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Maskenpflicht im Unterricht? Ob die Schüler ab der fünften Klasse wieder Mund-Nasen-Schutz tragen müssen, überlässt das Landratsamt den Direktoren. Grund ist das niedrige Infektionsgeschehen dort.

Sieben-Tage-Wert bei 41,3: Erding jetzt über der Warnstufe I – Keine Infektionen in Schulen

Corona-Ampel springt auf Gelb

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Bis Dienstag war Erding von Landkreisen umgeben, die die erste, manche schon die zweite Corona-Warnstufe erreicht haben. Am Mittwoch ist erwartungsgemäß auch im Erdinger Land die Covid-19-Ampel auf Gelb gesprungen. Das sind die Folgen.

Erding – Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg binnen eines Tages von 34,8 auf 41,3 Neuinfektionen binnen einer Woche, bezogen auf 100 000 Einwohner. Damit rückt der Landkreis gefährlich nah an die zweite Warnstufe (50) heran. Allerdings ist das lokale Infektionsgeschehen derzeit noch unter Kontrolle. Auch am Klinikum herrscht unverändert Normalität.

Über die mit der ersten Warnstufe zu ergreifenden Maßnahmen und das lokale Infektionsgeschehen informierte Landrat Martin Bayerstorfer in einer Pressekonferenz. Diese treten allerdings erst einen Tag nach der Einordnung des Landkreises in die Warnstufe I durch das Robert-Koch-Institut oder Landesamt für Gesundheit in Kraft. Das dürfte am Freitag der Fall sein. Darauf muss man sich jetzt einstellen:

Diese Restriktionen gelten wohl noch diese Woche

. Zusammenkommen dürfen maximal zehn Personen oder zwei Hausstände. Das gilt auch für private Feiern und im öffentlichen Raum. Bei Veranstaltungen ändert sich vorerst nichts: 100 Personen innen, 200 im Freien, sofern ein Hygienekonzept vorliegt.

. Ob an den Schulen ab der  fünften Klasse die Maskenpflicht im Unterricht zurückkehrt, entscheiden die Schulleiter. Das Landratsamt sieht hier nämlich „nahezu kein Ansteckungsgeschehen“. Bei Kino-, Theater- und Theaterbesuchen sowie am Arbeitsplatz muss durchgängig Mund-Nasen-Schutz getragen werden. 

. Neu ist die Maskenpflicht an stark frequentierten Plätzen wie Bahnhöfen, Bushaltestellen und auf Märkten. Das Landratsamt wird eine Liste aller Plätze mit Maskenpflicht herausgeben, die Erdinger Innenstadt etwa fällt darunter.

. Um 23 Uhr müssen Lokale schließen, Tankstellen dürfen keinen Alkohol mehr verkaufen, und der Alkohol-Konsum in der Öffentlichkeit ist verboten.

In Erding gibt es keine Hotspots

Doch es gibt auch ermutigende Nachrichten. Dr. Sibylle Borgo, Leiterin des Gesundheitsamtes, berichtete, dass es keine Hotspots gebe. Die Ansteckungen fänden vor allem in Familien, am Arbeitsplatz und im engeren privaten Umfeld statt. Von Partys als Superspreader-Ereignissen sei ihr nichts bekannt. Ein Teil der positiv-getesteten Fälle habe sich bereit in Quarantäne befunden.

Besonders freut es Bayerstorfer, „dass es in den vergangenen Monaten keinerlei Ansteckungen in Schulen und Kitas gegeben hat“. Auch Pflege- und Asylbewerberheime seien derzeit nicht betroffen.

Kontaktermittlung läuft gut

Borgo erklärte, die Kontaktermittlung funktioniere nach wie vor „sehr gut“. Zwölf Personen arbeiteten im Contact Tracing Team, davon zehn in Vollzeit. Pro Person werden laut Landrat bis zu 70 Kontakte ermittelt. Zur Corona-Warnapp sagte die Gesundheitsamtsleiterin: „Sie spielt bei uns keine Rolle.“

Bayerstorfer versicherte, die Screeningstelle sei für ein erhöhtes Testaufkommen gut gerüstet. Am Dienstag seien 202 Abstriche genommen worden, „unsere Kapazitäten sehen 300 pro Tag vor“. Er bittet jedoch unter Anmeldung unter Tel. (0 81 22) 5 53 79 99. Mitzubringen seien Personalausweis und Versichertenkarte. Von BRK und Maltesern erhalte man personelle Unterstützung.

Mehr Kontaktpersonen - mehr Tests

Das erhöhte Testaufkommen – 11 345 waren es bis gestern – führte Borgo darauf zurück, „dass wir mehr Kontaktpersonen ermitteln, die zweimal getestet werden, und eine gestiegene Bereitschaft in der Bevölkerung.

Bayerstorfer kündigte ein Infoschreiben für alle Haushalte sowie die Wiederinbetriebnahme der Info-Hotline an – montags bis freitags von 9 bis 12.30 sowie von Montag bis Donnerstag von 13.30 bis 16 Uhr unter Tel. (0 81 22) 58 17 70.

Regulärer Betrieb am Klinikum

Aus dem Klinikum berichtet Direktor Dr. Dirk Last: „Die Lage ist noch ruhig.“ Nach wie vor behandle man nur einen Corona-Patienten. Eine eigene Covid-19-Intensivstation sei noch nicht erforderlich. Alle planbaren Eingriffe fänden vorerst statt. „Allerdings erwägen wir die Bildung getrennter Teams, um bei Infektionen eine Ausbreitung zu verhindern.“

17 neue Infektionen am Mittwoch bekannt geworden

Am Mittwoch wurden 17 Fälle bekannt – aus Erding (4), Lengdorf (3), Dorfen, Wartenberg (je 2), Fraunberg, Hohenpolding, Isen, Moosinning, Ottenhofen und St. Wolfgang. Aktuell gelten 69 Personen als infiziert, neun als neu genesen.

Bürgermeister-Sprecher Hans Wiesmaier teilte mit, dass aufgrund der Lage vorerst keine Bürgerversammlungen mehr stattfinden sollen. Borgo hofft, „dass aufgrund der nun weniger werdenden Kontakte die Zahlen wieder sinken“.

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