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Beispiele gelungener Integration: Im großen Sitzungssaal des Erdinger Landratsamts wurden die im vergangenen Jahr eingebürgerten Menschen aus aller Welt empfangen . 42 von 141 geladenen Personen waren gekommen.

141 neue deutsche Staatsbürger empfangen

Viele Briten wollen den deutschen Pass

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Für die Liebe würde man alles tun. Sogar etwas, das man zunächst nie für möglich erachtet hätte: sein Heimatland verlassen, sich in eine neue Kultur integrieren, – und sich letztlich sogar einbürgern lassen. Ein Beispiel dafür ist der gebürtige Italiener Bruno Neri. „Eigentlich wollte ich meine Frau dazu bewegen, zu mir nach Rom zu kommen“, erzählte der Schriftsteller aus Langenpreising vor amüsiertem Publikum im vollen Sitzungssaal des Erdinger Landratsamts. Dessen Chef Martin Bayerstorfer hatte am Donnerstagabend zum achten Mal zu einem Empfang für Neueingebürgerte eingeladen.

VON MARKUS SCHWARZKUGLER

Erding – 141 Frauen und Männer aus dem Landkreis sind im vergangenen Jahr eingebürgert worden, beachtliche 49 mehr als noch im vergangenen Jahr. Der Brexit scheint sich schon bemerkbar zu machen: 17 Personen stammen aus Großbritannien, der Spitzenreiter der Statistik. Auf Rang zwei liegen die Italiener mit elf Einbürgerungen, darunter Neri. Er habe sich zu dem Schritt entschlossen, „wenn auch sehr spät“.

Bruno Neri.

Denn Neris gemeinsame Geschichte mit Deutschland begann mit seiner ersten Reise dorthin im Jahr 1970. Als Reisekaufmann war er in München zu Gast und lernte seine spätere Frau kennen. „Seit 46 Jahren sind wir jetzt verheiratet“, berichtete der zweifache Familienvater. Irgendwann stellte er fest: „Entgegen meiner eigentlichen Absichten hatte ich feste Wurzeln in Deutschland geschlagen. Oder besser gesagt: in Bayern.“ Da mussten die 42 erschienenen neuen deutschen Bürger zusammen mit ihren Begleitungen sowie den Vertretern unter anderem aus Politik, Kirche und Bildungsbereich herzhaft lachen. Applaus spendeten sie, als Neri mit einem Plädoyer für Toleranz, Freiheit und Frieden schloss.

Einen ähnlichen Gedanken hatte auch Landrat Bayerstorfer in seinem Grußwort geäußert. „Sie sind jetzt Erdinger, Bayern, Deutsche und Europäer“, sagte er zu den Eingeladenen. Kurz vor der Europawahl sprach sich Bayerstorfer für ein starkes Europa aus.

Sergej Buckenauer mit seiner Fraui Irina.

Wer die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen wolle, der komme an Besuchen im Landratsamt nicht vorbei. „Sie haben bürokratische Hürden überwunden, vielleicht haben Sie zwischendrin auch mal gezweifelt.“ Doch die Einbürgerung sei mehr als ein rein behördlicher Akt auf Papier. „Mit diesem Schritt haben Sie zum Ausdruck gebracht, dass Sie sich mit unserem Land, unserem politischen und gesellschaftlichen System und mit unseren Wertevorstellungen identifizieren.“ Allerdings seien bei der Integration nicht nur die Zugewanderten gefordert, sondern auch die Einheimischen, so Bayerstorfer.

Es gebe viele Gründe, nach Deutschland zu kommen, die einen freudiger, die anderen trauriger Natur. Doch oft ist es eben die Liebe. So auch bei Sergej Buckenauer. Er ist der einzige Weißrusse, der 2018 in Erding eingebürgert wurde. Der 45-Jährige lernte seine Irina 2010 über das Internet kennen. Sie lebte damals noch in Göttingen, seit zwei Jahren wohnt das Ehepaar aus beruflichen Gründen nun in Oberneuching. „Ich bin froh, dass ich eingeladen wurde. Das hätte ich nicht erwartet. Das sieht großartig aus hier“, zeigte sich der Ingenieur gegenüber unserer Zeitung begeistert.

Jede Menge Tests habe er für die Einbürgerung absolviert. „Das war aber locker für mich“, meinte Buckenauer. Um Deutsch zu lernen, habe er viele VHS-Kurse hinter sich gebracht und besuche sie nach wie vor. Jetzt befasse er sich intensiv mit dem Bairischen. „In meiner Firma in Ismaning spricht fast jeder Bairisch“, berichtete Buckenauer schmunzelnd.

Musikalisch begleitet wurde der Empfang von der Kreismusikschule Erding. Freilich standen da die bayerischen Melodien im Vordergrund.

Einbürgerungen 2018:

Ursprüngliche Nationalitäten

17 Personen: britisch

11: italienisch

9: polnisch, rumänisch, türkisch

7: brasilianisch

5: griechisch, südafrikanisch

4: bulgarisch, iranisch, ungarisch

3: dominikanisch, kroatisch, lettisch, russisch, serbisch

2: albanisch, chinesisch, irisch, kosovarisch, libanesisch, mexikanisch, portugiesisch, slowenisch, spanisch, syrisch, thailändisch, tschechisch

1: afghanisch, argentinisch,
bosnisch und herzegowinisch, chilenisch, indisch, kolumbisch, koreanisch, marokkanisch, mazedonisch, pakistanisch, peruanisch, philippinisch, slowakisch, staatenlos, tunesisch, ungeklärt, venezolanisch, weißrussisch.

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