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Lauter rote Karten, die Kritik bedeuten: Claus Sperr im Forum mit den Rückmeldungen zum Thema „Verkehr“.

Entwicklungskonzept: Einwohner sagen, was ihnen am Stadtteil gefällt - und was nicht

Vor allem der Verkehr stört die Kletthamer

Die Bürger im Stadtteil Klettham sind entschlossen, die weitere Entwicklung im Bereich Klettham Nord aktiv in die Hand zu nehmen.

VON KLAUS KUHN

Erding –  Zur Auftaktveranstaltung für ein integriertes Quartiersentwicklungskonzept am Mittwoch in der Aula der Fachoberschule waren mit knapp 80 Teilnehmern derart viele gekommen, dass Oberbürgermeister Max Gotz sich durchaus auch erstaunt äußerte. Die Mitarbeiter der Verwaltung und die am Planungsprozess beteiligten Fachleute hatten derweil alle Hände voll zu tun, und der Zeitplan geriet ein wenig aus den Fugen.

Am Ende der Veranstaltung standen zwei Dinge fest, die einander auf den ersten Blick widersprechen: Erstens leben die Menschen sehr gerne in diesem Stadtteil. Das haben sie an einer dafür aufgestellten Stellwand durch das Anbringen von Klebepunkten auf einer Skala von „ich würde sofort wegziehen“ bis „ich fühle mich hier pudelwohl“ sehr deutlich gemacht. Zweitens aber gibt es einen ganzen Strauß von Problemlagen, die sich auffällig auf das Thema „Verkehr“ konzentrieren. Nach einer Einführung ins Thema, verbunden mit ersten Basisinformationen über das Stadtquartier, konnten nämlich die Versammelten an vier sogenannten Themenecken konkret niederschreiben lassen, was sie gut finden – und was nicht.

In seiner Begrüßung hatte Gotz derlei wohl schon kommen sehen, denn er meinte: „Es wird ein spannender Prozess werden.“ Es sei richtig gewesen, sich mit Entwicklungsmaßnahmen nicht nur auf die Altstadt zu beschränken: „Gerade bei Stadtquartieren soll man die Sache nicht vor sich hintreiben lassen.“

Die beiden Kirchen wurden mehrfach als ein großer Pluspunkt für das ganze Stadtviertel genannt, und zwar wegen ihrer Rolle als Treffpunkt, als sozialer Mittelpunkt. Beide Kirchen wollen diese Rolle weiter ausbauen und haben dazu auch schon konkrete Überlegungen angestellt (Bericht folgt).

Der Stadtteil ist geprägt durch einen ständigen Wechsel, eine hohe Fluktuation. Das passt etlichen Bürgern nicht. Auf den Karten war teilweise zu lesen, dass es eine zunehmende Anonymität gebe. Kritik wurde auch daran laut, dass die Straßenzüge teilweise in einem verwahrlosten Zustand seien. Das ganze Image sei schlecht, war ebenfalls zu lesen.

Aber es gab auch Dinge, die aus Sicht der Bürger diesen Stadtteil einzigartig machen. Da wurde auch das Café Luitpoldeck gleich mehrfach genannt. Als positiv wurde gesehen, dass alles zu Fuß erreichbar sei.

Wo der Schuh ganz gewaltig drückt, ist aber alles, was mit Autoverkehr zu tun hat. Vom „Treffen der Tuning-Freunde“, nächtlichen illegalen Autorennen, zugeparkten Feuerwehrzufahrten und Unfallschwerpunkten wie etwa an der HIT-Kreuzung, über fehlende Radwegen, zu schmale Bürgersteigen, bis hin zu weithin fehlender Barrierefreiheit war alles dabei.

Claus Sperr, einer der Moderatoren und Planer, kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, stehe diese Maskierung von Kritik doch in einem Widerspruch zu der Aussage, dass die Bürger gerne in Klettham Nord leben. Hier gebe es wohl eine Menge zu tun, resümierte er.

Alle diese Rückmeldungen fließen ein in die weitere Planungsarbeit. Im Herbst sollen, so die Ankündigung bei dieser Auftaktveranstaltung, weitere mindestens zwei Veranstaltungen stattfinden, bei denen die weiteren Ergebnisse vorgestellt und diskutiert werden sollen.

Premiere gefeiert

hat an dem Abend der Film zum „Artding – Mural Art Festival“. Ab dem Wochenende gibt’s den Film online auf www.artding.de.

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