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Seit fast 50 Jahren in Erding: das Unternehmen Alpha am Kletthamer Feld im Nordwesten der Kreisstadt. Rechts ist die Lagerhalle zu sehen, links die erst vor wenigen Jahren gebaute Verwaltung. Dahinter schließt sich das Lager des Erdinger Weißbräu an.

Erdinger Unternehmen erweitert Portfolio über Unterhaltungselektronik hinaus – Dritter Geschäftsführer

Alpha, der neue Spezialist für Handelslösungen

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Die Alpha Tonträger Vertriebs GmbH mit Sitz am Kletthamer Feld in Erding erweitert ihr Geschäftsfeld beträchtlich und vertreibt künftig unter anderem auch Spielwaren, Sportartikel und Merchandise-Produkte, also internationale Lizenzprodukte wie Fan-Ausstattung.

Erding – Weil damit auch eine stärkere Internationalisierung einhergeht, firmiert die vor 49 Jahren als Familienunternehmen gegründete Alpha ab sofort als Alpha trading solutions. Dafür wird die Chefetage erweitert. Zu Inhaber Pierre Pfeiffer und Geschäftsführer Rainer Laufs kommt Tim Mörtl als dritter Geschäftsführer hinzu, der zuletzt als Prokurist tätig war. Auch ein neues Logo gibt es.

Auslöser für die Neuausrichtung bei Alpha sei die „anhaltende Digitalisierung in der Unterhaltungsbranche“ gewesen, berichtet Pfeiffer: „Wir haben in den letzten fünf Jahrzehnten im Vertrieb von Games, Bild- und Tonträgern ein rentables Geschäftsmodell etabliert. Uns war aber zu jeder Zeit bewusst, dass sich unser Geschäftsmodell konsequent entwickeln muss.“ Man stehe „aufgrund des Megatrends Digitalisierung Herausforderungen gegenüber, die an Schnelligkeit und Intensität kaum zu übertreffen sind“.

Kernkompetenz bleibt nach den Worten Pfeiffers der Vertrieb von Non-Food-Produkten und das Angebot individueller Serviceleistungen, etwa im Handel.

Nun kommen weitere Dienstleistungsangebote aus den Bereichen Vertrieb, Logistik und Online-Handel dazu. Beispielhaft sei an dieser Stelle der Betrieb von Online-Shops, die Lagerhaltung oder auch die reine Transportleistung von Non-Food-Produkten im Auftrag der Alpha-Kunden genannt. Ein weiterer Aspekt ist das sogenannte Drop-Shipping. Hierzu verfügt Alpha über bestehende Anbindungen zu zahlreichen umsatzstarken Online-Shops in Deutschland. Dadurch stehen die Produkte, die bei Alpha gelagert sind, in den großen Online-Shops zum Verkauf bereit und werden bei Bestelleingang im Namen der Online-Händler an die Endkunden versendet.

Auch im bisherigen Geschäft will Alpha flexibler werden. Bekannt ist das Unternehmen, weil es etwa für Super- und Drogeriemärkte, aber auch Fachgeschäfte für Unterhaltungselektronik Komplettlösungen anbietet, zum Beispiel die Bestückung gesamter Abteilungen mit CDs, DVDs und Games.

Damit reagiert Alpha auf das geänderte Kundenverhalten. „In Zeiten, in denen wir ständig online sind, spontane Entscheidungen treffen und zu jeder Tageszeit per Smartphone Bestellungen tätigen können, ist der klassische Großeinkauf nicht mehr zeitgemäß. Wir konsumieren heute in kleinen Einheiten, dafür höher frequentiert. Hier sehen wir zusätzliche Geschäftspotenziale und haben deshalb unser Geschäftsmodell nach diesem Prinzip weiterentwickelt“, erläutert Mörtl. Das heißt, bei Alpha muss nicht mehr die gesamte Komplettlösung in Auftrag gegeben werden, sondern das Unternehmen kann für einzelne Dienstleistungen wie etwa die Lagerhaltung oder der Transport von Waren beauftragt werden.

Pfeiffer erkennt zudem neue Potenziale und Chancen abseits des Bild- und Tonträgermarktes, der durch die breiten Streamingdienste volatil geworden ist. Wer kauft sich noch eine CD, wenn es das gesamte Album auch in Sekundenschnelle mit ein paar Klicks zum Herunterladen gibt? Deswegen werde das Produktportfolio „strategisch und generalistisch“ ergänzt, teilt das Unternehmen mit. Aktuell vertreibt Alpha auch Spielwaren, digitale Kinderaudioboxen, Sportartikel und internationale Lizenzprodukte. Dazu will man verstärkt weiter mit Start-ups zusammenarbeiten.

Im Geschäftsjahr 2019/2020 hat Alpha eigenen Angaben zufolge rund 13 Millionen Produkte deutscher und internationaler Hersteller ausgeliefert und in Handelsketten platziert. Dabei erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 100 Millionen Euro. Alpha beschäftigt rund 300 Mitarbeiter.

Bis vor ein paar Jahren betrieb Alpha eigene Ladengeschäfte – in Erding-West und in der Innenstadt. Doch die Digitalisierung hat dieses Geschäftsfeld zusehends unwirtschaftlich gemacht.

Logistiker sind in Erding nicht unumstritten. Ihnen eilt (auch) im Stadtrat der Ruf voraus, vor allem Billigjobs und viel Verkehr zu generieren. Dass auch das etablierte Unternehmen Alpha darunter fällt, wird in der Debatte oft übersehen.

Selbst der Erdinger Weißbräu ist im Übrigen in der Stadt ein Logistiker – mit Hunderten Mitarbeitern und hohen Gewerbesteuerzahlungen.

ham

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