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Dicke Brette bohren mussten Stanley Odahiekwu (r.) und sein Chef Ralf Wawerla, ehe der Nigerianer endlich als Bodenleger arbeiten durfte. 

Top-Azubi (22) gerät in die Mühlen der Behörden

Arbeitserlaubnis am Zeugnistag entzogen

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Er war in der Ausbildung ehrgeizig, ist einer der Besten seines Jahrgangs sowie arbeits- und integrationswillig. Und dennoch war Stanley Odahiekwu wochenlang zum Nichtstun verdammt. Seinem Ausbilder Ralf Wawerla (56) fehlte eine wichtige Kraft. Und das nur, weil die Ausländergesetze keine flexiblen Lösungen zulassen und so manche Behördenmühle langsam mahlt.

Erding – Er war in der Ausbildung ehrgeizig, ist einer der Besten seines Jahrgangs sowie arbeits- und integrationswillig. Und dennoch war Stanley Odahiekwu wochenlang zum Nichtstun verdammt. Seinem Ausbilder Ralf Wawerla (56) fehlte eine wichtige Kraft. Und das nur, weil die Ausländergesetze keine flexiblen Lösungen zulassen und so manche Behördenmühle langsam mahlt.

Das wirft zumindest der Diplom-Ingenieur für Architektur, der in Altenerding einen Fachbetrieb für Sonnenschutz und Bodenbeläge führt, der Agentur für Arbeit und dem Landratsamt vor. Dabei ging es bei Odahiekwu nicht einmal um die Arbeitserlaubnis oder die Frage, ob ein Migrant einem EU-Bürger den Arbeitsplatz wegnimmt.

Nein, vielmehr vergingen wertvolle Wochen, weil die Agentur für Arbeit bewiesen haben wollte, das Odahiekwu von Wawerla auch anständig bezahlt und nicht etwa über den Tisch gezogen wird.

Mittlerweile sind alle Hürden überwunden

Immerhin, jetzt haben der Unternehmer und sein nigeranischer Angestellter alle behördlichen Klippen umschifft. Der 31-jährige Afrikaner muss endlich nicht mehr untätig in seiner Unterkunft hocken, sondern kann Geld verdienen – und liegt nicht mehr dem Staat auf der Tasche.

Odahiekwu kam 2015 als Flüchtling nach Deutschland. Er und Wawerla als Lehrherr profitierten von der 3+2-Regelung. Der zufolge dürfen Geflüchtete nach erfolgreicher dreijähriger Ausbildung mindestens zwei Jahre in Deutschland arbeiten – auch wenn ihr Asylantrag abgelehnt wurde, wie in Odahiekwus Fall.

Und der junge Mann war erfolgreich. Wawerla berichtet, dass er heuer im Sommer die Ausbildung zum Bodenleger als Drittbester in Bayern bestanden habe, „während etwa die Hälfte der überwiegend deutschen Prüflinge durchgefallen ist“. Der Nigerianer wurde bei der Abschlussfeier sogar besonders gewürdigt. Dass das für die Behörden nicht viel wert ist, musste Odahiekwu die Wochen danach erfahren. Er wurde von Amts wegen zum Nichtstun verdammt.

Behörden unterstellen grundsätzlich Lohndumping - Arbeitgeber sauer

Er hielt sein druckfrisches Zeugnis in den Händen, da verlor ein anderes Papier seine Gültigkeit. „Unmittelbar danach wurde ihm die Arbeitserlaubnis entzogen“, berichtet Wawerla. Plötzlich war der junge Mann wieder von Sozialhilfe abhängig, obwohl ihn Wawerla sofort übernommen hätte. „Mir fehlte ein gut ausgebildeter und maximal motivierter Mitarbeiter, den ich fest eingeplant hatte“, schildert der Unternehmer, der schon viele junge Leute ausgebildet hat.

Da half es beiden auch nichts, dass sie am ersten Tag des Arbeitsverbots umgehend sämtliche erforderlichen Dokumente den Behörden übergaben. Es sollten Wochen vergehen.

Das Gesetz ist klar, aber der Zeitrahmen nicht

Landratsamt und Arbeitsagentur stützen sich auf die Gesetzeslage, der zufolge Odahiekwu zwar tatsächlich Anspruch auf eine Arbeitserlaubnis hat, diese aber zwingend von der Prüfung des Arbeitsvertrags durch die Arbeitsagentur abhängig ist –und das dauerte in diesem Fall. So soll sichergestellt werden, dass ein Arbeitnehmer zu einem den Mindestlohn beziehungsweise einen Tarifvertrag nicht unterschreitenden Lohn beschäftigt wird. Wawerla merkt dazu grundsätzlich an: „Ich bezahle übertariflich.“

Diese Prüfung muss vor der Arbeitsaufnahme erfolgen. Er wundert sich, warum man „schwarzen Schafen“ nicht eine monetäre Sanktion oder eine Nachzahlungspflicht auferlegen könne. Für ihn ist das eine „Gängelung der Arbeitgeber“.

Claudia Fiebrandt-Kirmeyer, Sprecherin der Kreisverwaltung, bestätigt das Prozedere. „Eine automatische Verlängerung der Arbeitserlaubnis ist nicht vorgesehen.“ Sie müsse neu beantragt werden.

Viele weitere Fälle drohen

Nach Wochen der Ungewissheit, des Wartens und Bangens erhielt Odahiekwu Anfang Oktober dann doch seine Arbeitsgenehmigung. Das freut beide, ihre Kritik an der Regelung bleibt aber.

„Fälle wie unserer werden ab sofort gehäuft auftreten, weil nun viele 2015/16 nach Deutschland gekommene Flüchtlinge ihre Lehre abschließen“, ist Wawerla überzeugt. Für ihn ist es überfällig, „dass die Gesetze der Realität und der Praktikabilität angepasst werden“.

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