Corona-Bonuszahlungen in der Altenpflege
+
Die 57-Jährige leistete bei der Senioren eine Rund-um-die-Uhr-Pflege.

Nach Rückkehr aus Kroatien sofort zu Patientin – Streit vor Münchner Arbeitsgericht

Kein Coronatest: Pflegerin gefeuert

Aus dem Weihnachtsurlaub bei der Familie in Kroatien direkt zu einer pflegebedürftigen hochbetagten Dame – ohne vorherigen Schnelltest und Quarantäne. Dies könnte eine 57-Jährige ihre Stelle als Pflegerin in einem ambulanten Pflegedienst kosten.

Erding/München – Um die fristlose Kündigung wird derzeit vor dem Arbeitsgericht München gestritten.

Die Pflegerin hatte die Weihnachtstage in ihrer Heimat verbracht. Beruflich kümmerte sie sich rund um die Uhr um eine über 90-jährige Dame, die zu Hause lebt. Die Inhaberin des Pflegedienstes aus dem nördlichen Landkreis hatte die Angestellten vorab deutlich darauf hingewiesen, wie sie sich nach der Rückkehr zu verhalten habe: erster Schnelltest in Kroatien, fünf Tage Isolation, zweiter Schnelltest in Deutschland.

Am 8. Januar reiste die 57-Jährige mit dem Bus ein und ließ sich vom Sohn der Patientin umgehend zu dieser bringen. Kroatien galt damals als Hochrisikogebiet. In der Heimat habe sie sich nicht auf Sars-CoV-2 testen lassen können, weil der Hausarzt wegen eines Todesfalls in der Familie unpässlich gewesen sei, erklärte die Arbeitnehmerin in der Verhandlung unter dem Vorsitz von Richter Wolfgang Schmiedl. Und am Zentralen Omnibus Bahnhof (ZOB) in München habe es keine Testmöglichkeit gegeben. Nach der Ankunft habe sie sich sehr wohl in Isolation begeben – allerdings wohl in der Wohnung der Seniorin, wie es Kollegen beobachtet haben wollen.

Der Anwalt erklärte, seine Mandantin habe sich in einem Dilemma befunden – entweder Test und Isolation oder sofortige Betreuung der Pflegebedürftigen. Die Arbeitgeberin entgegnete, Eile sei nicht geboten gewesen, die Patientin sei noch sehr fit. Der Dienstantritt wäre problemlos aufschiebbar gewesen.

Daraufhin warf der Anwalt ein, der Sohn habe nichts gegen die Vorgehensweise gehabt. Die Pflegedienst-Chefin wies freilich darauf hin, der Sohn gehöre der Querdenker-Szene an, halte Corona für eine Erfindung und habe sogar einmal versucht, bei ihr die Pandemie leugnende Broschüren auszulegen.

Über die Haltung des Sohnes zeigte sich auch Richter Schmiedl verwundert und zog einen Vergleich: „Selbst wenn es dem Bauherrn egal ist, sind die Arbeiter doch verpflichtet, einen Helm zu tragen.“

Die Arbeitgeberin erklärte, sie habe gar keine andere Möglichkeit gehabt, als einzuschreiten und die Pflegerin zu entlassen, weil sonst die Aufsichtsbehörden ihren Betrieb schließen würden. Es gehe um 85 Patienten und 15 Mitarbeiter. „Die würden dann auf der Straße stehen.“

Die Vorgehensweise habe sie mit dem Gesundheitsamt abgestimmt. „Ich halte mich an die Regeln, alles andere ist für die Patienten viel zu gefährlich. Ich arbeite sauber.“

Was die Chefin besonders empört: „Ich habe auf dem Test am Tag der Rückkehr in den Betrieb, das wäre Montag, 11. Januar gewesen, bestanden. Die Mitarbeiterin kam aber am 8. Januar zurück und fuhr sofort zur Patientin.“ Sie habe der Angestellten dann eine letzte Frist für einen negativen Test gesetzt – Donnerstag, 14. Januar, 18 Uhr. Diese verstrich.

Eine Entscheidung soll am 14. Juni fällen. Das Verhältnis gilt schon jetzt als zerrüttet. Denn die Pflegerin hat die 90-Jährige an einen anderen Dienst vermittelt. Die betroffene Arbeitgeberin, deren Kundin die Frau vier Jahre lang war, klagt deshalb zudem auf Schadensersatz.

Dorin Popa/Hans Moritz

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare