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130 Gramm Hanf-Harz soll der Angeklagte zwei Minderjährigen zum Weiterverkauf gegeben haben. Symbolbild.

Drogen an Minderjährige verkauft

Bewährungsstrafe für Drogendealer nach widersprüchlichen Aussagen

Fünf Jahre Haft drohte einem Asylbewerber aus Taufkirchen, der Minderjährige zum Drogenverkauf angestiftet haben soll. Vor Gericht kann ihm vieles nicht nachgewiesen werden. Eine Bewährungsstrafe gibt es trotzdem.

Erding/Taufkirchen/Landshut – Eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren aufwärts drohte einem Asylbewerber aus Taufkirchen, der laut Anklage unter anderem zwei minderjährige Syrer zum Drogenverkauf angestiftet haben soll. Doch im Prozess vor der 6. Strafkammer des Landshuter Landgerichts handelte sich der Angeklagte vor allem wegen widersprüchlicher Zeugenaussagen letztlich lediglich eine Bewährungsstrafe ein.

Laut Anklage der Landshuter Staatsanwaltschaft verkaufte der 29-Jährige im Dezember 2018 in der Nähe des Erdinger Bahnhofs an einen damals 14-jährigen Syrer zunächst 2,5 Gramm Marihuana. Der große Deal soll einige Wochen später über die Bühne gegangen sein: Da übergab der Palästinenser dem 14-Jährigen und dessen 16-jährigem Landsmann angeblich 130 Gramm Haschisch – für nur 50 Euro, aber mit der Anweisung das Gift weiterzuverkaufen.

Angeklagter und Zeugen schwiegen

Da das Geld auf sich warten ließ, soll er den beiden Schülern gedroht haben, dass er „einen schlachten werde“, wenn er nicht 100 Euro von ihnen bekomme. Außerdem soll er dem 16-Jährigen dessen Handy abgenommen haben.

Zum Prozessauftakt machte der 29-Jährige keinerlei Angaben zur Sache. Die Aussagen der jungen Zeugen aus der Asylbewerber-Szene waren offensichtlich darauf ausgerichtet, die Sache herunterzuspielen. Statt Angst hätten sie nur Respekt gehabt, an Drohungen könnten sie sich nicht erinnern. Und Drogengeschäfte kenne man nur vom Hörensagen, so der Jüngere.

Keiner wollte schlechtes Haschisch kaufen

Auch die Vernehmung des inzwischen 15-jährigen Syrers erwies sich alles andere als der Wahrheit dienlich. Er war erst tags zuvor selbst auf der Anklagebank gesessen. Wegen Drogengeschäften, Raubs, Diebstahls und Körperverletzung hatte er sich eine Jugendstrafe von eineinhalb Jahren eingehandelt. Er bestätigte die Anklagevorwürfe gegen den Palästinenser. Er habe viele Deals im Stadtpark abgewickelt und habe ihn und seinen Landsmann aufgefordert, die Drogen gewinnbringend weiterzuverkaufen.

Das Haschisch sei von so „miserabler Qualität“ gewesen, dass es keiner haben wollte. Es sei lediglich zu einem Geschäft gekommen, den Großteil habe man an einem Bach versteckt. Von dort sei es dann verschwunden.

Angeklagter gestand Drogenabgabe an Minderjährige und Diebstahl

Es kam zu einem Rechtsgespräch, bei dem sich die Prozessbeteiligten einig waren, dass die Hauptanklagepunkte – „Bestimmen von Minderjährigen zum Drogenhandel“ sowie die „räuberische Erpressung“, also die Drohung mit dem „Abschlachten“, wenn nicht bezahlt werde, – nicht aufrecht zu erhalten seien.

Blieben noch die Drogenabgabe an Minderjährige und der Diebstahl des Handys. Beides räumte der 29-Jährige ein. Dafür verhängte die Strafkammer eine Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren, die allerdings zur Bewährung ausgesetzt wurde. Als Auflage muss der 29-Jährige 150 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

Strafmaß entspricht Antrag von Staatsanwaltschaft

Das Strafmaß entsprach dem Antrag von Staatsanwalt Tobias Lackermeier, während Verteidigerin Dagmar Ciccotti die Drogenabgabe als „minderschweren Fall“ sah und deshalb eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten für angemessen erachtete. Sie verwies vor allem darauf, dass sich der 15-Jährige offenbar in einem Lügengebilde ergangen habe, um für sein eigenes Verfahren Pluspunkte zu sammeln. Aufgrund seiner Angaben sei ihr Mandant für über ein halbes Jahr in Untersuchungshaft gelandet.

Vorsitzender Richter Ralph Reiter betonte in der Urteilsbegründung, dem 29-Jährigen sei nicht nachzuweisen gewesen, dass er die Minderjährigen zum Handeltreiben bestimmt habe. Von Mengen und Preisen sei offenbar keine Rede gewesen. Strafmildernd wirkte das Geständnis.

Walter Schöttl

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