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Starke Frau: 2004 hat Claudia Beil die Unternehmerfrauen im Handwerk im Kreis Erding gegründet. Jetzt ist die 55-Jährige aus Eichenkofen UfH-Landesvorsitzende. Demnächst bekommt sie von Landtagspräsidentin Ilse Aigner für ihr Engagement die Verfassungsmedaille in Silber verliehen – eine steile Verbandskarriere.

Claudia Beil (55) ist neue Landesvorsitzende der Unternehmerfrauen im Handwerk

Wirtschaftsmacht mit Ehering

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Claudia Beil (55) ist neue Landesvorsitzende der Unternehmerfrauen im Handwerk. Wir haben uns mit der Powerfrau aus Eichenkofen über ihr neues Amt unterhalten. Bald wird sie eine sehr hohe Auszeichnung in Empfang nehmen dürfen.

Erding – Ein paar Zentimeter können eine große Frauenbewegung sein. Jahrhundertelang standen die Gattinnen von Handwerksmeistern sowie Klein- und Mittelständlern hinter ihren Männern, hielten ihnen ohne Lohn den Rücken frei, waren Mädchen für alles. Heute begegnen sie ihnen auf Augenhöhe. Viele Ehefrauen sind aus den Betrieben nicht mehr wegzudenken und Garantinnen für den unternehmerischen Erfolg. Das ist das maßgebliche Verdienst der Unternehmerfrauen im Handwerk (UfH).

Amtsübernahme in der schwersten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg

Deren Landesvorsitzende ist jetzt eine Erdingerin – Claudia Beil aus dem gleichnamigen Malerbetrieb in Eichenkofen. Die 55-Jährige übernimmt die 1300 Mitglieder starke Organisation mit 27 Kreisverbänden (hier heißen sie Arbeitskreise) in der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg.

Beils berufsständige Karriere begann durch einen Zufall. „1999 habe ich über einen Kollegen meines Mannes erfahren, dass die damaligen Meisterfrauen einen Kurs zur Bürokauffrau anboten. Angesprochen waren vor allem die Gattinnen, die seit jeher im Büro mitarbeiten.“ Sie nahm teil, erlebte eine „tolle Zeit“ und bestand. „Ich habe mich in dem Kreis gleich wohlgefühlt.“ Deshalb war es für Beil eine Selbstverständlichkeit, den Arbeitskreis Freising aus der Taufe zu heben.

2004 Gründungsvorsitzende in Erding

Doch schon damals sei ihr klar gewesen: „Das brauchen wir in Erding auch.“ 2004 war es soweit – und Beil übernahm gleich den Gründungsvorsitz. Sie ist es bis heute. „Wir haben viel Rückenwind von Landrat Martin Bayerstorfer, Bürgermeister Karl-Heinz Bauernfeind und Kreishandwerksmeister Albert Roth bekommen“, erinnert sich die tüchtige Geschäftsfrau. Allerdings habe man damals stark gegen das Vorurteil der Männer ankämpfen müssen, frau treffe sich zum Kaffeekränzchen. Von Anfang an ging es bergauf. „Heute sind wir 60 Mitglieder und freuen uns über jedes weitere“, versichert Beil.

Im gleichen Jahr begann ihre überregionale UfH-Karriere. In der Landesverbandsversammlung organisierte sie den Landeskongress. Beil war Patriotin genug, um das große Treffen 2008 nach Erding und Freising zu holen. „Das war ein tolles Event“, blickt sie zurück. Das sollte honoriert werden. Im gleichen Jahr zog die Eichenkofenerin in den erweiterten Landesvorstand ein – als Regionalbeauftragte für Oberbayern.

Es gibt auch sehr traurige Momente

Seither hat sie viel erlebt, weit über den Anspruch, die Interessen der Unternehmfrauen zu vertreten und das Fachwissen stets zu erweitern, hinaus. „Es waren auch traurige Erlebnisse dabei, etwa wenn der Geschäftsinhaber krank wurde oder starb. Dann galt es die Unternehmensnachfolge zu klären oder einen Betriebshelfer zu organisieren.“ Das starke Netzwerk sorgte dafür, dass dies oft gelang. „Aber oft wollten wir einfach nur für die Familien da sein.“

Enger Draht zu den Abgeordneten

2012 stieg Beil zur stellvertretenden Landeschefin auf, im November 2020 folgte sie auf Doris Unger an die Spitze der UfH Bayern. Zu ihren Aufgaben gehört neben der Führung der UfH auch Lobbyarbeit. „Wir wenden uns mit unseren Anliegen, etwa dem Bürokratieabbau, regelmäßig an die Politik.“ In Erding hat sie dabei einen direkten Draht zu Bundestagsabgeordnetem Andreas Lenz und Landtagsabgeordneter Ulrike Scharf.

Sie selbst hat ihr Ziel erreicht: Beil macht im Malerei-Betrieb die Finanzbuchhaltung, die Lohnabrechnung und die Werbung, immer mehr auf Social Media.

Scharfe Kritik an der Corona-Politik

Derzeit treibt auch die UfH die Corona-Krise um. „Uns trifft es sehr unterschiedlich. Die Baubranche boomt und konnte durcharbeiten. Aber in anderen Bereichen sieht es schlimm aus, etwa bei den Friseuren.“ Für viele Verbote hat sie kein Verständnis. „Die Autohäuser etwa sind geschlossen, Kundenbesuche hingegen möglich. Umgekehrt wären dank Hygienekonzepten alle besser vor einer Ansteckung geschützt“, ist sie überzeugt – und hat deswegen schon Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger geschrieben. Auch versteht sie nicht, warum nicht etwa abgemeldete Reisebusse den Schülerverkehr entzerren dürfen.

Die Bundeshilfen seien für viele Betriebe zu wenig und würden zu spät überwiesen. Sie selbst sehnt das Ende des Lockdowns herbei – auch aus einem privaten Grund: Dann kann ihr Landtagspräsidentin Ilse Aigner endlich die Verfassungsmedaille in Silber überreichen. „Darauf bin ich wahnsinnig stolz. Ich werde sie für alle Unternehmerfrauen entgegennehmen. Wir sind ein tolles Team.“

Infos im Internet: unter www.unternehmerfrauen-bayern.de

ham

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