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Appell für Frieden und Toleranz: die Pfarrer Martin Garmaier (l.) und Christoph Keller bei der Feldmesse.

Aufrüttelnde Feldmesse – Tausende Besucher beim Kirtamarkt und im Bauernhausmuseum

Kirchweih gegen Hass und Rassismus

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Kommerz trifft Kirche: Zum ersten Mal fand anlässlich des Erdinger Kirtamarkts eine Feldmesse statt. Die rund 200 Gläubigen bekamen deutliche Worte zu hören.

Erding – So aktuell und politisch wie am Sonntag war Kirchweih und Erding noch nie. Erstmals fand anlässlich des Kirtamarkts ein ökumenischer Feldgottesdienst statt, den der katholische Stadtpfarrer Martin Garmaier und sein evangelischer Kollege Christoph Keller vor etwa 200 Gläubigen auf dem Schrannenplatz zelebrierten. Dazu spielten der ökumenische Bläserkreis und Guido Krutscher am Klavier.

Keller hielt eine aufrüttelnde Predigt, die er als Friedensgebet nach dem Anschlag auf die jüdische Synagoge in Halle verstanden wissen wollte. Es wurde eine Brandrede gegen Hass, Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung.

„Gott ist für alle Menschen da, über die Religionen hinweg“, sagte Keller. „Wenn es uns nicht mehr gelingt, Synagogen vor Anschlägen zu schützen, dann ist unser aller Leben in Gefahr.“ Leider gebe es immer wieder Gewalt gegen Menschen, Religionen und Anschauungen, „aber in Halle wurde eine weitere rote Linie überschritten“, so der Geistliche über das Attentat, bei dem zwei Menschen unschuldig ihr Leben verloren.

Jetzt sei jeder aufgerufen, ein Zeichen gegen die auseinanderdriftende Gesellschaft zu setzen und sich aktiv gegen Kälte und Härte zu stellen. „Halle hat uns dramatisch vor Augen geführt, dass Worten Taten folgen.“ Keller appellierte aber auch, jeder müsse seine Worte selbst abwägen. „Diffamierungen führen zu einer Spaltung der Gesellschaft, in der keiner mehr auf den anderen hört und auf ihn zugeht“, so der Pfarrer. Er gedachte aller Opfer von Gewalt, Krieg, Terror, Hass und Unterdrückung und mahnte: „Niemand hat das Recht, sich zum Herrn über Leben und Tod aufzuschwingen.“ Eine andere Religion, Hautfarbe oder Herkunft seien keine Rechtfertigung für Ausgrenzung. Stattdessen solle jeder auf die Kraft des Glaubens vertrauen und Brücken schlagen. Keller meinte aber auch, die Versöhner seien nicht alleine. „Es gibt viele Menschen guten Willens.“ Nach der Feldmesse brandete Applaus auf.

Tausende Besucher

Um den Gottesdienst hatte der Fierantenmarkt längst begonnen. Tausende bummelten durch die Altstadt und blieben an den zahlreichen Ständen der fliegenden Händler stehen. Bei angenehm herbstlichen Temperaturen ließen sich viele das Kirtabier im Biergarten auf dem Schrannenplatz schmecken. Um 13 Uhr öffneten dann auch die Geschäfte, die sich über mangelnde Kundenfrequenz nicht zu beschweren brauchten.

Trachtler und Musikanten - ein wahrer Hingucker

Gute Tradition des Kirtamarkts, der vom Netzwerk Ardeo und der Stadt veranstaltet wird, hat der Auftritt der Stadtkapelle und des Trachtenvereins Edelweiß Stamm Erding. Den großen und kleinen Trachtlern bei ihren Tänzen zuzusehen, war vor der Kulisse des bunt gefärbten Laubs eine Augenweide.

Ein Genuss für Augen und Ohren war auch die Kirta im Bauernhausmuseum. Dorthin lud Kreisvolksmusikpfleger Reinhard Loechle nicht nur zum 52. Kreisvolksmusikstag mit einem knappen Dutzend Mitwirkenden. Anlässlich des 30-jährigen Bestehens des ländlichen Museums waren an der Taufkirchener Straße auch die historischen Bauernhäuser und die Werkstätten geöffnet. Der Bauernmarkt offerierte eine Vielfalt von Produkten aus dem Erdinger Land.

Im Museum Erding wurde ebenfalls Kirchweih gefeiert – mit einem böhmisch-bayerichen Tanznachmittag neben der Dauer- und der Sonderausstellung.

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