1. Startseite
  2. Lokales
  3. Erding
  4. Erding

Anlieger wollen Hochwasserschutz stoppen

Erstellt:

Von: Hans Moritz

Kommentare

null
4588 Unterschriften gegen Mauern am Fluss übergab Christian Veicht (r.) von der BI Naturnaher Semptausbau an Oberbürgermeister Max Gotz. © Hans Moritz

Vor allem die Sempt-Anlieger in Altenerding kämpfen weiter gegen Mauern und Deiche entlang des Flusses. Fast 5000 Unterschriften sind gegen die Pläne eingegangen.

Altenerding – Der Hochwasserschutz brennt den Altenerdingern auf den Nägeln. Dies wurde in der Bürgerversammlung deutlich, die am Dienstagabend coronagerecht mit großen Abständen erstmals in der Semptsporthalle stattfand. Die Sempt-Anlieger fordern maximale Unterstützung von der Stadt im Kampf gegen die vom Wasserwirtschaftsamt geplanten Deiche und Dämme. OB Max Gotz (CSU) sprach von einer „unsäglichen Lösung“ und bekam etliche Hausaufgaben mit auf den Weg.

In seinem Rechenschaftsbericht streifte Gotz den Hochwasserschutz nur kurz, aber knackig. An sich wollte er lediglich mitteilen, dass nach den Begehungen durch das WWA (wir berichteten) der nächste Schritt sei, abzuwägen, ob mobile Hochwasserschutzwände nicht besser seien als Mauern. Bezüglich der Gräben versicherte Gotz, dass die Anregungen der Bürgerinitiative ernst genommen würden.

Doch dann griff er Umweltminister Thorsten Glauber (FW) für dessen Auftritt in Wörth scharf an. „Dort hat er entgegen dem Vorschlag des WWA, bei Niederwörth ein Rückhaltebecken zu bauen, eine Lösung aus dem Ärmel geschüttelt, die in Erding nun Mauern vorsieht.“ Das sei ein Vorgriff auf den Variantenentscheid gewesen. Damit sei Glauber der politisch Verantwortliche. „Wenn er nach Erding kommt, und das erwarte ich, muss er sagen, wie er das regelt. Da bin ich gespannt.“

Zehn Prozent der Erdinger haben unterschrieben

Die Bürgerversammlung nutzte BI-Sprecher Christian Veicht, um Gotz einen Packen mit 4588 Unterschriften gegen den linearen Ausbau zu überreichen, darunter 3600 von Bürgern Erdings. „Das sind zehn Prozent der Stadtbevölkerung, was ich beachtlich finde“, sagte Veicht und betonte: „Wir arbeiten weder gegen die Stadt noch gegen das Wasserwirtschaftsamt.“ Es müsse aber jetzt ein Planungsstopp her, um einer dezentralen, naturnahen Lösung den Weg zu ebnen beziehungsweise diese zu erörtern.

An Gotz appellierte Veicht, so zu verfahren wie beim S-Bahn-Ringschluss: „Da hat die Stadt auch sehr viel erreicht.“ Gotz bedankte sich für den Schulterschluss und die Unterstützung in Form der Unterschriften.

BI: Wir sind nicht auf eine Klage aus

Anton Bichlmeier erinnerte daran, „dass es das Ziel der BI ist, auf das Wasserwirtschaftsamt einzuwirken, von seinem Plan des linearen Ausbaus abzukommen“. Man sei nicht darauf aus, Klage zu erheben. Besser sei, so früh wie möglich auf eine andere, bessere Variante umzuschwenken. Bichlmeier erinnerte daran, dass auch die frühere Umweltministerin Ulrike Scharf gegen die Mauern sei. Und Gotz rief er in Erinnerung, dass er vor einem Jahr in der Bürgerversammlung erklärt habe, mit ihm seien Mauern nicht zu machen. „Deswegen muss man mit dem Wasserwirtschaftsamt jetzt intensiv verhandeln.“

Auch nach der Sempt-Allianz erkundigte sich Bichlmeier. Gotz betonte, er stehe in intensivem Austausch mit den Bürgermeistern im Ober- und im Unterlauf. Sein Eittinger Kollege Reinhard Huber sei entsetzt, „wenn wir das Wasser durch Erding pressen“.

Graben an der B388: Erneuern und verlängern

Josef Stimmer ging auf den Hochwasserschutz an den Gräben ein, für den die Stadt verantwortlich ist. Er bedankte sich, dass Gotz für Alternativen offen sei. Als schnelle Verbesserung der Situation schlug er die Sanierung einer Rohrleitung von der Austraße zur Sempt vor. „Der Durchlass ist 60 Jahre alt. Da wurde jahrelang nichts gemacht.“ Dieser müsse saniert werden, damit er seine Aufgaben wieder erfüllen könne. Zudem regte Stimmer an, einen etwa 100 Meter langen offenen Entwässerungsgraben im Bereich der B 388 ebenfalls zu verrohren, um eine Verklausung im Gefahrenfall zu verhindern. „Wir brauchen keinen Damm an der Bundesstraße, weil die höher liegt und die Austraße damit schützt“, meinte er. In diesem Zuge müsse auch ein 90-Grad-Knick mit einer Brücke über den offenen Graben im Bereich der Petersbergstraße beseitigt werden. „Diese Forderung besteht schon seit 35 Jahren“, so Stimmer.

Bürger wollen Pläne einsehen

Zudem verlangte er sofortige Einsichtnahme der BI in die Pläne des Ingenieurbüros, das den Hochwasserschutz für die Gräben errechne – „und zwar vor dem Planfeststellungsantrag“. Gotz wies darauf hin, dass „wir vom Planfeststellungsverfahren noch weit entfernt sind“. In der Tat sei das Entwässerungsrohr lange vergessen worden. „Diese Untersuchung machen wir.“

Rainer Hörl zog die Berechnungen des Wasserwirtschaftsamts in Zweifel, die Ardeo-Brücke könne stehen bleiben, sie sei für ein hundertjährliches Hochwasser ausreichend. „Das passt nicht“, meinte er. Es fehlten gut 30 Zentimeter.

Man habe bereits einen externen Fachmann befragt, der diese Einschätzung als „sehr gewagten Ansatz“ bezeichnet habe. Deshalb erwäge man ein neuerliches Gutachten. „Wir würden uns freuen, wenn die Stadt Auftraggeber ist“, so Hörl. Das lehnte Gotz unter anderem mit Hinweis etwa auf Klagen gegen Lärm ab, wo die Stadt ebenfalls keine Gegengutachten in Auftrag gebe. „Dafür können wir kein Steuergeld ausgeben“, sagte der OB.

Abschließend betonte Gotz: „Das Ziel muss eine einvernehmliche Lösung, ein Kompromiss sein.“ Er wolle keine verhärteten Fronten. Ein Konsens könnten deutlich niedrigere Mauern oder mobile Schutzwände sein.

Auch interessant

Kommentare