Einer der ersten Supermärkte in Erding war der Park-Kauf Renauer in Klettham, der im Jahr 1969 eröffnet wurde.
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Einer der ersten Supermärkte in Erding war der Park-Kauf Renauer in Klettham, der im Jahr 1969 eröffnet wurde.
Bewährtes Team unter neuer Leitung: Ludwig Renauer, Tatjana Strobl, Maria Huber, Mario Hütte, Arjeta Ajdini, Ulrike Weber, Markus Renauer, Volker Schwarz und die neue Chefin Katharina Arslan.
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Bewährtes Team unter neuer Leitung: Ludwig Renauer, Tatjana Strobl, Maria Huber, Mario Hütte, Arjeta Ajdini, Ulrike Weber, Markus Renauer, Volker Schwarz und die neue Chefin Katharina Arslan.

Pächterwechsel in Kletthams Haupteinkaufsquelle

Erding: Die Ära Renauer im Park-Kauf geht zu Ende

Erding- Vor genau 50 Jahren eröffnete Familie Renauer in der Parksiedlung im Erdinger Stadtteil Klettham den Park-Kauf. Nun geht der Familienbetrieb in neue Hände über.

Vor genau 50 Jahren eröffnete Familie Renauer in der Kletthamer Parksiedlung den „Park-Kauf“, über Jahrzehnte die Haupteinkaufsquelle des Stadtteils. Nun geht der Familienbetrieb in neue Hände über. Seniorchefin Elfriede Renauer (82), geborene Westermaier, erinnert sich an die Anfänge.

Aufgewachsen ist die Erdingerin auf einem kleinen Bauernhof, der sich am damaligen Stadtrand von Erding, an der Moosinninger/Ecke Liegnitzer Straße befand. Die junge Elfriede machte eine Ausbildung beim Großhandel Berther am Landgestüt, dann war sie bereit für ihre erste Firmengründung. „An der Goethestraße habe ich im Jahr 1960 eine Garage gemietet und dort einen kleinen Laden eröffnet“, erzählt die Unternehmerin. Schnell wurde der Laden zu klein. Elfriede Renauer erweiterte mit einer zweiten Garage. Ihr Gatte Ludwig, gelernter Metzger bei der Fleischwarenfabrik F.X. Mayr, kündigte seine Anstellung und stieg mit ein ins Geschäft. Die Söhne Ludwig (geb. 1963) und Markus (geb. 1969) kamen zur Welt.

Wohnhaus mit Ladengeschäft an der Liegnitzer Straße

Von den Eltern erhielten Elfriede und ihre vier Schwestern Bauplätze an der noch unbebauten Liegnitzer Straße in Klettham. Hier sollte das neue Wohnhaus der Familie Renauer mit einem Ladengeschäft im Erdgeschoss entstehen, während der Garagen-Laden weiterlief. Die Finanzierung gestaltete sich schwierig, denn die Bank wollte ihnen keinen Kredit geben: „An wen wollen Sie denn verkaufen? Hier gibt es keine Kunden“ bekam Elfriede Renauer zu hören. Doch die Familie stemmte den Neubau, und schon nach einem Jahr lief der Laden so gut, dass die Garage an der Goethestraße aufgegeben wurde.

Die Söhne wuchsen im Laden auf

Weil die Eltern immer im Geschäft waren, wuchsen auch die Buben praktisch im Laden auf. Zwei Tanten halfen bei der Kinderbetreuung und im Haushalt. „Wir haben 30 Jahre lang keinen Urlaub gemacht. Erst mit 50 sind wir das erste Mal weggefahren“, erinnert sich Elfriede Renauer. In der inzwischen stark besiedelten Parksiedlung wurde 1975 eine Vergrößerung der Verkaufsfläche erforderlich, „denn die Kunden standen bis auf die Straße an“, erzählt die Geschäftsfrau. „Wir wurden dann einer der ersten Supermärkte in Erding.“ Die Renauers bildeten zahlreiche Lehrlinge aus und boten dazu auch Unterkunft und Familienanschluss.

