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Einen Bon bei jedem Verkauf muss seit neuestem Derya Bayir vom SB-Backshop in Erding ausdrucken. 

Erdinger Betriebe finden bessere Kontrolle sinnvoll

Kassenbonpflicht: Gute Idee, aber zu viel Papier

Dass der Staat Steuerhinterziehungen verhindern will, stört die Erdinger Betriebe nicht. Die Kassenbonpflicht aber schon, denn es gebe umweltfreundlichere Alternativen.

Erding – Früher freiwillig, heute Pflicht: Bisher wurden Kassenzettel oftmals nur auf Anfrage der Kunden ausgedruckt. Seit 1. Januar gibt es in Deutschland das Gesetz, dass alle Dienstleister und Handelsunternehmen dem Kunden ohne gesonderte Aufforderung einen Kassenbon ausstellen müssen. Das kommt bei den Betrieben im Landkreis Erding nicht so gut an.

Laut Bundesfinanzministerium müssen bis Ende September alle Unternehmen mit einem speziellen Kassensystem ausgestattet werden, einer so genannten technischen Sicherheitseinrichtung (TSE). Durch das System wird jede Transaktion unwiderruflich aufgezeichnet und der Kaufbeleg automatisch ausgedruckt. Sinn der neuen Auflage: „Eine Sicherstellung der Steuereinnahmen“, erklärt Guido Riemerschmid, Pressesprecher des Erdinger Finanzamts. Heißt: Durch das Ausdrucken der Bons soll gewährleistet werden, dass alle Einnahmen aufgezeichnet und Steuerhinterziehungen effektiv verhindert werden.

Das neue System ist sehr kostspielig

Doch das gefällt nicht allen. Stine Schallhorn, Mitarbeiterin in der Café Bar Buona Vista in Erding, ist beispielsweise der Meinung, dass die Kassenbonpflicht viele Nachteile mit sich bringt und besonders im gastronomischen Bereich schwierig umzusetzen ist. „Ich finde, es ist wirklich ein Wahnsinn, wie viel Papier dadurch verschwendet wird. Unsere Kunden kommen meist, um ein paar Bier oder einen Kaffee zu trinken. Da werden die Zettel eigentlich alle sofort weggeschmissen.“ Außerdem sei das ganze System sehr umständlich. Das tägliche Geschäft lebe von einer schnellen Reaktion auf die Wünsche der Kunden. Dies würde durch das gehäufte Ausdrucken der Belege an der Kasse erschwert.

Zudem sei das neue Registrierkassensystem auch sehr kostspielig. Allein die Anschaffung des TSE-Systems sei sehr teuer. „Ich denke aber auch, dass wir in Zukunft mehr Papierrollen verbrauchen werden. Die sind zwar im Einzelnen nicht teuer, werden sich in der Summe aber durchaus rechnen“, sagt Schallhorn, die der Idee zur besseren Kontrolle trotzdem nicht gänzlich abgeneigt ist. Das Gesetz sollte jedoch ihrer Meinung nach entschärft werden: „Eine gute Alternative zum jetzigen Kassensystem wäre ein System, bei dem zwar alle Bestellungen unwiderruflich aufgezeichnet, nicht aber für jede Transaktion ein extra Zettel ausgedruckt wird.“

Klimaschonender: Beleg aufs Handy

Auch Lucas Leal Lopes, Inhaber des Friseursalons Backstage Hairdesign in Erding, findet die Idee einer besseren Kontrolle prinzipiell gut. „Ich kann mir durchaus vorstellen, dass so ein TSE-System dabei helfen kann, mehr Steuerbetrüger aufzudecken.“ Wie Schallhorn findet jedoch auch er, dass das System, so wie es jetzt konzipiert ist, nicht besonders umweltfreundlich sei. „Einen QR-Code, mit dessen Hilfe die Kunden ihren Kassenbeleg auf dem Handy ansehen können, halte ich für eine wesentlich klimaschonendere Alternative. Auch bei umweltfreundlicherem Papier wäre ich dabei, solange sich dies preislich nicht deutlich vom normalen Papier abhebt.“

Kassenrolle: Früher eine pro Monat, jetzt eine pro Tag

Auch Reinhard Berzl, Inhaber des SB-Backshops in Erding, stört die steigende Umweltverschmutzung. „Der Verbrauch ist enorm. Während wir zuvor höchstens eine Kassenrolle pro Monat benötigt haben, sind es jetzt ein bis zwei Rollen pro Tag. Ich halte es für kompletten Irrsinn, dass sogar für kleinste Beträge nun ein Bon auszustellen ist“ – wenn zum Beispiel jemand eine Semmel für 25 Cent kaufe. Die Kasse des Backshops sei bereits vor der Einführung des Gesetzes mit einem Chip ausgestattet gewesen, mit dem alle Vorgänge aufgezeichnet worden seien, sagt Berzl. Eine Kontrolle sei daher bereits gewährleistet und das TSE-System deshalb überflüssig.

Berzl wäre dafür, standardmäßig eine Kasse mit beispielsweise einem Chip einzuführen. Den Hintergrundgedanken des Gesetzes findet er jedoch ausgesprochen wichtig: „Als Ladeninhaber bin ich nicht immer vor Ort.“ Eine technische Kontrolle der Einnahmen sei deshalb wichtig, um auch die Mitarbeiter und deren Arbeit zu beaufsichtigen. „Als Unternehmen ist es mir naturgemäß ein Anliegen, gesetzmäßig zu agieren“, versichert Berzl. Abschließend bleibt die Meinung aller Befragter ähnlich: Gute Gesetzesidee – aber zu viel Papier.

Franziska Polenz und Susanne Webersberger

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