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Froh, eine Angebotslücke geschlossen zu haben (v. l.): BRK-Vorsitzender Franz Hofstetter, Katrin Neueder (Landratsamt), BRK-Kreisgeschäftsführerin Gisela van der Heijden, Pflegedienstleiterin Gudrun Zink und Landrat Martin Bayerstorfer

BRK und Landkreis starten Pflegekrisendienst – Vorreiter in ganz Deutschland

Hilfe kommt in 90 Minuten

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Ein bundesweites Pilotprojekt ist gestern um punkt 12 Uhr beim BRK Erding an den Start gegangen: In 15 Gemeinden des Landkreises gibt es nun einen Pflegekrisendienst, den der Landkreis ausgeschrieben hat.

Erding –Erreichbar ist er rund um die Uhr, zwischen 9 und 20 Uhr steht unmittelbar eine Pflegefachkraft zur Verfügung.

Verantwortlich ist Gudrun Zink, die als Pflegedienstleiterin fungiert. Zur Seite stehen ihr drei geringfügig Beschäftigte. Alle verfügen über eine Pflegefachausbildung. Im Ernstfall wollen sie tagsüber binnen 90 Minuten beim akuten Pflegefall sein. Die Betreuung soll maximal fünf Tage dauern – genug Zeit, um einen ambulanten Pflegedienst oder eine andere Betreuung zu finden.

Zink ist 58 Jahre alt und arbeitet seit 40 Jahren in der Pflege. Die vergangenen 13 Jahre hat sie einen ambulanten Dienst in München geleitet. Zink hat den Beruf der Altenpflegerin gelernt und im Jahr 2000 eine Zusatzausbildung zur Pflegedienst- und Heimleitung absolviert. 2003 sattelte sie noch ein Studium zur Fach- und Betriebswirtin im Gesundheitswesen oben drauf. „Ich finde den Pflegekrisendienst ein sehr spannendes Angebot. Das ist etwas ganz Neues, deswegen habe ich mich beworben“, berichtet sie.

Neu ist alles auch für den BRK-Kreisverband Erding. Weil die Ausschreibung einen ambulanten Pflegedienst als Voraussetzung vorsieht, ist der Sozialverband eine Kooperation mit dem BRK Landshut eingegangen, erklärt BRK-Kreisgeschäftsführerin Gisela van der Heijden.

Sie betont, das neue Angebot greife nur in akuten Notlagen – „wir stellen zu den ambulanten Pflegediensten deshalb keine Konkurrenz dar“. Darüber hinaus versichert die Geschäftsführerin, dass der Krisendienst keine Tätigkeit übernehme, für die die Sozialdienste der Kliniken zuständig sind. Sie organisieren an sich die Betreuung nach der Entlassung.

Van der Heijden berichtet über Erfahrungen aus der eigenen Familie. Ihr Vater sei schwer krank gewesen. Im Klinikum hätten sie ihm beigebracht, sich selbst den Blutzucker zu messen. „Das hat er sich auch zugetraut, und als er daheim war, hat es doch nicht funktioniert. Da wäre der Krisendienst ideal gewesen.“ Weiter erzählt sie, „dass sich meine Mutter lange um meinen Vater gekümmert hat, bis sie akut selbst ins Krankenhaus musste. Es war sehr schwierig, eine Betreuung zu finden.“ Es könne auch vorkommen, dass ein pflegender Angehöriger etwa wegen Corona oder Quarantäne plötzlich ausfalle.

Der neue Service ist in eine breite Palette an Unterstützungsangeboten in der Pflege eingebettet. Van der Heijden nennt die BRK-Gemeindeschwestern, Seniorenbeauftragte, Seniorenlotsin, Betreutes Wohnen, Tagespflege, Alten- und Pflegeheime, Ärzte, Hospizvereine und nicht zuletzt die Nachbarschaftshilfen.

Im Moment können nur Bürger aus den 15 Gemeinden den Krisendienst nutzen, die auch mitbezahlen. „Wir lassen aber niemanden alleine“, betont van der Heijden. „Wenn wir nicht zuständig sind, stellen wir eine Verbindung zu eben diesen Institutionen her.“

Landrat Martin Bayerstorfer berichtet, dass man neben dem BRK noch die Caritas und den ambulanten Pflegedienst des Fischer’s Seniorenzentrums um ein Angebot gebeten habe. „Fischer’s hat auch wegen Corona abgewunken, die Caritas hat sich nicht gemeldet“, so der Landrat und seine Mitarbeiterin Katrin Neueder.

Das Projekt ist vorerst auf ein (Probe-)Jahr befristet. „Wir wollen es aber möglichst verlängern und ausdehnen“, betont van der Heijden. 40 000 Euro kommen vom Landkreis, rund 60 000 Euro von den Gemeinden.

Der Pflegekrisendienst ist unter Tel. (0 81 22) 97 62 82 erreichbar. An ihn wenden können sich Bürger aus Berglern, Bockhorn, Buch, Fraunberg, Hohenpolding, Inning, Kirchberg, Langenpreising, Moosinning, Oberding, Ottenhofen, Steinkirchen, Taufkirchen, St. Wolfgang und Wörth. Es gibt einen Flyer.

ham

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