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Kreishandwerksmeister Rudolf Waxenberger befürchtet Engpässe und beklagt Preisexplosion.

Kreishandwerksmeister Rudolf Waxenberger befürchtet Engpässe und beklagt Preisexplosion

Rohstoffmangel: Kurzarbeit droht

  • VonAlexandra Anderka
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Die Baubranche ist bislang gut durch die Pandemie gekommen, doch nun drohen ihr Rohstoffengpässe. Stahl, Blech und Dämmmaterial werden knapp und verdoppeln sich dadurch teilweise im Preis. Holz ist vorhanden, doch um rund 25 Prozent teurer.

Landkreis – Rudolf Waxenberger, Kreishandwerksmeister und Inhaber des Bauunternehmens Anzinger in Erding, schlägt Alarm. Am kritischsten sei die Lage bei den erdölbasierten Dämmstoffen. Konkret gehe es hier um sogenannte XPS-Platten, also Dämmplatten für Kelleraußenwände, aber auch zur Abdichtung und Wärmedämmung unter der Bodenplatte. „Die Lieferzeiten betragen hier zwei Monate und mehr, der Preis hat sich verdoppelt“, klagt Waxenberger und ergänzt: „Ohne diese Platten kann man nicht anfangen, ein Haus zu bauen.“ Er selbst habe so etwas noch nicht erlebt.

Das ganze Übel führt Waxenberger auf den „künstlich produzierten Mangel in der Industrie in den betreffenden Bereichen“ zurück, die durch künstliche Verknappung die Preise bestimmen wolle.

Auch Georg Lippacher, Obermeister der Zimmerer-Innung Erding, gibt der Industrie die Schuld für die Misere, vermutet aber eher Nachlässigkeit. „Die Industrie hat nicht richtig kalkuliert. Sie ist am Anfang der Corona-Krise von einem Konjunkturtief ausgegangen, hat die Arbeiter in Kurzarbeit geschickt und den Winter dann verschlafen, vielleicht auch ein bisschen gepokert.“ In dieser Zeit würden die Lager normalerweise aufgefüllt.

Schon im Januar und Februar hätten sich Lieferungen verzögert. Die Preise seien explodiert. „Dass es so dramatisch wird, hätte keiner gedacht.“ Dämmstoffe, die Lippacher in seiner Zimmerei in Ottenhofen in drei Monaten braucht, bestelle er schon jetzt. Normalerweise habe er rund 14 Tage Vorlaufzeit. Er baue individuelle Holzhäuser, deshalb habe er auch nur bedingt vorsorgen können. „Ich kann nicht wahllos einkaufen, am Ende bleibe ich drauf sitzen.“

Entwarnung gibt vorerst Rosmarie Neumeier-Korn, Sprecherin der Robert Decker GmbH aus Dorfen. Bei Holzbau Gaigl, ein Tochterunternehmen in Forstern, habe man durch gute Vorplanung und frühzeitige Bestellung Materialengpässen bislang gut entgegengewirkt.

Urs Ickler, Betriebsleiter der weiteren Tochterfirma Timber Homes, erklärt: „Für die standardisierten Gewerbemodule können wir die tragenden Holzbauelemente wie Boden, Decken-, Wandelemente und Baubuche-Rahmen schon weit im Voraus bestellen.“ Doch er räumt ein: „Durch Lieferverzögerungen muss in der Produktion immer wieder improvisiert werden.“

Ein anderes Problem für die Zimmerer ist der Nachschub von Holz. Hier bereite vor allem der Preis Sorgen. Es sei genügend Holz vorhanden, würden ihm die Sägewerksvertreter versichern, doch es werde nach China und in die USA exportiert. China freue sich über eine robuste Konjunktur, den USA sei Kanada als Holz-Hauptlieferant weggebrochen, da dort der Borkenkäfer wüte. Russland hätte genug Bestand, könnte den Markt beherrschen, habe aber logistische Probleme. Die erhöhte Nachfrage treibe den Preis um rund 25 Prozent in die Höhe.

„Es stimmt einfach nicht, dass Holz zu teuer ist“, sagt hingegen Rainer Mehringer. Es erhalte nur endlich den gerechtfertigten Preis. Mehringer ist seit 15 Jahren Vorsitzender der 1600 Mitglieder starken Waldbesitzervereinigung im Landkreis. Zum ersten Mal habe er im April eine Preiserhöhung erlebt. Die hohe Nachfrage sei dringend nötig, schließlich müssten die Waldbauern ihre Wälder klimagerecht umbauen und mit wertvollem Laubholz aufforsten. „Das ist wichtig, aber teuer. Deshalb brauchen wir einen angemessenen Preis für unser Holz.“

Dem Waldexperten zufolge ist die erhöhte Nachfrage auch der gesteigerten Binnenbautätigkeit während der Pandemie geschuldet. Weil Reisen und andere Freizeitaktivitäten ausfallen, investierten die Bürger ins eigene Zuhause. Holzhäuser seien klimafreundlich und deshalb im Kommen. Durch hohe Erdgas- und Heizölpreise sei wieder mehr Brennholz gefragt. Mehringer versichert: „Es gibt keinen Mangel.“

Gut 1000 Euro anstatt der bislang üblichen 500 Euro muss Robert Henn, Geschäftsführer der Horst Heiss Stahlbau GmbH aus Berglern, aktuell für die Tonne Stahl hinlegen. Noch dazu sei Stahl gerade Mangelware. Im ersten Lockdown steckte darin auch die Industrie. „So einen Hochofen wieder hochzufahren, dauert“, weiß Henn. Die Autoindustrie nehme zudem wieder an Fahrt auf, die würde das Blech wegkaufen. Kollegen hätten da große Not.

Heiss Stahlbau benötige in erster Linie Stahl. Noch sei das Lager gefüllt, doch er könne nur spekulieren, wie es weitergeht und wie er einkaufen soll. „Keiner weiß, wann die Fahrt nach oben zu Ende ist.“ Doch er gibt sich zuversichtlich: „Ich glaube, dass der Zauber genauso schnell verschwindet, wie er gekommen ist. Wir hatten schon mal eine ähnliche Not, die hat damals ein paar Monate angehalten.“

Neumeier Korn von der Firma Decker meint: „Seit Beginn der Pandemie gab es immer wieder Engpässe. Wir haben bis Juni noch alle Bestellungen bestätigt bekommen. Für das dritte Quartal wird’s spannend, ob es so bleibt.“

Zimmerermeister Lippacher klagt über „doppelt so viel Arbeit im Büro wie sonst“, weil recherchiert werden müsse, zu welchem Preis man wo Holz herbekomme. Doch noch seien die Auftragsbücher voll und alle Zimmerer auf dem Bau.

Waxenberger hingegen hat von Kollegen aus dem Zimmerer-Handwerk gehört, dass trotz guter Auftragslage Kurzarbeit nicht ausgeschlossen werden könne. Er fordert ein Handeln der Politik: „Exporteinschränkungen wären angebracht.“ Erst wenn die heimischen Betriebe versorgt sind, soll ins Ausland verkauft werden.

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