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Am Amtsgericht Erding wurde gegen den 21-jährigen Azubi verhandelt. Die berufliche Existenz wollte ihm der Richter nicht nehmen.

Prozess gegen Azubi mit Promille, aber ohne Führerschein

Berufliche Existenz aufs Spiel gesetzt

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Dass gut gemeint oft das Gegenteil von gut gemacht ist, zeigt eine Verhandlung vor dem Erdinger Jugendgericht. Angeklagt war ein 21 Jahre alter Mechatroniker-Lehrling, der in der Nacht auf den 2. Dezember vorigen Jahres in Erding nur schnell ein Auto umparken wollte, um die Nachbarn nicht auf die Palme zu bringen.

Erding - Problem 1: Er hatte noch keinen Führerschein, sondern stand kurz vor der Fahrprüfung. Problem 2: Er war mit 1,05 Promille erheblich alkoholisiert. Problem 3: Er baute auf den wenigen Metern einen kapitalen Unfall.

In der Verhandlung vor dem Jugendgericht unter dem Vorsitz von Michael Lefkaditis hielt der Staatsanwalt dem jungen Mann vor, er sei in der Innenstadt nicht nur gegen einen Baum geprallt, sondern habe noch dazu einen Gartenzaun erheblich beschädigt. Danach beeilte er sich nach Hause, wo seine Mutter die Polizei rief. Doch die stand schon neben dem arg demolierten Wagen.

Angeklagt war der Lehrling wegen Verkehrsgefährdung und Alkohols am Steuer. Die Folgen des Urteils hätten für ihn fatal sein können. Denn sein Lehrherr warf ihn zwar nicht raus, kündigte das aber an, sollte er nicht binnen eines Jahres den Führerschein vorlegen können. Als Mechatroniker sei das sein Kapital.

Der schmächtige junge Mann saß sichtlich bedrückt auf der Anklagebank, immer wieder musste er sich Tränen aus dem Gesicht wischen. Er räumte die Tat ein und betonte mehrfach, dass er falsch gehandelt habe und es ihm leidtue. Zuvor war er strafrechtlich noch nie in Erscheinung getreten.

Er berichtete, dass er an dem Abend seinen Geburtstag gefeiert habe. Auf dem Nachhauseweg wollte er den Wagen umsetzen, denn er behinderte die Nachbarn. Seine Anwältin erklärte, der Vorfall habe sich in einer familiär schwierigen Phase abgespielt. Sein geliebter Opa und Vaterersatz sei kurz zuvor an Krebs gestorben.

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe bestätigte, dass der junge Mann schwierige Zeiten durchlebt habe, ansonsten aber wohlbehütet sei.

Danach wollte selbst der Staatsanwalt den Berufsstart des 21-Jährigen nicht gefährden. Das lag auch dem Richter fern. Er verurteilte den Erdinger zu 40 Sozialstunden und sechs Monaten Führerscheinsperre. Damit kann der Azubi seinen Schein noch rechtzeitig dem Chef vorlegen. Lefkaditis war überzeugt, dass der junge Mann seine Lektion gelernt habe.

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