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Neue Wege für Pendler wollen Tobias Schemmel (r.) und Busunternehmer Andreas Scharf ausprobieren – mit einem Business-Shuttle für Firmenkunden.

Keine Lust mehr auf Stau

Start-Up aus Erding will Business-Shuttle aufbauen - mit besonderem Pluspunkt für die Pendler

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Ein Erdinger Start-Up möchte einen Business-Shuttle aufbauen, der Pendler ins Büro bringt und wieder abholt. Von der Idee profitiert nicht nur der Umweltschutz.

  • Ein Start-Up aus Erding will einen Bus-Shuttle aufbauen.
  • Die Idee soll Pendlern zugute kommen.
  • Der Gründer hofft, dass sich der Shuttle etablieren kann.

Erding – Im Wahlkampf ist der ÖPNV ein großes Thema: Raus aus dem Auto, rein in Bus und Bahn lautet die Devise aller Parteien. Tobias Schemmel bringt nun eine ganz neue Idee fürs Pendeln ins Spiel – einen Business-Shuttle, der Mitarbeiter eines Betriebs in Erding aufliest, zu ihrem Arbeitgeber fährt und abends wieder nach Hause bringt – jeweils vor die Haustür. Dabei arbeitet der Erdinger mit dem Busunternehmen Scharf zusammen.

Business-Shuttle in Erding: „Alle stehen, und die Motoren laufen - das kann nicht die Lösung  sein“

„Auf die Idee gekommen bin ich vor etwa zweieinhalb Jahren, als ich wieder einmal auf dem Mittleren Ring im Stau gestanden bin“, erzählt der 41-Jährige. Dort verschwendete der Familienvater während seiner Zeit bei einem Mobilfunkanbieter viel Zeit. Zeit, die er lieber bei Frau und Kind verbracht hätte. „Ich habe in die anderen Autos geschaut, und in denen saß auch immer nur der Fahrer – sonst niemand.“ In den Radionachrichten lief just zu diesem Zeitpunkt eine Meldung, dass die Luft in den Städten wegen der Abgase immer schlechter wird. „Alle stehen, und die Motoren laufen“, sagt Schemmel, „das kann doch nicht die Lösung sein“.

Zur Hauptverkehrszeit stehen allein in München jeden Tag rund 140.000 Pkw im Stau. Die Fahrer kommen deswegen schon gestresst im Büro an – kein guter Start in den Tag.

Business Pendel Bus als maßgeschneiderte Alternative

Doch Schemmel, der mittlerweile im IT-Bereich einer Bank arbeitet, versteht auch, warum all diese Fahrer nicht unbedingt in die S-Bahn umsteigen wollen: Verspätungen, Ausfälle, volle Züge, Mitfahrer, die auf dem Laptop ungefragt mitlesen.

Er wollte eine alternative Lösung, maßgeschneidert für Menschen, die ihre (Arbeits-)zeit schon während der Fahrt nutzen wollen. So kam er auf den Business-Pendel-Bus, der Angestellte einer Firma zusammenbringt, zur Arbeit und wieder nach Hause fährt.

Schemmel sammelte die Pluspunkte: Ein Bus ersetzt acht Autos. Die Arbeitgeber sparen sich eventuell Firmenfahrzeuge. Die Kosten für den Shuttle können steuerlich als geldwerter Vorteil angesetzt werden, für den keine Lohnnebenkosten anfallen. Das Unternehmen setzt sich nicht nur aktiv für den Umweltschutz ein, sondern trägt auch zur Mitarbeiterzufriedenheit bei. Die Attraktivität als Arbeitgeber steigt.

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Die Fahrzeit soll nicht ungenutzt bleiben - dank Wlan im Bus

Die Angestellten können dank Wlan im Bus bereits während der Fahrt arbeiten. Die Fahrzeit bleibt nicht ungenutzt, die Mitarbeiter gewinnen jeden Tag Zeit – und damit Zufriedenheit. Schemmel hat nämlich ausgerechnet: Bei einer Wegezeit von einer Stunde sind bereits acht Prozent eines Tages verstrichen – meist ungenutzt.

Sitzen acht Personen im Kleinbus und nicht in acht Fahrzeugen, bedeutet das seiner Berechnung zufolge eine CO2-Einsparung von über 80 Prozent und knapp 80 Prozent weniger Spritverbrauch.

Business-Shuttle für Pendler aus Erding: Scharf Reisen ist mit an Bord

Doch der 41-Jährige ist kein Busunternehmer. Den hatte er aber schnell gefunden. Die Firma Scharf Reisen aus Tittenkofen ist mit an Bord. Geschäftsführer Andreas Scharf sagt: „Das können wir uns gut vorstellen. Wir würden einen Kleinbus, etwa einen Mercedes Sprinter oder einen VW Crafter anschaffen und entsprechend ausstatten.“ Damit meint er: Leder-Einzelsitze mit Tisch, Internetverbindung und eventuell abteilbaren Kabinen, um ungestört arbeiten zu können. Zudem verfügt Scharf über ausreichend Fahrzeuge und Chauffeure, um den Business-Shuttle zuverlässig anbieten zu können.

Scharf und Schemmel suchen jetzt eine Firma im Großraum München mit Angestellten aus dem Umland. Die Gruppe könnte zwischen 8 und 16 Personen umfassen. „Uns schwebt vor, dass der Arbeitgeber jeweils für ein Jahr dieses Angebot bucht“, sagt Schemmel. Jeder Fahrgast werde daheim abgeholt und wieder nach Hause gebracht.

Zu den genauen Kosten können Scharf und Schemmel noch nichts sagen. Das hängt vom potenziellen Kunden ab. „Natürlich können wir nicht unmittelbar mit dem MVV konkurrieren, denn dessen Preise sind stark subventioniert“, erklärt Scharf. Jetzt sucht das Start-Up Firmen, die diesen neuen Weg im Nahverkehr mitfahren wollen.

Lesen Sie dazu: Wohnen in München ist für viele inzwischen einfach zu teuer. Aber auch das tägliche Pendeln aus dem Umland geht ins Geld. Eine Kosten-Analyse.

Informationen zum Business-Shuttle in Erding

gibt es im Internet unter www.business-pendel-bus.de, per E-Mail: info@business-pendel-bus.de oder unter Tel. (01 76) 22 77 09 07.

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