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Stolz auf die Entwicklung der Pflegeausbildung in Erding (v. l.) sind Landrat Martin Bayerstorfer, Schulleiter Michael Gügel, Pflegedirektorin Gertrud Friess-Ott und Klinikumschef Dr. Dirk Last. 

Berufsfachschule für Krankenpflege vor zehn Jahren eröffnet

Wie Pfleger das Klinikum retteten

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Zehn Jahre sind an sich noch kein Jubiläum, das man groß feiern müsste. Und dennoch gibt es gute Gründe, das zehnjährige Bestehen der Berufsfachschule für Krankenpflege am Klinikum Erding gebührend zu begehen. Denn ohne diese Einrichtung gäbe es das Krankenhaus vielleicht gar nicht mehr.

Erding - Diese These wagte zumindest Gertrud Friess-Ott beim Festakt am Freitag. Vor elf Jahren trat sie als Pflegedirektorin in Erding an. „Mir war sofort klar: Wir haben zu wenig Schwestern.“ Beim damaligen Vorstand Joachim Ramming habe sie darauf gedrungen, selbst eine Pflegeschule aufzubauen. „Ich habe gesagt, wenn wir hier nichts tun, werden wir das Haus nicht halten können.“ Für eine reine „Missstandsverwaltung“ wäre sie nicht zur Verfügung gestanden.

Doch sie sei auf taube Ohren gestoßen. Landrat Martin Bayerstorfer habe ihre Warnung schließlich erhört. Der Grundsatzbeschluss, erinnerte sich die Pflegedirektorin, sei beim Kreismusikfest auf einer Bierbank gefallen.

Erst gab es kritische Debatten, dann einen einstimmigen Beschluss: Wir machen das!

Bayerstorfer berichtete, dass es im Kreistag intensive und kritische Debatten gegeben habe, ehe für den Aufbau der Schule ein einstimmiges Votum fiel. Im Oktober 2009 nahm die Schule ihren Betrieb auf – im Schwesternwohnheim und im Untergeschoss des Klinikums. 25 angehende Pfleger konnten Friess-Ott und Gründungsschulleiterin Elke Freidhöfer im ersten Jahrgang begrüßen. Ihr Nachfolger Michael Gügel berichtete, dass seither 450 junge Leute eine Ausbildung begonnen hätten, 225 hätten ihren Abschluss in der Tasche. Ein Drittel arbeitet im Klinikum. Drei Jahrgänge mit je zwei Klassen befinden sich gegenwärtig in Ausbildung. Das sind 125 Azubis, die bis 2022 fertig sein werden.

Bildung und Gesundheit: Wir haben Hervorragendes geschaffen

Bayerstorfer meinte: „Hier haben wir Hervorragendes geschaffen – die Kombination aus Bildung und Gesundheit.“ Pflegekräfte würden dringend benötigt, „und unsere Schule sowie die engagierten Lehrkräfte sind die wichtigsten Bausteine dafür“.

Wie wichtig dieser Baustein ist, erläuterte Dr. Dirk Last, Leiter des Klinikums: 2009 gab es bundesweit 9300 offene Stellen, zehn Jahre später sind es 40 000. „Die Gründung der Erdinger Schule war mutig, aber ein wichtiger und richtiger Schritt.“ Das könne man am Pflegepersonal in den Kliniken Erding und Dorfen ablesen. 2009 seien es 173 Stellen gewesen, 2018 schon 193. Heuer seien es 220 – laut Last auch wegen des Pflegekräftestärkungsgesetzes mit erheblicher finanzieller Unterstützung durch den Bund.

50 bis 60 Anmeldungen pro Jahr

Die neue Pflegeruntergrenze, ein weiteres neues Gesetz, habe dazu geführt, dass einige Kliniken ganze Stationen hätten schließen müssen – nicht in Erding. Last blickt optimistisch in die Zukunft. „Wir sind mit 25 Leuten gestartet, heute bekommen wir 50 bis 60 Anmeldungen pro Jahr.“

Die Pflegeschule wuchs auf einem bereits bereiteten Boden. Seit 1972 existiert am Krankenhaus eine Berufsfachschule für Krankenpflegehilfe mit jährlich 25 Schülern. Am 1. April 2002 ging die Fachschule für Altenpflegeschule in Betrieb. Sie befindet sich seit 2003 in Träger- und Betreiberschaft der BRK-Schwesternschaft München.

Ein großer Meilenstein wurde vor ziemlich genau einem Jahr gelegt: Am 12. Oktober 2018 wurde das neue Bildungszentrum für Gesundheitsberufe neben dem Klinikum eingeweiht – die Zeit in Kellerfluren und Containern ist seither vorbei. Alle Redner betonten, wie schön und funktional der Neubau sei, in dem auch Fort- und Weiterbildungen stattfinden.

2020 kommt die generalisierte Ausbildung

Damit ist man am Klinikum gut für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet, meint Gügel. Die Pflege steht nach seinen Worten nämlich vor einem tief greifenden Wandel. 2020 startet die generalisierte Ausbildung für ambulante Pfleger sowie die Kräfte in der akut-stationären und der Langzeitpflege.

Der Schulleiter bat darum, gerade bei der Pflege nicht immer nur Mängel und Missstände zu sehen. „Legen wir den Fokus darauf, was die Pflege alles Hervorragendes für die Menschen leistet.“ Dafür erhielt er Applaus.

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