+
Als Drohwerkzeug diente der Frau ein Hammer. 

Mutter rastet bei Wohnungsräumung aus – Bewährungsstrafe

Hammer-Attacke auf Polizisten

  • schließen

Gar nicht lustig begann am 11. 11. vergangenen Jahres der Fasching für zwei Beamte der Polizeiinspektion Erding. Bei einer Wohnungsräumung in der Erdinger Innenstadt wurden sie von der 33-jährigen Bewohnerin nicht nur beleidigt, sondern auch mit einem Hammer bedroht – vor den Augen des achtjährigen Sohnes. Dafür wurde die Verkäuferin gestern am Amtsgericht zu zehn Monaten Gefängnis auf Bewährung sowie 120 Sozialstunden verurteilt.

Erding - An sich ist es eine tragische Geschichte, die unter dem Vorsitz von Richterin Michaela Wawerla juristisch aufgearbeitet wurde. Die 33-Jährige wusste seit Wochen, dass sie ihre Wohnung verlassen muss. Doch in der Notunterkunft soll es keine Stromversorgung gegeben haben. Folglich weigerte sich die Verkäuferin, ihr Apartment zu verlassen.

Vorsorglich hatte der Gerichtsvollzieher Vertreter des Jugend- und des Sozialamts sowie zwei Polizisten mitgebracht. Kurz vor 17 Uhr sollte die Situation eskalieren.

Erst warf die Mutter mit üblen Schimpfwörtern um sich

Staatsanwältin Sigrid Kolano trug vor, dass die sichtlich erboste und völlig aufgelöste 33-Jährige die Beamten mit wüsten Beleidigungen wie „Schlampe“ und „Fotze“ empfing. Als sich die Polizisten Zutritt zum Schlafzimmer verschaffen wollten, um die Habseligkeiten aus der Wohnung zu schaffen, griff die Frau unvermittelt nach einem Hammer, hob ihn in die Höhe und bedrohte damit die Polizisten.

Die überwältigen die 33-Jährige, die sich heftig wehrte. Erst nachdem zwei weitere Polizisten hinzugeeilt waren, konnte die Frau beruhigt werden. Angeklagt war sie wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte.

Angeklagte sagt, sie sei mit den Nerven am Ende gewesen

Die Mutter, die ohne Verteidiger erschienen war, berichtete zunächst über die missliche Lage, in der sie und ihr Sohn sich befänden. Zudem sei ihr über alles geliebter Vater schwer krank. Er sei bei der Polizeiaktion geschubst worden. „Das hat mich in Rage gebracht.“ Sie gab zu, zum Tatzeitpunkt mit den Nerven am Ende gewesen zu sein.

Energisch bestritt sie allerdings, die Beamten bedroht zu haben. „Ich wollte nicht, dass der Polizist mein Schlafzimmer betritt und meine Unterwäsche sieht. Keine Frau will das.“ Zum Hammer habe sie nur gegriffen, um damit die Tür zu blockieren. „Mir tut das alles sehr leid.“

Beamten versichern: Sie hat uns bedroht

Die 23 und 26 Jahre alten Beamten stellten als Zeugen klar, dass die Frau das Werkzeug sehr wohl in drohender Pose in der Hand gehalten habe. Sie hätten sich sofort zur Wehr setzen müssen. „Wir sind regelrecht auf sie drauf gesprungen“, berichtete die Beamtin. Der Gerichtsvollzieher nahm sich derweil des Buben an, der immer zu seiner Mutter wollte.

Staatsanwältin Kolano hielt die Aussage der Verkäuferin für eine Schutzbehauptung. „Eine Wohnungsräumung ist eine angespannte Situation, in der es zum Äußersten kommen kann.“ Allerdings gestand Kolano der Angeklagten zu, sich in einer hoch emotionalen Lage befunden zu haben. Dennoch wiege ein Angriff auf Beamte, „die auch nur ihren Dienst tun“, besonders schwer. Sie plädierte unter Berücksichtigung einer Vorstrafe wegen Waffenbesitzes 2017 auf zehn Monate Haft auf Bewährung sowie 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

So sah es auch Richterin Wawerla, die sich der Forderung Kolanos anschloss. „Hier ist eine Räumung völlig aus dem Ruder gelaufen.“ Die Frau nahm das Urteil an. ham

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

„Wenn Sie tot sind“ - Flughafen-Notärztin legt sich mit FDP-Spitzenpolitikerin an
Katja Suding, stellvertretende FDP-Vorsitzende, hat ihre Gedanken zur Corona-Krise auf Twitter geteilt. Eine Notärztin des Flughafens München reagierte heftig.
„Wenn Sie tot sind“ - Flughafen-Notärztin legt sich mit FDP-Spitzenpolitikerin an
Corona-Hotspots in Oberbayern: War das Rosenheimer Starkbierfest Grund für rasche Ausbreitung? 
Erding und Freising sind vom Coronavirus heftig betroffen. Noch schlimmer ist es allerdings im Kreis Rosenheim. Dort wird nun die Frage nach dem Warum lauter.
Corona-Hotspots in Oberbayern: War das Rosenheimer Starkbierfest Grund für rasche Ausbreitung? 
Coronavirus im Landkreis: 19 Neuinfektionen – Kurve flacht ab – Newsticker
Das Coronavirus breitet sich in Erding weiter aus. Mittlerweile gibt es 316 Infizierte im Landkreis – „nur“ 19 mehr als am Wochenende. Die Kurve flacht ab.
Coronavirus im Landkreis: 19 Neuinfektionen – Kurve flacht ab – Newsticker
Aufatmen in Isen: Namensfehler hat keine Auswirkungen
Mit 38 Stimmen Vorsprung gewann Irmgard Hibler die Stichwahl. 74 Stimmen waren ungültig. Doch der Namensfehler hatte keine Auswirkungen auf das Ergebnis.
Aufatmen in Isen: Namensfehler hat keine Auswirkungen

Kommentare