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Automobilausstellung lockt Tausende Besucher

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Von: Hans Moritz

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Mehrere hundert Neuwagen waren am Wochenende auf dem Erdinger Festplatz zu bestaunen. Die Messe gibt es seit 1972. © Hans Moritz

Seit Jahrzehnten gehört die Automobilausstellung Erding (AAE) zu den großen Motorschauen in Südbayern. Ins Leben gerufen worden war sie 1972 freilich in einem Akt der Verzweiflung. 

Erding - Egon J. Lechner hatte in Erding West ein Einkaufszentrum auf die buchstäblich grüne Wiese gesetzt, an der damals einsam über Land führende Westumgehung, die heutige Sigwolfstraße. Der Rennweg war zu dieser Zeit noch nicht einmal asphaltiert. Lechner wollte „einfach Leute zu mir rauslocken“, erinnert sich der Gründer, der die Idee, Neuwagen auf der Straße auszustellen, von einer seiner USA-Reisen mitgebracht hatte. Genau 50 Jahre ist das jetzt her.

Später fand die AAE mal in der Innenstadt, aber sogar einmal auch in der Tiefgarage des Landratsamts statt. Seit Jahren hat sie ihren festen Platz auf dem Volksfestplatz. Dort wurden am Wochenende 50 Jahre AAE gefeiert – mit Hunderten Neuwagen, aber auch einigen Oldtimern aus den 70er Jahren.

Trotz des eher mäßigen Wetters und Regenschauern strömten an beiden Tagen mehrere Tausend Besucher über das Messegelände. Heuer wurde die Entwicklung der Automobilindustrie deutlicher sichtbar als in früheren Jahren – und zwar vor allem an den Kühlergrills. Viele sind mittlerweile verschlossen – ein Beleg, dass vor allem elektrische Antriebe auf dem Vormarsch sind.

Manfred Gramsamer, Sprecher der Händler, erklärte bei der Eröffnung: „Unsere Branche befindet sich in der größten Umbruchphase. Aber wir haben es geschafft, mit ihr Schritt zu halten.“ Viele Händler haben in Zeiten gerissener Lieferketten Probleme, überhaupt Neufahrzeuge geliefert zu bekommen. Für die AAE war das freilich den meisten gelungen. 26 Aussteller zeigten 22 Marken, hinzu kamen einige Kfz-Dienstleister. Gramsamer brach eine Lanze fürs Handwerk: „Unsere wichtigste Ressource bleibt bei allem Fortschritt der kreative Mensch.“

OB Max Gotz lobte die AAE als „festen Bestandteil des Wirtschaftsstandortes Erding“. Aktuell reiche der Druck, der auf der Automobilindustrie laste. „bis in die kleinste Werkstatt“. Doch der Fachkräftemangel, so Gotz weiter, habe längst das gesamte Handwerk erfasst. Er sehe den Trend, dass alle aufs Gymnasium wollten, vor dem Hintergrund der Funktionsfähigkeit der gesamten Wirtschaft kritisch. Auch meinte der OB, es sei falsch, nur noch auf Elektromobilität zu setzen. Dafür sei die Infrastruktur bei Weitem nicht ausgelegt. „Global ist das gar nicht umsetzbar.“ Er sprach sich für einen Mix an Antrieben aus.

Vize-Landrat Franz Hofstetter erklärte, die AAE sei der Beweis, „wie stark das Kfz-Handwerk in unserem Landkreis ist“. Es sei eine der „tragenden Säulen“ der örtlichen Wirtschaft.

Vater und Geburtshelfer der AAE, Egon Lechner und Günter Lassak, blickten auf die ersten Jahre zurück. Letzterer hatte die Ausstellung die vergangenen Jahrzehnte organisiert, und Lechner würdigte, dass es seinem Mitstreiter gelungen sei, die sich einst missgünstig beäugenden Händler zusammenzubringen. Nur deswegen sei die AAE heute eine große Plattform, auf der alles zu besichtigen sei, was die Branche aktuell zu bieten hat. 1972 seien es gerade einmal 14 Teilnehmer mit 106 Modellen im Gesamtwert von 750 000 Mark gewesen. Heute liegt der Wert um ein Vielfaches darüber. Ein AMG-Mercedes, den das Autohaus Nagel dabei hatte, kostete allein schon über 200 000 Euro.

Gerade wenn es nicht regnete, strömten die Besucher herbei. Unter ihnen war Andreas Stein aus Erding: „Mir gefällt es hier sehr gut. Ich suche einen Transporter für meinen Reinigungsbetrieb. Meine Favoriten sind der neue VW Bus beziehungsweise dessen elektrischer Ableger ID Buzz. Aber noch bin ich nicht fündig geworden.“ Annette Wagner aus Moosburg bekennt sich als „Fan von Autoausstellungen“. Auf der AAE sei sie schon häufiger gewesen. „Auf der Suche bin ich momentan aber nicht, wir haben schon vier Autos zu Hause“, erklärte sie mit einem Augenzwinkern.

Für die Händler ist die AAE nicht zuletzt nach dreijähriger Zwangspause ein wichtiger Termin. Ann-Kathrin Maier vom VW- und Audi-Autohaus Hans Maier erklärt: „Zum Glück sind wir vom Mangel nicht so stark betroffen. Nach der Diesel- und Halbleiterkrise haben wir vor der Pandemie einfach mal kräftig bestellt – 50 Audi und 80 VW. Und wir ordern immer gleich nach.“ Deswegen verfüge man über ausreichend Neuwagen.

Hans-Joachim Jäger vom Mercedes-Autohaus Nagel sagt: „Unsere Hallen sind nicht leer, aber wir können nicht immer sofort das Wunschfahrzeug liefern.“ Wer das unbedingt haben wolle, müsse bis zu einem Jahr warten, vor allem bei den kleineren Modellen. Bei Lkw seien es sogar eineinhalb Jahre. Bei den Jahreswagen stellt Jäger mittlerweile eine abflauende Nachfrage fest. „Dafür läuft der Verkauf Gebrauchter ins europäische Ausland weiterhin sehr gut.“

ham

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