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Gesichert wie Fort Knox ist das Amadeus Rechenzentrum in Aufhausen. Nun erwägt der IT-Konzern, sich von dem gesamten Komplex im Süden der Stadt Erding zu trennen, als Mieter aber zu bleiben. 

Software-Konzern würde dann als Mieter in Aufhausen bleiben – Bekenntnis zu Standort

Amadeus: Wird Rechenzentrum verkauft?

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Paukenschlag in der Erdinger Wirtschaft: Der europäische Softwarekonzern Amadeus, mit Abstand bester Gewerbesteuerzahler in der Stadt Erding und einer der weltweit führenden Abwickler von Reisebuchungen, erwägt, sein gesamtes Betriebsgelände in Erding-Aufhausen einschließlich Rechenzentrum zu verkaufen.

Erding – Danach würde er es zurückmieten – vorerst aber nur für drei Jahre. Das ergaben Recherchen unserer Zeitung. Der Schritt dürfte dem beispiellosen Einbruch im Luftverkehr und am Reisemarkt durch die Corona-Krise geschuldet sein.

Allerdings betont ein Amadeus-Sprecher, „dass dies keine Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb am Standort Erding hat“. Er werde weder infrage gestellt, noch ändere man das Engagement des Unternehmens hier. „Eine Entscheidung über den Verkauf wurde noch nicht getroffen“, versichert der Sprecher.

Franz Josef Strauß holte Amadeus in den 80er Jahren nach Erding

Ende der 80er Jahre kam das Rechenzentrum Amadeus in den Süden Erdings –auch auf Betreiben des damaligen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß. Viele Jahre füllte Amadeus das Stadtsäckel mit seinen Gewerbesteuer-Zahlungen. Heute hat das Unternehmen seinen Hauptsitz in Madrid. Weitere Standorte sind unter anderem Nizza, Miami, Bangkok, London, Buenos Aires und Sydney. Das Rechenzentrum befindet sich in Erding.

Amadeus-Sprecher: Es ist noch nichts entschieden

Nun ist das gesamte Objekt zum Verkauf ausgeschrieben. Vermarktet wird es von der Jones Lang LaSalle SE (JLL) mit Sitz in Frankfurt/Main, einem weltweit agierenden Anbieter von Immobiliendienstleistungen. Nach dem unserer Zeitung vorliegenden Exposé geht es um eine Gesamtnutzfläche von 36 500 Quadratmetern, davon 13 300 Quadratmeter Büros und 21 000 Quadratmeter Daten-Center. Das Areal misst 50 000 Quadratmeter. Auch über 300 Parkplätze umfasst die Offerte. Ein Preis wird nicht aufgerufen. Ob es tatsächlich zur Veräußerung kommt, ist laut Konzernzentrale noch nicht entschieden.

Erst verkaufen und dann zurückmieten?

„Sale and lease back“ (verkaufen und zurückmieten) ist ein Weg, um an Geld zu kommen. Im Fall von Amadeus ist aber nur von einer dreijährigen Mietdauer die Rede. Danach gäbe es zwei Möglichkeiten: Entweder der neue Inhaber und Amadeus als Mieter einigen sich auf eine Vertragsverlängerung, oder das Rechenzentrum müsste ausziehen. Das wäre für Erding ein herber Schlag – nicht nur wegen zahlreicher Arbeitsplätze, sondern auch, weil ein millionenschwerer Steuerzahler ausfiele. Schon jetzt rechnet die Stadt mit Mindereinnahmen in Millionenhöhe.

Amadeus von Corona hart betroffen

Grundsätzlich gibt der Amadeus-Sprecher zu, dass nach dem Zusammenbruch des weltweiten Reiseverkehrs der IT-Dienstleister „eine Reihe wichtiger Maßnahmen getroffen hat, um das Geschäft zu stabilisieren und sich an das veränderte Umfeld anzupassen“. Das habe unter anderem die sofortige Reduzierung des Mittelabflusses beinhaltet. Ebenso habe man Maßnahmen zur Sicherstellung ausreichender Liquidität sowie zur Reduzierung der Fix- und der Investitionskosten in Höhe von rund 300 Millionen Euro getroffen. Darüber hinaus gebe es ein freiwilliges Programm zur Reduzierung der Arbeitszeit.

Weiter heißt es bei Amadeus, man wolle „das Unternehmen neu ausrichten, um adäquat reagieren zu können, wenn die Reiseaktivitäten wieder aufgenommen werden“. Denn man sei, so der Sprecher, davon überzeugt, dass sich die Reisebranche nach Corona stark verändert wird. „Wir müssen die Zusammensetzung unseres Geschäfts an die Anforderungen, Realitäten und Kundenbedürfnisse der Zukunft anpassen.“

Büroflächen-Vermarktung schwieriger geworden

Corona hat auch den Markt für Büroflächen aufgemischt. „Die Neuvermietungen gehen stark zurück“, berichtet der Erdinger Makler Florian Brandhuber. „Das ist zum einen der gesamtwirtschaftlichen Lage geschuldet. Zum anderen merken die Firmen, dass Arbeit im Homeoffice funktioniert.“ Gut liefen die Geschäfte derzeit nur in den ganz zentralen Lagen in München, wo die großen Digitalkonzerne zugriffen, so Brandhuber. Er glaubt, „dass es gar nicht so einfach würde, für Amadeus einen Nachmieter zu finden. Denn als Rechenzentrum handelt es sich um eine Spezialimmobilie mit sehr begrenzter Nutzungsmöglichkeit auf einem sehr großen Gelände“. ham

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