Diskussion mit der BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann (2. v. l.): SPD-Direktkandidatin und Lehrerin Magdalena Wagner (3. v. l.) hatte ins Hotel Henry eingeladen, um über die Bildungspolitik zu sprechen.
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Diskussion mit der BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann (2. v. l.): SPD-Direktkandidatin und Lehrerin Magdalena Wagner (3. v. l.) hatte ins Hotel Henry eingeladen, um über die Bildungspolitik zu sprechen.

SPD-Veranstaltung mit BLLV-Präsidentin Fleischmann und Direktkandidatin Wagner

Diskussion zu Schulübergängen: Eltern sollen nach der 4. Klasse entscheiden

  • VonMayls Majurani
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Gymnasiallehrerin und Schulpsychologin und SPD-Direktkandidatin Magdalena Wagner hatte in Erding zu einer Diskussion mit BLLV-Präsidenten Simone Fleischmann eingeladen. Themen des Abends waren Chancengleichheit und Übergänge.

Erding – Bildung ist kein Luxus. Das ist einer der Wahlslogans von Magdalena Wagner, SPD-Direktkandidatin im Wahlkreis Erding–Ebersberg. Um diesen Slogan auszuführen, lud die 29-jährige Gymnasiallehrerin und Schulpsychologin zu einer Diskussion mit Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), im Hotel Henry ein. Hauptthemen: Chancengleichheit und Übergänge.

„Wissen Sie, wie lange es im Durchschnitt dauert, bis jemand aus der Unterschicht in die Mittelschicht aufsteigt?“, fragte Direktkandidatin Wagner in der Diskussionsrunde mit rund 25 Teilnehmern und beantwortete die Frage gleich selbst: sechs Generationen. Akademikerkinder würden viel eher zu einem Studium kommen als Arbeiterkinder. Das Schlimme daran: „Ich habe nicht das Gefühl, dass daran etwas verändert werden will“, so Wagner. Das sah auch Moosinnings Bürgermeister und Realschullehrer Georg Nagler so: „Es ist schade, wenn das soziale Umfeld, in dem man aufwächst, die Zukunft bestimmt.“

„Ich find’s cool, wenn eine junge Frau in den Bundestag will“, sagte Fleischmann dazu und drückte der Kandidatin die Daumen: „Vielleicht redet bald wirklich eine Bildungsexpertin im Bundestag über Bildung.“

Zehn Jahre Grundschule?

Fleischmann sah vor allem bei den Übergängen ein großes Problem. Denn die Kinder würden ab der fünften Klasse anhand von drei Noten auf verschiedene Schularten verteilt. Teils seien sie dann überfordert: „Dreimal so viele Schüler werden abgeschult als aufgeschult“, berichtete sie. Das Abschulen sei für die Kinder psychisch ein Desaster. Der BLLV plädiere deshalb für ein Schulsystem mit gemeinsamen zehn Jahren. Ein entferntes Ziel, wie Fleischmann selbst zugab. Als Übergangslösung sei denkbar, den Übertritt nach den Wünschen der Eltern und nicht nach Noten zu gestalten. Eltern müssten hierzu aber seitens der Lehrkräfte professionell beraten und aufgeklärt werden. Für viele sei das Gymnasium nach wie vor ein Prestigeobjekt.

Weitere Kritik am Übertritt in die fünfte Klasse gab’s von Manfred Slawny, SPD-Ortsvorsitzender aus Taufkirchen: „Ein Kind in der vierten Klasse ist nicht so reif, dass man es aussieben sollte. In der vierten Klasse weißt du noch nicht, wie sich das Kind entwickelt.“

Lieber ein glücklicher Handwerker als ein unglücklicher Akademiker

Es gehe nicht darum, ein Abitur zu haben, meinte Wagner dazu. Es sei zwar schön für die Statistik, wenn möglichst viele auf dem Gymnasium seien, wenn aber jeder ein Abitur habe, komme es wieder darauf an: „Wen kennen meine Eltern?“ Ziel in der Bildungspolitik müsse sein, das Image von Ausbildung sowie Mittel- und Realschule zu verbessern. Eine Diskussionsteilnehmerin sagte dazu: „In den Medien steht der Fokus auf den Gymnasiasten. Es heißt immer, es gibt so und so viele Abiturienten. Die anderen sind immer egal.“ Auch Barbara Huber, Geschäftsführerin der Brücke Erding, schloss sich dem an: „Wir müssen den Ruf der Mittelschulen verbessern. Ein glücklicher Handwerker ist mir lieber als ein unglücklicher Akademiker.“

Ein weiteres Thema des Abends war die chronische Unterfinanzierung der Bildung. Vor allem in Mittelschulen herrsche großer Lehrermangel, erklärte Fleischmann und berichtete von einer oberbayerischen Mittelschule in einer Kreisstadt: „Dort gibt es 16 Klassen und nur vier Mittelschulklassenlehrer. Der Rest sind alles Quereinsteiger oder sonst was.“ Dazu trage auch das unterschiedliche Gehalt von Gymnasial-, Realschul- und Mittelschullehrern bei. Die Bezahlung müsste angeglichen werden.

Mayls Majurani

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