+
Nicht für jeden zugänglich ist die Aussegnungshalle in St. Paul. Mit dem Rollstuhl lässt es sich die Treppen etwa nicht hinauf fahren. Als Lösungsmöglichkeit sind nun Rampe oder Lift rechts vom Eingang im Gespräch gewesen.

Barrierefreiheit in St. Paul

Wenn der Weg zum Trauern versperrt ist

  • schließen

Eine ältere Frau sitzt vor der Treppe der Aussegnungshalle in St. Paul und weint. Sie kommt mit ihrem Rollstuhl nicht die Stufen hinauf und kann folglich nicht am Sarg ihres verstorbenen Angehörigen trauern. Von dieser tragischen Begebenheit berichtete Jutta Harrer (SPD) im Planungs- und Bauausschuss des Erdinger Stadtrats. „Von einem sensiblen Diskussionspunkt“ sprach außerdem Oberbürgermeister Max Gotz (CSU). Es ging in der Sitzung darum, wie man in St. Paul einen barrierefreien Zugang zur Aussegnungshalle herstellen könne. Es herrschte so viel Diskussionsbedarf, dass am Ende noch keine finale Lösung gefunden war.

Erding – Stadtbaumeister Sebastian Henrich stellte die schwierige Situation vor. Auf einer drei mal zwei Meter großen Fläche wäre ihm zufolge ein Aufzug in Form eines Plattformlifts – Kostenfaktor: 15 000 Euro – denkbar. Aber es könne dann halt nur einer hochfahren und der nächste danach runter. Henrichs Fazit also: „Das ist ein bissl umständlich.“

Als Alternative biete sich eine Zugangsrampe an, die geforderte Längsneigung von sechs Prozent lasse sich aus Platzgründen allerdings nicht realisieren, so Henrich.

Man könne an den Stufen leicht hinfallen, sagte Gotz. „Wir können froh sein, dass noch keiner ausgerutscht ist.“ Er denke dabei auch an die Sargträger. Ein Lift könne angesichts des Denkmalschutzes problematisch werden. „Der wird da nicht mitspielen, das schaut dort nicht gut aus“, meinte Hans Balbach (Erding Jetzt) und schlug vor, „eine Rampe übers Eck mit einem Podest zu ziehen. Ich denke, das würde hier klappen“. Gotz sagte dazu: „Mit einer Rampe tun wir uns keinen Gefallen.“ Durch sie würde Platz für den Weg neben der Halle verloren gehen.

Der OB brachte noch eine andere Möglichkeit ins Spiel: einen nördlichen Zugang über eine Öffnung an der Rückseite der Aussegnungshalle. Zudem kam im Gremium der Gedanke auf, ob man nicht doch vielleicht eine steilere Rampenlösung als die sechs Prozent Neigung realisieren könnte.

„Eine Rampe nach Süden geht nicht“, betonte Günther Adelsberger (CSU). Dort seien „überall Stolperfallen“, man würde einen Unfallschwerpunkt schaffen. Der CSU-Mann brachte noch einen interessanten Gedanken ins Spiel: Die Beerdigungsrituale hätten sich seit Stadtpfarrer Martin Garmaier deutlich verändert. Für das Requiem werde der Sarg in die Kirche transportiert und dieser danach mithilfe eines Wagens zum Grab gefahren. Der Leichnam komme erst einen Tag vor der Beerdigung in die Aussegnungshalle. Er befinde sich also nur noch einen Tag dort. Die Halle sei folglich nicht mehr so wichtig. Gotz pflichtete dem bei und sprach dahingehend auch an, dass es immer mehr Feuerbestattungen gebe.

„Bei Barrierefreiheit kenne ich keinen Denkmalschutz“, sagte der OB. Die Inklusion sei „eine große Errungenschaft unserer Zeit“, ergänzte Hubert Sandtner (CSU). Sie müsse dem Denkmalschutz übergeordnet werden.

Letztlich beschloss der Ausschuss aber einstimmig, die Entscheidung zurückzustellen. Die Stadtverwaltung soll nun mit der Pfarrei St. Johannes ein Gespräch führen und Möglichkeiten für Rampen im Süden und Norden des Gebäudes vorlegen. „Wir dürfen das auf gar keinen Fall über den Kopf der Pfarrei hinweg entscheiden“, meinte Gotz abschließend.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Unfallopfer bedankt sich bei seinen Rettern
Der schlimme Lkw-Unfall im vergangenen März auf der A 99 bei Hohenbrunn steckt Bernhard Wiedemann (59) noch immer in den Knochen. Der Kraftfahrer verletzte sich bei dem …
Unfallopfer bedankt sich bei seinen Rettern
Motorradfahrer (18) und Sozia (17) verletzt
Auf der Strecke zwischen Langengeisling und Tittenkofen hat sich am späten Samstagabend ein Motorradunfall mit zwei Verletzten ereignet.
Motorradfahrer (18) und Sozia (17) verletzt
Schlimmer Unfall am Flughafen München: BMW-Fahrer in Lebensgefahr - Straße für Stunden gesperrt
Ein schlimmer Unfall hat sich vor Kurzem südlich des Flughafens München ereignet. Ein BMW-Fahrer schrottete sein Auto bis zur Unkenntlichkeit - und schwebt nun in …
Schlimmer Unfall am Flughafen München: BMW-Fahrer in Lebensgefahr - Straße für Stunden gesperrt
Dorfen freut sich auf den zweiten Lenz 
Dorfen – Der Dorfener Lenz ist der kleine Bruder des Erdinger Sinnflut-Festivals und startet am morgigen Ostersonntag: „Man kann die beiden schon vergleichen – der Lenz …
Dorfen freut sich auf den zweiten Lenz 

Kommentare