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Schluss mit Diridari: Emil Herrmann hat seit 36 Jahren ein Lotto-Geschäft am Kleinen Platz. Am Samstag hört er auf. 

Abschied aus der Glücksfiliale

Emil Herrmann gibt sein Lotto-Geschäft auf - Nachfolger ist schon gefunden

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Erding – Emil Herrmann ist ein Erdinger Urgestein. AlsBub verkaufte er mit seinem Papa Schaschliksemmeln auf dem Herbstfest und reiste jahrelang mit Emilios’ Imbiss-Wagen zu Volksfesten in ganz Bayern. Mit 13 kontrollierte er Lottoscheine am Kleinen Platz in Erding. Dort gehört seiner Familie seit fast 50 Jahren das Lotto-Geschäft. Emil Herrmann führt es seit gut 36 Jahren – am Karsamstag ist sein letzter Tag.

Er trägt Trachtenhut, Janker, hat einen weißen Rauschebart und steht in seinem Lottogeschäft. Schon als 13-Jähriger hat Emil Herrmann in der Lottoannahme seiner Nachbarin gegenüber gejobbt. Später übernahm sie seine Mutter Hedwig. Emil Herrmann machte eine Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann: „Mich hat es einfach glücklich gemacht, wenn Leute von der Urlaubsreise zurückgekommen sind und ein Strahlen in den Augen hatten.“ Doch dann der Schock: Seine Mutter stirbt mit 54 Jahren an Krebs. 1982 übernimmt Herrmann ihr Lotto-Geschäft, damals noch mit Reisebüro.

Woche für Woche verkaufte er seitdem Lottoscheine oder Lose: „Manchmal musste ich bei dem einen oder anderen Losverkauf auch auf die Bremse steigen“, sagt er – wenn er das Gefühl hatte, dass Monatsgehalt und Lottoeinsatz nicht mehr zusammenpassten: „Das war aber eine reine Gefühlssache.“ Doch viele seiner Kunden kannte er ganz genau.

Ein- bis zweimal in der Woche kamen seine Stammkunden im Schnitt: „Da bekommt man natürlich auch familiäre oder gesundheitliche Probleme mit – hier war’s wie im Tante-Emma-Laden.“ Bis vor rund 25 Jahren war darin auch sein Reisebüro: „Aber mit dem ganzen Last-Minute-Hype am Flughafen sind da die Umsatzzahlen ziemlich zurückgegangen.“ Der Betrieb in der Glücksfiliale ging trotzdem weiter.

Das große Glück hatten dort nur wenige, aber: „Beim Bayern-Los hat einer mal 250 000 Mark und später in den 2000er Jahren sogar mal 250 000 Euro gewonnen“, erzählt Herrmann. Und hat er was davon abbekommen? „Nein, natürlich nicht“, sagt er: „Ein strahlendes Gesicht und ein Danke reichen aus.“ Und wer was in die Kaffeekasse geben wollte, der durfte das gerne tun.

Aber Geld macht Emil Herrmann ohnehin nicht glücklich. „Das größte Glück ist für mich: gesund sein und gesund bleiben“, sagt der 64-Jährige: „Alles andere ist ein zusätzliches Zuckerl.“ Einmal in der Woche spiele er zwar auch Lotto, mehr als einen zweistelligen Betrag habe er aber nie gewonnen. „Wer’s nicht probiert, kann auch nicht dabei sein.“ Er lebe nach dem bayerischen Motto „Leben und leben lassen“.

Er erzählt bedächtig. Auch die Entscheidung, sein Lotto-Geschäft in andere Hände zu übergeben, ist wohl überlegt: „Ich denke, mehr oder weniger 47 Berufsjahre sind genug.“ Seine beiden Töchter arbeiten als Wirtschaftsinformatikerin und Industriekauffrau – sie haben kein Interesse an dem Geschäft. Deshalb übernimmt Nino Filippetti. Der 48-Jährige ist schon lange Nachbar am Kleinen Platz. Bis zum Jahreswechsel hat er dort das Café Leonardo betrieben. Ab Dienstag, 3. April, ist Filippetti Pächter des Lotto-Geschäfts. Die Mitarbeiterinnen bleiben.

„Das Ratschen mit den Leuten wird mir schon fehlen“, sagt Herrmann. Aber er hat er genug zu tun. Mit seinen zwei Enkeln, als Fischer, Reiseorganisator im Freundeskreis – und mit der Musik: Seit 45 Jahren singt er in der Liedertafel, ist auch deren Vorsitzender, und seit 30 Jahren im Ardinger Dreigesang. Wenn ein Tausendsassa in Rente geht, wird es eben nicht langweilig. anna schwarz

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