“

Also zupft die 37-jährige Kabarettistin Eingängiges und erzählt in einem ebenso freundlichen Ton, wie es auch der große Fredl Fesl immer gemacht hat: Mal gschpinnert (Mein Ziegenbock kriegt Dreadlocks, dann nenn ich ihn Bock Marley“, mal nostalgisch („Mit meine zehn Legostoa habe ich zwei Misthaufen bauen kenna – oder an Turm“), mal praktisch (Gebügelte Unterhosen? I kauf’ die hoid in der Größe, dass sie glatt sind, wenn i sie oziag. Und wenn s‘ ausleiern, dann wachs i einfach nach.“). Und immer mit großen Träumen („I wollt immer scho heiraten und an Mo mit na Doppelhaushälfte – dass i hoid dann in oana wohn“).

Die Zuhörer mögen die Schwarzmann wegen ihrer Ehrlichkeit. Von wegen Traumberuf Hausfrau: „Des is a Berufsbild, in des i neigschwängert worden bin.“

Stillen macht intelligent

Sie schmunzeln über die Pragmatikerin aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck, die gebrauchte Klamotten kauft („Man sollte bei den Todesanzeigen auch Größe und Gewicht angeben“) und ihre Schlüsse daraus zieht, dass Stillkinder intelligenter werden („Die Zeiten, die ich beim Stillen investiert habe, spare ich später bei den Hausaufgaben“).

Und sie lachen über ihre Heimatgedichte. Die sind bissig, aber nie bösartig. Sie spinnt die Werbe-Kampagne des Bayerischen Rundfunks mit einer Grabinschrift konsequent zu Ende: „I bin da Seppe, und do bin i begraben.“ Gruselig, aber irgendwie auch sehr gescheit.

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