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Aus dem Fliegerhorst Erding soll ein komplett neuer Stadtteil werden.

Bevölkerungswachstum flaut ab – Weniger Geburten, mehr Sterbefälle 

6500 Wohnungen im Fliegerhorst

  • Hans Moritz
    VonHans Moritz
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Die Bevölkerung im Großraum München nimmt in den kommenden 20 Jahren längst nicht mehr in dem Umfang zu, wie das vor einem Jahr noch vorausgesagt wurde. Dennoch fehlen tausende Wohnungen - auch im Kreis Erding.

Der Regionale Planungsverband beruft sich dabei auf Zahlen des Statistischen Landesamtes. Der Landkreis Erding gehört zu den Regionen, bei denen es ein Geburtendefizit gegenüber den Sterbefällen gibt. Der demografische Wandel schlägt stärker durch als zunächst angenommen. Das Thema Zuwanderung gewinnt vor diesem Hintergrund an Bedeutung.

Es ist noch nicht lange her, da hieß es, der Großraum München mit insgesamt acht Landkreisen werde zwischen 2018 und 2038 um rund 250 000 Bürger wachsen. Diese Woche wurde nun bekannt: In der Vorausberechnung 2019 bis 2039 sind es etwa 50 000 weniger.

Im Planungs- und Bauausschuss des Erdinger Stadtrates erklärte OB Max Gotz (CSU), dass das Auswirkungen auf die Wohnungsbaupolitik habe. Allerdings rechnet er trotz der gesenkten Prognose nicht mit einer Entspannung auf dem Immobilienmarkt.

200 000 zusätzliche Einwohner bedeuten – statistisch – die Notwendigkeit 100 000 neuer Wohnungen, also 5000 pro Jahr. Auf den Landkreis Erding heruntergebrochen heißt das: Pro Jahr müssen 850 Wohnungen fertiggestellt werden. „Und das geschieht auch“, so Gotz. Er betonte, dass Erding bei der Zahl neuer Wohnungen in der Region seit Jahren mit an der Spitze stehe.

Die Kreisstadt selbst wächst seit Jahren kaum noch. Das wird sich in Bälde ändern, denn der örtliche Wohnungsmarkt geht – wieder – in die Vollen. Das Neubaugebiet Thermengarten Süd ist fast fertig, mit insgesamt 400 Wohneinheiten, so der Oberbürgermeister.

Auch am Poststadel/B 388 wird kräftig gebaut. Im Erdinger Nordosten sind 70 Reihenhäuser (als Schlange neben der Bundesstraße) geplant beziehungsweise schon in Bau, westlich davon entstehen 280 Einheiten im Geschosswohnungsbau.

An der Haager Straße Ost in Altenerding haben die Vorbereitungen für eine weitere Siedlung begonnen – mit einem temporären Regenrückhaltebecken. Sage und schreibe 1650 Wohnungen sollen rund um den Ludwig-Simmet-Anger entstehen.

Das größte Projekt wird jedoch die Konversion des Fliegerhorstes nach dem Abzug der Bundeswehr Ende 2024 sein. Hier ist bekanntlich ein gesamter Stadtteil geplant – mit 6500 Wohnungen und 150 bis 180 Häusern. Doch die sind noch leise Zukunftsmusik.

Auf die horrenden Preise wirkt sich die Bauoffensive nicht aus. Für die Reihenhäuser am Poststadel werden zwischen 990 000 und 1,3 Millionen Euro aufgerufen – trotz direkt daneben verlaufender Bundesstraße.

Derweil wird die Gesellschaft immer älter. Christian Breu vom Regionalen Planungsverband spricht von einem „drastischen Wandel“. Die Einwohnerzahl zwischen 18 und 64 Jahren steige nur noch in München, Ebersberg und Dachau. Alle anderen, so Breu, verlören in dieser Altersgruppe. Auch diese Entwicklung stellt die Kommunen vor Herausforderungen: Denn die Infrastruktur mit Kindergärten, Schulen, Altersheimen, Sport- und Kulturstätten müsse mitwachsen, so Gotz.

ham

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