Nicht nur für die Dinge des Lebens bringt die Corona-Krise starke Einschränkungen mit sich. Auch die Bestattung der Toten verlangt in diesen Zeiten einschneidende Maßnahmen.
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Sich selbst schützen müssen Bestatter, wenn nicht klar ist, ob ein Verstorbener das Covid-19-Virus in sich getragen hat. Unser Bild zeigt die Mitarbeiter von Karl-Albrecht Denk.

„Es braucht sehr viel Einfühlungsvermögen“

Bestatter berichten über Trauerfeiern in der Corona-Krise

Nicht nur für die Dinge des Lebens bringt die Corona-Krise starke Einschränkungen mit sich. Auch die Bestattung der Toten verlangt in diesen Zeiten einschneidende Maßnahmen.

Erding Nicht nur für die Dinge des Lebens bringt die Corona-Krise starke Einschränkungen mit sich. Auch die Bestattung der Toten verlangt in diesen Zeiten einschneidende Maßnahmen – vor allem zum Schutz derjenigen, die den letzten Weg der Menschen wesentlich zu gestalten haben. Und sie bemühen sich derzeit auch um eine besonders empathische Bewältigung dieser Situation.

Mit der neuen Lage durch Corona gehen die Gemeinden, in denen die Bestatter ihren Sitz haben, sehr unterschiedlich um. So berichtet zum Beispiel der Bestatter Karl Liegl aus Mühldorf, der auch in Dorfen eine Filiale betreibt, dass dort momentan nur Erdbestattungen erfolgten. „Urnen-Beisetzungen“, so Liegl, „haben jetzt anscheinend Zeit, deshalb können sie aufgeschoben werden“.

Strenge Regeln beim Umgang mit Toten

Von einer Reduzierung auf Beisetzungen in der Erde weiß Bestatter Karl Albert Denk aus Erding hingegen nichts. „Hier finden sowohl Erd- als auch Urnenbegräbnisse statt. Eine Zunahme durch Tote wegen des weltweiten Virus können wir derzeit aber noch nicht feststellen.“ Eine Welle wie vor Jahren mit den Grippe-Toten erwarte er nicht. „Und wenn sie tatsächlich kommen sollte, können wir sie auch bewältigen“.

Auf jeden Fall müssen sich jetzt Bestattungsunternehmen an strenge neue Regeln beim Umgang mit Toten halten. „Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittel-Sicherheit hat Empfehlungen heraus gegeben, nach denen wir ab sofort eine Bestattung nur noch im Freien abhalten dürfen. Es können lediglich maximal 15 Personen – inklusive Bestattern, Pfarrer und Trauergäste – daran teilnehmen, mit mindestens zwei Metern Abstand zueinander“, berichtet Denk.

Schutzkleidung, Handschuhe, Mundschutz

Zudem sei es nicht erlaubt, bei Todesanzeigen in der Zeitung den Zeitpunkt und den Ort einer Bestattung zu nennen. Ferner dürften weder Weihwasser noch Erde gereicht werden.

Von „massiven Schutzmaßnahmen“ für sein Personal berichtet auch Bestatter Konrad Brummer aus Forstern. „Wenn wir nicht sicher sind, ob Corona die Todesursache war, treten meine Leute nur noch in Schutzkleidung, Handschuhen und Mundschutz an. Zudem desinfizieren wir alles, was mit den jeweiligen Bestattungsgegenständen zu tun hat.“

Seine Firma hat sogar den Schreibtisch im Büro am Stammsitz Forstern mit einer Glasscheibe versehen, um die Angestellten vor Ansteckung zu schützen. Wie alle seine Berufskollegen sieht auch Brummer ein Problem darin, dass Krankenhäuser oder Angehörige bei der Abholung der Leichname nicht immer sagen können, ob es sich um Corona-Infizierte handelt.

Arztgeheimnis gilt auch nach dem Tod

Darüber ist auch der Bestatterbund Bayern in München nicht glücklich. Sein Geschäftsstellenleiter Jörg Freudensprung dazu: „Es gibt eine starke Differenz bei den Zahlen der Corona-Toten zwischen Gesundheitsämtern in den Landkreisen, Krematorien oder Friedhofsverwaltungen. Zwar sollten Tote, die mit dem Virus infiziert sind, als solche auch mit dem Vermerk Covid-19 versehen sein. Doch für uns Bestatter ist es unmöglich, dies immer zu kontrollieren. Schließlich gilt hier auch noch das so genannte postmortale (nach dem Tod, d. Red.) Arztgeheimnis. Deshalb empfehlen wir unseren Verbandsmitgliedern, lieber gleich auf Nummer sicher zu gehen und sich selbst zu schützen.“

Besondere Aufmerksamkeit aber gebührt, wie Denk ausführt, auch der guten Betreuung der Angehörigen.

Angehörige haben meist Verständnis

„Vieles hat sich geändert durch Corona. Deshalb liegt es an uns, den trauernden Hinterbliebenen eine Situation bei der Bestattung zu schaffen, die von besonderer Empathie zeugt.“ Man empfehle beispielsweise, Musikanten live am Grab spielen zu lassen oder aus dem Freundeskreis einen Redner zu finden, der persönliche Worte formulieren kann.

„Das alles ist Balsam für die Seele. Wir raten auch zu Blumenschmuck, der über unsere Beziehungen sehr wohl noch zu haben ist. Und wir geben uns große Mühe, zusammen mit den Verwaltungen der Friedhöfe möglichst Tage für eine Bestattung zu finden, an denen schönes Wetter ist. So banal es klingen mag: An einem sonnigen Tag wird selbst ein so trauriger Anlass wie eine Bestattung viel positiver wahrgenommen, als wenn es regnet. Es bedarf momentan sehr viel Einfühlungsvermögens“.

Der erfahrene Bestatter registriert aber auch, dass erstaunlich viele Leute großes Verständnis dafür haben, dass derzeit andere Umstände als sonst zu berücksichtigen seien. „Manche“, so Denk, „verschieben eine größere Trauerfeier auf irgendwann später im Jahr. Wir selbst schlagen unseren Kunden vor, dass Freunde und Bekannte, die nicht an der eigentlichen Bestattung teilnehmen konnten, an, das Grab am nächsten Tag zu besuchen. Davon können einen weder Behörden noch Gesetze abhalten.“

Friedbert Holz

Alle Nachrichten und Infos zur Corona-Krise im Landkreis Erding finden Sie in unserem Newsticker.

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