Die Ausbaustrecke ABS 38 auf einen Blick: Der Abschnitt zwischen Markt Schwaben und Ampfing wird zweigleisig ausgebaut.
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Die Ausbaustrecke ABS 38 auf einen Blick: Der Abschnitt zwischen Markt Schwaben und Ampfing wird zweigleisig ausgebaut.

Bahnausbau Markt-Schwaben - Freilassing

Neue Brücken jetzt, Tempo 200 später

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Die Deutsche Bahn setzt die vom Bund beschlossene Planänderung auf der Ausbaustrecke München-Mühldorf–Freilassing (ABS 38) um, damit die Züge zwischen Markt Schwaben und Ampfing auf dann zwei Gleisen bis zu 200 Kilometer pro Stunde fahren können.

Erding – Projektleiter Klaus-Peter Zellmer räumte bei einem Redaktionsbesuch Irritationen dazu aus. Die waren bei einer Veranstaltung in Walpertskirchen aufgekommen, weil die neue Hammerbachbrücke, deren Bau diese Woche beginnt, zunächst nur auf 160 km/h ausgelegt ist. „Das stimmt“, sagte Zellmer. Wir bauen jetzt erst einmal so, weil uns dafür die Genehmigungen vorliegen. Wenn wir Tempo 200 jetzt gleich berücksichtigen würden, bräuchten wir ein neues Genehmigungsverfahren, das uns gut drei Jahre kosten würde.“

Geldverschwendung sei das trotzdem nicht, denn die Heraufsetzung der Höchstgeschwindigkeit von 160 auf 200 km/h verursache lediglich „kleinere Randanpassungen“ etwa an Kurvenradien und Bahndämmen. Auch die Ertüchtigung der dann neuen, breiteren Brücke sei vergleichsweise unkompliziert. „Da geht es etwa um Unterschottermatten“, die dann hinzugefügt werden würden, so der Gesamtprojektleiter. Grundsätzlich ändere sich an dem Ausbauvorhaben aber nichts.

Laut Zellmer ist damit aber ein zeitlicher Verzug verbunden. „Eigentlich wollten wir mit dem Abschnitt 1 zwischen Markt Schwaben über Hörlkofen, Walpertskirchen, Dorfen und Schwindegg bis Ampfing bis Ende dieses Jahres ins Planfeststellungsverfahren. Nun geht die Bahn davon aus, die Unterlagen Ende 2020/Anfang 2021 beim Eisenbahnbundesamt einreichen zu können. Zellmer spricht von einem „ambitionierten Ziel“. Dieser Zeitplan gilt auch für den Ausbauabschnitt Ampfing–Burghausen.

Die neue Höchstgeschwindigkeit wertet das Projekt laut Zellmer enorm auf. „Wir können zusätzliche Züge aufs Gleis schicken. Hinzu kommt eine Zeitersparnis.“

Zellmer betonte, dass die Bahn die gesetzlichen Vorgaben ausschöpfen wird, um einzelne Anlieger der Strecke mit eigenem Bahnübergang zu entlasten. Drei Betroffene gibt es, einer davon in Schwabersberg (Walpertskirchen). Nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz müsste der Bürger ein Drittel der Kosten für einen neuen Übergang übernehmen. „Hier sieht der Gesetzgeber aber Ausnahmen vor“, betonte Zellmer. „Eine Lösung ist eine Querung an anderer Stelle mit dem Bau einer neuen Zufahrt.“ Den Grunderwerb könne man aber erst tätigen, wenn Baurecht vorliegt – derzeit also noch nicht.

Auch die Gemeinde Walpertskirchen kommt finanziell ungeschoren davon, wenn ab kommender Woche die Hammerbachbrücke erneuert wird – und das, obwohl der Durchlass für Autos und Fußgänger auf Wunsch der Kommune deutlich aufgeweitet wird. Diese Querung wird jetzt als Neubau realisiert, der südlich der Bahnstrecke errichtet und dann im Spätherbst hineingeschoben wird. Dafür und für den Abriss bleiben der Bahn nur wenige Tage.

Obwohl auf der Strecke nach dem Ausbau mehr Züge verkehren, die auch schneller fahren, sieht Zellmer Verbesserungen für die Anlieger. „Die Verbindung gibt es seit dem 19. Jahrhundert. Mit dem zweigleisigen Ausbau bekommen sie erstmals Lärmschutz.“

Insgesamt sehen Zellmer und Bahn-Sprecher Franz Lindemair die ABS 38 und damit die deutlich verbesserte Anbindung Südostbayerns an den Münchner Flughafen auf dem richtigen Gleis. Es sei eine „gute und wichtige Entscheidung“ gewesen, nicht nur die Walpertskirchener Spange, sondern auch das zweite Gleis des S-Bahn-Ringschlusses zwischen Erding und dem Flughafen in den Bundesverkehrswegeplan mit aufzunehmen. „Damit ist die Finanzierung besser und gesicherter“, erklärte Zellmer. Denn die Bahn gehe bei solchen Vorhaben mit dem Bund eine Realisierungsverantwortung gemäß der neuen Bedarfsplanumsetzungsvereinbarung ein. „Wir sind dann zum Bau verpflichtet.“

Mit diesem neuen Verfahren werde die ABS 38 insgesamt effektiver. Der Kosten-Nutzen-Faktor für den Abschnitt Tüßling–Freilassing sei nun deutlich besser und ermögliche die Zweigleisigkeit.

Drei Innovationen im Personenverkehr wird die ABS 38 mit sich bringen. Der Flughafenexpress (FEX) verkehrt bereits zwischen Regensburg und Landshut bis an den Airport. Ringschluss und Walpertskirchener Spange bringen dann den Überregionalen Flughafenexpress (ÜFEX) in Bewegung – mit ihm gelangen Reisende bis nach Salzburg, ohne zeitraubende Umwege über München nehmen zu müssen. „Auch von Mühldorf ist man dann viel schneller am Flughafen“, so Zellmer. Die Fahrzeit reduziere sich von zirka 1:50 Stunden auf weniger als 60 Minuten.

Die Region werde Bestandteil des Deutschland-Takts, der laut Zellmer für die großen Bahnknoten einen Stundentakt vorsieht – in diesem Fall zwischen München und Salzburg. Das entlaste auch die Strecke Rosenheim–München. Sie steht aktuell als Brenner-Zulauf im Fokus.

Der Ringschluss wird übrigens nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) umgesetzt, bei dem der Freistaat Bayern finanziell mit im Boot ist. Güterzüge auf dieser Strecke schließt die Bahn weiter aus – weil die nicht unter dem Flughafen durchfahren dürfen.

Hans Moritz & Vroni Vogel

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