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Altenerding-Süd: Mit „Bibione-Dorf“ gegen die Wohnungsnot

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Von: Hans Moritz

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Bezahlbarer Wohnraum in Erding ist so eine Sache. Margot Hoigt von der Aktionsgruppe Asyl hat eine Idee, wie die Wohnungsnot bekämpft werden kann.
Möglicher Standort: Diese Wiese zwischen katholischem Kindergarten (l.) und B 388 hält Margot Hoigt für geeignet, ein Wohndorf zu errichten. © Hans Moritz

Bezahlbarer Wohnraum in Erding ist so eine Sache. Margot Hoigt von der Aktionsgruppe Asyl hat eine Idee, wie die Wohnungsnot bekämpft werden kann.

Altenerding – Die Wohnungsnot in Erding hat viele Gesichter: Die Preise steigen, sozialschwache Bürger, Bezieher kleiner Renten, Auszubildende und Asylbewerber tun sich immer schwerer, ein bezahlbares Dach über dem Kopf zu finden. Viele Geflüchtete leben in zunehmend heruntergewirtschafteten Containern. Diesem Missstand will Margot Hoigt begegnen. Die Vorsitzende der Aktionsgruppe Asyl (AGA) hat einen Vorschlag, dessen Name nach Urlaub und Entspannung klingt – das Bibione-Dorf.

An der norditalienischen Adria-Küste hat Hoigt schon Urlaub gemacht. „Dort sind mir die zahlreichen mobilen Häuschen aufgefallen. Das wäre für Erding eine gute Lösung“, ist sie überzeugt.

Keinesfalls eine zweite Oberdinger Containersiedlung

Sie stellt sich eine Mischbebauung im Stil von Ferienhäusern und Wohncontainern vor, die – gut aufgestellt oder gestapelt – auch Großfamilien Platz bieten könnten. Dass Hoigts Vorschlag nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigen Beispiele etwa in Haar bei München und Winnenden in Baden-Württemberg. Dort ist die AGA-Chefin auf Module mit vier Wohneinheiten sowie auf 45 und 60 Quadratmeter große, mit Lärchenholzrosten versehene Wohncontainer gestoßen. Keinesfalls will sie aber eine Containersiedlung wie die Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende der Regierung von Oberbayern an der Flughafentangente zwischen Erding und Oberding.

Und wer soll im „Bibione-Dorf“ wohnen? „Ganz unterschiedliche Gruppen“, regt Hoigt an, der eine gute Durchmischung wichtig ist. „Denn das verhindert, dass ein sozialer Brennpunkt entsteht.“ Zielgruppen sind ihrer Auffassung nach Flüchtlinge im Verfahren, anerkannte Geflüchtete, aber auch einkommensschwache Personen und Familien sowie nicht zuletzt Azubis, etwa Schüler des Bildungszentrums für Gesundheitsberufe neben dem Klinikum, die im Personalwohngebäude an der Bajuwarenstraße keinen Platz mehr gefunden haben.

Monatsmiete zwischen 400 und 500 Euro

Weiter schlägt Hoigt vor, einige Apartments barrierefrei zu gestalten, um auch Behinderten und Älteren etwas bieten zu können. Ihr schweben Monatsmietpreise zwischen 400 und 500 Euro vor.

Einen Standort hat die AGA-Sprecherin schon ausgekundschaftet: die Wiese in Altenerding-Süd zwischen dem katholischen Kindergarten und der B 388. Auf diesem Areal hatte die Stadt ursprünglich eine zusätzliche Anschlussstelle der Bundesstraße ins Auge gefasst, das letztlich wieder verworfene „Ohrwaschel“. Den Platz hält sie auch aus sozialen Gründen für geeignet. „Die Nachbarn sind an die ,neuen Nachbarn‘ gewöhnt. Zudem sei der Stadtteil mit Stadtbus und öffentlichem Fernsprecher gut erschlossen.

Bestehende Container in Altenerding-Süd sollen abgebaut werden

Geklärt werden müsste allerdings die Hochwassergefahr in diesem Bereich. Grundsätzlich glaubt Hoigt, „dass es in Erding weitere mögliche Plätze gibt“.

Die Idee hat Hoigt aus der Not geboren. Als Asylhelferin ist sie unter anderem für die Container-Unterkünfte an der Langen Feldstraße zuständig. Der Pachtvertrag mit der Stadt ist im Sommer ausgelaufen, Erding plant im Geviert mit drei Kindergärten, Grund- und Mittelschule sozialen Wohnungsbau (wir berichteten). Es muss also ohnehin eine neue Lösung gefunden werden.

Fürchterliche Zustände an den Containern

Die Container befinden sich laut Hoigt in einem „fürchterlichen Zustand“. Als frühere Klassenzimmer-Module seien sie als Wohnraum noch nie geeignet gewesen. Nach fünfjähriger Nutzung als Unterkunft seien sie ebenso abgewirtschaftet wie die Module für Küche und Wäsche. „Es regnet rein, die Dächer sind nur notdürftig abgedichtet.“ Zur Toilette müssten die Bewohner, darunter Kinder, über den nur aufgekiesten und nicht planierten Hof, auf dem sich bei Regen große Pfützen bildeten.

Laut Hoigt leben dort derzeit 43 Menschen, Platz ist für 60. Zudem geht Hoigt davon aus, dass Erding angesichts wieder steigender Flüchtlingszahlen – pro Woche werden dem Landkreis zehn zugewiesen – wieder mehr Unterkünfte benötigt. Zudem steige das Problem, anerkannte Geflüchtete unterzubringen. Sie tun sich besonders schwer, auf dem freien Markt etwas zu finden.

Anfang Dezember hat sich Hoigt mit ihrem Bibione-Dorf an Oberbürgermeister Max Gotz und Landrat Martin Bayerstorfer gewandt. „Leider habe ich bis heute keine Reaktion erhalten“, bedauert sie.

Hans Moritz

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