1. Startseite
  2. Lokales
  3. Erding
  4. Erding

Ein Schmuckstück mit tiefen Wurzeln

Erstellt:

Von: Hans Moritz

Kommentare

bauernhausmuseum-erding-neubau
Eine Roteiche vor dem neuen Museums- und Marktgebäude pflanzten am Dienstag (v. l.) OB Max Gotz, 3. Landrat Rainer Mehringer, Landrat Martin Bayerstorfer, Landkreis-Dekan Michael Bayer und Monika Mayr vom Bauernmarkt-Team anlässlich der Einweihung. © Hans Moritz

Das Bauernhausmuseum in Erding ist um ein Gebäude reicher - ein neues mit Elementen aus dem frühen 17. Jahrhundert.

Erding - Als 1627 in Pesenlern der markante Hof entstand, wohl der größte im Ort, tobte der Dreißigjährige Krieg, die Pest wütete. 400 Jahre später wird das neue Markt- und Museumsgebäude am Bauernhausmuseum an der Taufkirchener Straße eingeweiht – mitten in einer Pandemie historischen Ausmaßes.

Das bäuerlich-bürgerliche Anwesen gilt als das älteste Profangebäude im Landkreis. Teile davon – freilich deutlich weniger als anfangs erhofft – wurden in das neue Eingangsgebäude des Museums integriert. Sie sind im Süden und Osten des markanten Gebäudes gut sichtbar. Charakteristisch ist das Frackdach. Ein Balkon verläuft entlang der Süd- und Ostseite. In dem an einen Stall angelehnten Trakt zieht der Bauernmarkt ein – mit viel hellem Holz, zwei Ebenen, modernen Verkaufstresen und Ringleuchten, wie sie auch im neuen Erdinger Rathaus zu finden sind. Der Zugang ins Museum erfolgt künftig von Norden her in ein Foyer.

Auf Wunsch des Bauernmarkt-Teams wurde noch ein hölzerner Anbau geschaffen, ein sogenannter Schopf. 220 000 Euro hatten die Planer allein dafür kalkuliert. Am Ende waren es nur 80 000 Euro, denn die Schreinerklasse der Berufsschule Erding zeigte hier ihr Können eindrucksvoll. Insgesamt kostet der Neubau knapp drei Millionen Euro.

Bei der Einweihung am Dienstag nannte Landrat Martin Bayerstorfer das Museum „eines der Schmuckstücke in unserem Landkreis, das die bäuerliche Geschichte nicht in Vergessenheit geraten lässt und anschaulich aufzeigt, wie Menschen früher gelebt und gearbeitet haben“.

Die Investition sei auch erforderlich geworden, um dem Bauernmarkt mit Erzeugnissen aus der Region eine Zukunft zu bieten. „Hier hätten wir wegen der Hygiene auf absehbare Zeit Probleme bekommen“, mutmaßte Bayerstorfer. Das Museum gibt es seit 32 Jahren, zwei Jahre später kam der Bauernmarkt hinzu. Und was wird aus dem bisherigen Standort des Bauernmarkts, dem Stadel Stetten? Hier kann sich Bayerstorfer eine Eventhalle vorstellen.

Die sogenannte Translozierung des alten Hofs, geplant von Architekt Udo Rieger, begann im Herbst 2018. Der offizielle Spatenstich erfolgte am 29. Oktober 2019. Von Februar bis Mai 2020 fanden der Wiederaufbau und die Ergänzung des historischen Blockbaus in der Werkstatt von Zimmerermeister Georg Lippacher in Ottenhofen statt. Richtfest feierte der Landkreis vor ziemlich genau einem Jahr, zu Weihnachten war der Bau dicht. Im Frühjahr 2021 folgten Heizung, Lüftung und Sanitärarbeiten, im April Fassaden und Balkone.

OB Max Gotz sprach von einem „bereichernden Gebäude“. Mit Blick auf die Debatten im Kreistag im Vorfeld meinte er: „Viele politische Entscheidung entfalten ihre Tragweite erst viel später.“ Das Museum sei mehr denn je „ein Ort, an dem Menschen zusammenfinden“. Erding sei einem starken Wandel unterworfen. „Umso wichtiger ist, dass wir unsere Wurzeln pflegen“, so der OB.

Architekt Frieder Lohmann sprach von einem „spannenden und anspruchsvollen Unterfangen, Altes und Neues zusammenzuführen“. Hinzu sei die Herausforderung gekommen, mitten im Lockdown arbeiten zu müssen, was alles enorm erschwert, aber nichts verhindert habe.

Insgesamt beträgt die Nutzfläche des vollständig barrierefreien Neubaus 410 Quadratmeter, davon entfallen 145 Quadratmeter auf die Verkaufs- und 65 Quadratmeter auf die Gasträume. Hier finden 52 Besucher Platz.

Landkreis-Dekan Michael Bayer erinnerte bei der Weihe ebenfalls an das frühe 17. Jahrhundert. In der gleichen Zeit, in der in Pesenlern das Profangebäude entstand, sei in Rom der Petersdom erbaut worden.

Der Bauernmarkt findet an diesem Freitag noch am alten Standort statt. Im Neubau ist er ab Freitag, 3. Dezember, zu finden. ham

Auch interessant

Kommentare