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Häusliche Gewalt gegen Frauen ist auch im Landkreis ein Thema. Sie finden im Frauenhaus Schutz.

Angebot soll ausgeweitet werden

Frauenhaus immer öfter voll

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) ist seit einem Jahr für Frauenhaus, Interventionsstelle und Frauennotruf zuständig. Am Montag legte Gisela van der Heijden, Geschäftsführerin des BRK-Kreisverbands Erding, auf Antrag der ÖDP im Kreisausschuss eine erste Bilanz vor.

Erding – Die Auslastung ist laut van der Heijden hoch, das Budget unterschritten worden. Der Landkreis gewährt 120 000 Euro pro Jahr. Nun erwägt das BRK, das Angebot auszuweiten – zum Beispiel auf Männer als Opfer häuslicher Gewalt.Die Wogen über den ruppigen Übergang der Frauenhaus-Trägerschaft vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) auf das BRK haben sich mittlerweile geglättet.

Die Interventionsstelle für Hilfe in akuten Notlagen übernahm das BRK zum 1. Januar 2018. Sie ist mit einer halben Stelle besetzt und mittlerweile im Klinikum Dorfen untergebracht. Van der Heijden berichtete von 184 Anrufen, von denen 19 an die Polizei, acht an das Frauenhaus und 37 an andere Institutionen weitergeleitet worden seien. Die Geschäftsführerin bedauerte, dass drei Zuschussanträge an den Freistaat Bayern gescheitert seien – ein Erbe des SkF. Denn der hatte mit einer förderfähigen Maßnahme vor der Zusage begonnen – damit waren die Subventionen futsch. „Den Kostenrahmen von 30 000 Euro konnten wir aber einhalten“, so van der Heijden.

Erdings OB Max Gotz (CSU) fragte nach dem aufgrund des Fehlers entgangenen Betrag. Kämmerer Helmut Helfer bezifferte ihn mit 12 000 Euro pro Jahr.

Für das Frauenhaus ist das BRK seit 1. März 2018 verantwortlich. „Vor einem Jahr sind wir mit einer Bewohnerin gestartet“, blickte van der Heijden zurück. Kurz danach seien es drei Frauen und drei Kinder gewesen. In den Folgemonaten stieg die Auslastung auf bis zu sieben Frauen und sieben Kinder.

Laut van der Heijden kommen die Opfer häuslicher Gewalt für die Kosten der Unterbringung zum Teil auf, teils werden sie vom Jobcenter finanziert. Es gab aber auch einen Fall, in dem das Frauenhaus selbst finanziell einsprang. Die Betreuten kamen aus den Landkreisesen Erding Altötting und Hof.

„Die Mitarbeiterinnen erleben viel“, berichtete van der Heijden, etwa dass eine Wohnung mit Hilfe der Polizei ausgeräumt werden musste, dass man Frauen zu Gericht begleitet hat oder sich um eine Mutter mit einem Neugeborenen kümmern musste.

Der Frauennotruf wurde zum 1. Juli freigeschaltet. Van der Heijden berichtet von 41 Anrufen bis Dezember. Auch ein Mann habe sich dem Notruf anvertraut. „Wir finden das gut“, so van der Heijden. „Für unsere Arbeit sind das deutliche Signale. eigentlich sollte man den Frauennotruf in Hilfetelefon umbenennen und allen Menschen die Möglichkeit geben, anzurufen oder Mails zu schreiben.“

Die Geschäftsführerin schlug zudem WhatsApp als Möglichkeit vor, dass auch Jugendliche eine Anlaufstelle hätten. Mit Mehrkosten wäre das nicht verbunden. „Aber die Hilfe würde alle erreichen.“ Das Telefonbudget von 13 000 Euro sei ebenfalls eingehalten worden. In diesem Zusammenhang stellte van der Heijden klar, dass man entgegen anfänglicher Kritik keine Dumpinglöhne zahle, sondern tariflich gebunden sei. Insgesamt sind es 2,75 Sozialarbeiter-Stellen und eine Erzieherin mit einer Dreiviertelstelle.

Das BRK gibt sich mit dem Status Quo nicht zufrieden. Van der Heijden erneuerte ihren Wunsch, für die Zeit nach dem Frauenhaus-Aufenthalt ein ambulantes (Wohn-)Angebot aufzubauen. Die Bewohnerinnen hätten große Probleme, wieder Tritt zu finden. Mit teils fatalen Konsequenzen: „Manche Frauen halten den Druck nicht aus – und kehren zu ihren Peinigern zurück.“ Zudem entlaste das das stationäre Angebot.

Man sei sogar auf häusliche Gewalt gegen Pflegebedürftige gestoßen. Dabei gehe es um Freiheits- und Essensentzug sowie falsche Medikamentenabgabe.

Im Ausschuss wurde der Platzmangel diskutiert. Alle waren sich einig, dass mehr Kapazitäten erforderlich seien. Wege dorthin gibt es mehrere (Bericht folgt).

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