Das Sondeln ist das große Hobby von Alexander Benke. Unter anderem auf Äckern ist er mit einem Metalldetektor unterwegs, um Fundstücke aus längst vergangenen Zeiten im Untergrund aufzuspüren. Zu seiner Ausrüstung gehört unter anderem auch ein Spaten zum Ausgraben. Auf dem Bild oben zeigt er einen seiner Funde, nämlich eine Lanzenspitze. Fotos: Peter GEbel Münzen undMusketenkugelnDie Gefahr scharferKriegsmunition

Alexander Benke holt Geschichte aus dem Boden

Auf Schatzsuche mit dem Metalldetektor rund um Erding

Als Schatzsucher muss man nicht unbedingt zum Goldschürfen nach Alaska fahren, auch in Erding wartet so mancher Schatz auf einen Finder. Alexander Benke begibt sich regelmäßig auf die Suche und nimmt uns mit zum Sondeln, wie die Suche mit dem Metalldetektor bei Insidern heißt.

Erding Als Schatzsucher muss man nicht unbedingt zum Goldschürfen nach Alaska fahren, auch in Erding und Umgebung liegt so mancher Schatz im Boden verborgen und wartet auf einen Finder. Alexander Benke aus Erding begibt sich regelmäßig auf Schatzsuche und nimmt uns mit zum Sondeln, wie die Suche mit dem Metalldetektor bei Insidern heißt.

Am Wörther Weiher spekulierten Benke und seine Freunde vor einigen Jahren über die Mengen an Münzen, die man auf der Liegewiese aufspüren könne. Schnell war ein einfacher Metalldetektor beschafft. Doch nachdem Unmengen an Kronkorken und anderer Müll gefunden waren, verloren die Männer bald die Lust. Erst ein besserer Detektor, der Metalle unterscheiden kann, brachte den Durchbruch. „Hier kann man das Metall Eisen bei der Anzeige ausblenden, denn Eisen bedeutet oft Schrott“, erklärt der 35-jährige Erdinger.

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Auf Bodendenkmälern darf nicht gesucht werden

Als Betätigungsfeld kommen vor allem Äcker in Frage, aber auch auf Wiesen und im Wald kann gesondelt werden. „Ich hole mir vorher beim Grundstückseigentümer die Genehmigung, auf seinem Acker suchen zu dürfen“, so der gelernte Hotelfachmann, „die meisten haben nichts dagegen, weil wir Schatzsucher gleich auch den Metallschrott mitnehmen, der die landwirtschaftlichen Geräte beschädigen kann“. Vor der Suche wird der Standort im Bayernatlas auf Bodendenkmäler überprüft, denn „in diesem Umkreis darf dann nicht gesucht werden“.

Mittlerweile ist Benke professionell ausgerüstet. Wichtigstes Instrument ist der Metalldetektor mit Teleskopstange und Display. Mit ihm prüft er den Boden in Schwenkbewegungen wie bei einem Scheibenwischer. Erkennt die Sonde ein Metall im Untergrund, erfolgt ein Piepsen, und auf dem Display wird der Leitwert angezeigt, der die Art des Metalls ankündigt. Jetzt kommt der Spaten zum Einsatz, für die genaue Ortung des Fundes wird ein „Pinpointer“ (stabförmiger Detektor, der piept und vibriert) verwendet. Per Grabungsmesser legt der Schatzsucher das Objekt frei und hofft auf den großen Fund.

Weimarer Pfennige kommen häufig vor

„Das meistgefundene Stück ist der Pfennig der Weimarer Republik“, erklärt der Sondengeher. Neben unzähligen Münzen aus den Jahrhunderten hat er ein buntes Spektrum an Funden. Da gibt es Musketenkugeln, aber auch Zinnfiguren, Schuhschnallen oder einen 200 Jahre alten Erding-Stempel.

Zuhause werden die Funde sorgfältig gereinigt und in Plastiktütchen und Münzboxen verstaut. Highlights in Benkes Sammlung sind eine Lanzenspitze (römisch oder frühes Mittelalter), eine Pfeilspitze aus der Bronzezeit und eine römische Gewand-Fibel. Dem Vater eines zweijährigen Sohnes ist es wichtig, „die Geschichte aus dem Boden zu holen, bevor sie durch den Pflug zerstört wird“. Gegraben wird nur bis zu einer Tiefe von 30 Zentimetern. Begeistert berichtet Benke von dem Moment, in dem man ein „Stück Geschichte in der Hand hält“, das vor Jahrhunderten vielleicht ein römischer Soldat verloren hat.

Über 30 Videos auf dem Youtube-Kanal

Wie emotional für Benke der Fund seines „ersten Römers“, eines Silber-Denars aus der Zeit von Kaiser Domitian (81-96 n. Chr.), war, können Interessierte auch im Internet miterleben, denn er filmt seine Erlebnisse beim Sondeln mit dem Handy und stellt die Videos auf Youtube ein. So sind im vergangenen Jahr über 30 Kurzfilme entstanden, zu sehen auf seinem Kanal „TreasurErdinger“. Regen Anteil nimmt daran auch die Community der Sondler, die sich mit dem Finder über tolle Funde freut. Die Schatzsucher helfen sich gegenseitig bei der Bestimmung der Fundstücke über Facebook- oder WhatsApp-Gruppen.

Fundstücke aus Zeiten vor dem Mittelalter werden an das Landesamt für Denkmalschutz gemeldet, die Details zum Fundort dort archiviert. „So kann ich auch ohne Studium zur Archäologie beitragen“, freut sich Benke. In Bayern besteht übrigens kein Gesetz, die Fundstücke abzuliefern, denn der Finder erwirbt hier 50 Prozent am Eigentum. Die andere Hälfte gehört dem Grundstückseigentümer. Bei Raubgräbern, die ohne Genehmigung des Eigentümers buddeln, kann es oft zu Unterschlagungen kommen.

Manchmal liegt scharfe Kriegsmunition im Boden

Ganz ungefährlich ist das Hobby nicht, auch im Landkreis liegt noch scharfe Kriegsmunition im Boden. Bei Verdacht rät Benke, diese keinesfalls mitzunehmen, sondern sofort dem Kampfmittelräumdienst zu melden. Doch meist kommen bei der Grabung eher harmlose Metallstücke zum Vorschein, so seien in beinahe jedem Acker Mundharmonika-Stimmblättchen oder Heiligenanhänger zu finden.

Benkes Wunschtraum ist, eine goldene römische Münze zu finden, sagt er mit leuchtenden Augen. Der dafür fällige Finderlohn vom Bund würde mit dem Grundstückseigentümer geteilt. Unter Schatzsuchern wünscht man sich dazu „Gut Fund“.

Infos für Anfänger

Anfänger sollten unbedingt einige Male mit einem Sondler mitgehen, bevor sie in die Ausrüstung investieren. Benötigt wird ein Metalldetektor mit Teleskopstange (ca. 230 Euro), Spaten, Pinpointer, Grabungsmesser, eine nicht zu kleine Fundtasche, feste Schuhe (ohne Stahlkappen und Metallösen, um Störgeräusche zu vermeiden), Kleidung, die Schmutz verträgt, Handschuhe (scharfkantige Metallteile) und eine Kopfbedeckung. Benke empfiehlt für längere Sondengänge: „Wasser nicht vergessen!“

Gerda und Peter Gebel

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