Für die Söhne Ludwig und Markus war immer klar, dass sie ins Familienunternehmen einsteigen wollen. Ludwig startete mit 21 Jahren als Metzgermeister, Markus lernte Einzelhandelskaufmann und stieß drei Jahre später dazu. „Aber wir haben von Anfang an je zwei Wochen Urlaub im Jahr bekommen“, sagt Ludwig Renauer (56) schmunzelnd.

Metzgerei als zweites Standbein 

Die Familie baute sich unterdessen ein zweites Standbein auf. „Bei der Erweiterung haben wir gleich eine voll ausgestattete Metzgerei eingebaut, damit konnten wir die Wurst selber herstellen“, erzählt er. Aus dem Verkauf von Wurstplatten entwickelte sich der heutige Partyservice mit unzähligen Kunden. Beliefert werden verschiedene Firmen mit Brotzeit und Verpflegung, kalte und warme Buffets, aber auch Feste und private Feiern am Wochenende.

70 bis 80 Stunden in der Woche im Geschäft

Doch der Preis für das blühende Geschäft ist hoch: „Mein Bruder und ich arbeiten jeder 70 bis 80 Stunden in der Woche. Das ist nicht förderlich fürs Familienleben. Man hat keine Freizeit“, sagt der Vater eines 21-jährigen Sohnes. Seit 2003 führen die Brüder Renauer das Geschäft, die Eltern unterstützten sie nach Möglichkeit. Seniorchef Ludwig Renauer half noch im Laden bis kurz vor seinem Tod 2015, auch Mutter Elfriede musste sich vor 13 Jahren krankheitsbedingt zurückziehen. Die 82-Jährige betont: „Wir haben immer mit Herzblut gearbeitet.“

Pächterwechsel: Ehepaar Arslan übernimmt

Ludwig und Markus Renauer haben sich nun entschieden, den Familienbetrieb zu verpachten. Ihren Kindern haben sie von einem Einstieg ins Unternehmen abgeraten, zu hoch ist die Arbeitsbelastung, die sich auch in gesundheitlichen Problemen auswirkt. Zum Jahresende übernehmen Katharina (38) und Muhammet (36) Arslan die Leitung im Park-Kauf. Sie betreiben bereits seit zwei Jahren den Lottoladen an der Friedrichstraße und wohnen seit einem Jahr mit ihren drei Kindern auch in der Parksiedlung nahe ihrem neuen Geschäft. Seit Oktober sind der Einzelhandelskaufmann und die Buchhalterin täglich im Geschäft zu sehen, lernen die Abläufe kennen und arbeiten sich ein. Ludwig Renauer ist voll des Lobes: „Ich habe große Hochachtung vor der Familie, dass sie den Mut haben, das Risiko auf sich zu nehmen.“

Der 56-Jährige kann sich auch an schwere Zeiten erinnern. Die BSE-Krise mit dem Einbruch beim Fleisch- und Wurstverkauf hätte das Familienunternehmen beinahe ruiniert, doch man konnte nicht einfach aufgeben, waren doch immer noch Schulden zurückzuzahlen.

Die derzeit zwölf Mitarbeiter werden von den Arslans übernommen und auch sonst soll alles so bleiben, wie es ist, betont Katharina Arslan. Sie und ihr Mann freuen sich auf die Herausforderung und hoffen, dass der Park-Kauf weiter guten Zulauf hat. Hier appelliert Ludwig Renauer an die Kundschaft, die junge Pächterfamilie mit ihren Einkäufen zu unterstützen, denn ohne Ladengeschäft stünde die Parksiedlung am Ende schlecht da.

Die Brüder Renauer sehen dem Ruhestand mit gemischten Gefühlen entgegen. Auf jeden Fall steht ein gemeinsamer Urlaub zum Fischen auf der Wunschliste. Auch Elfriede Renauer muss sich ab Januar umstellen: „Jetzt darf ich den Geldbeutel nicht vergessen, wenn ich ins Geschäft gehe zum Einkaufen.“

(Gerda und Peter Gebel)

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