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Antreten zum Reihentest: die Belegschaft des Polstermöbelherstellers Himolla in Taufkirchen. 

Mitarbeiter können sich testen lassen, müssen aber nicht

Corona: Arbeitgeber kritisieren Testpflicht

  • vonAlexandra Anderka
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Die Testpflicht sticht vielen Arbeitgebern sauer auf. Nicht wegen der Kosten, sondern wegen der Freiwilligkeit.

Erding Nach langem Hin und Her gibt es sie nun doch: die Testpflicht für Unternehmen. Ein bis zwei Mal pro Woche muss die Geschäftsleitung Mitarbeitern, die nicht im Homeoffice tätig sind, einen Schnelltest zur Verfügung stellen. Diese müssen das Angebot jedoch nicht annehmen, denn eine Testpflicht für die Mitarbeiter wiederum wurde nicht gesetzlich verankert – aufgrund der Persönlichkeitsrechte.

Hier setzt Rudolf Waxenbergers Kritik an. Der Inhaber des Bauunternehmens Anzinger und Kreishandwerksmeister bestätigt: „Natürlich bieten wir die Tests für unsere Mitarbeiter an, nachdem wir sie zu einem überhöhten Preis gekauft haben.“ Das sei so ähnlich wie anfangs mit den Masken. Die Nachfrage regle das Angebot.

Als „Wischi-Waschi“ bezeichnet Waxenberger die Anordnung und fragt: „Wo liegt der Sinn in diesem Gesetz, wenn ich die Leute nicht verpflichten kann?“ In seiner Funktion als Handwerksmeister habe er von seinen Kollegen schon öfter gehört, dass die Antwort seitens der Mitarbeiter sei: „Das interessiert mich nicht.“

Er appelliere deshalb an seine Beschäftigten, sich testen zu lassen. Doch mit der Dokumentation, dass für die Mitarbeiter genügend Schnelltests vorrätig seien, habe er als Unternehmer seine Pflicht gegenüber dem Staat erledigt.

Großes Interesse am Testen vermeldet hingegen Karoline Klauser, stellvertretende Geschäftsführerin der Fahrschule Englberger. „Wir haben ausreichend Schnelltests angeschafft.“ Gerade die Fahrlehrer, die noch nicht geimpft sind, machen gerne davon Gebrauch.“ Klauser beschränkt das Angebot nicht auf zwei Mal pro Woche. „Unsere Fahrlehrer können von uns aus auch jeden Tag einen Test machen.“ Denn ihr sei es wichtig, ihre 15 Fahrlehrer, die ja in direktem Kontakt mit den Schülern stehen, so gut wie möglich zu schützen.

Die Kreis- und Stadtsparkasse Erding-Dorfen testet laut Sprecher Johann Kiermaier seit drei Wochen, auch hier werde das Angebot von den rund 350 Mitarbeitern gerne angenommen. Sie seien online über das Angebot informiert worden.

Genauso wird es bei der VR-Bank Erding praktiziert. Doch Vorstandsvorsitzender Johann Luber ist nicht glücklich mit dem Gesetz. Nicht wegen der Kosten. Die müssen die Unternehmen zahlen. Das sind in der VR-Bank Erding bei rund 170 Mitarbeitern, die Anspruch haben, 1000 Euro pro Woche. Für ihn ist die neuerliche Testpflicht ein „kurzfristiger Aktionismus“, mit dem die Politik davon ablenken wolle, dass sie ihren Job nicht gut gemacht hat.

Für Luber ist Impfen die einzige Lösung, „und da sind wir leider nicht gut“, bedauert er. Bis es soweit ist, setze die VR-Bank weiterhin auf die bewährten Strategien. „Wir leben mittlerweile ein Jahr mit der Pandemie und wissen, wie es geht. Wir passen hier alle auf und halten Abstand.“

Bei Arbeitgebern mit sehr vielen Mitarbeitern wie Himolla in Taufkirchen (rund 3000) und Erdinger Weißbräu (gut 500) übernimmt die Testungen eigens dafür abgestelltes Personal. Bereits seit November bietet Erdinger mindestens einmal wöchentlich für jeden Mitarbeiter einen Test an. „Dabei betreiben wir einen großen Aufwand: Der Betriebsarzt sowie vier speziell geschulte Testexperten führen die Tests direkt im Betrieb unter hygienisch einwandfreien Bedingungen durch“, versichert Geschäftsführer Stefan Kreisz. Die Akzeptanz nehme zu. In der Führungsebene werde es vorgemacht: „Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit, sich vor jedem Präsenzmeeting testen zu lassen“, sagt Kreisz.

Er betont, dass man zwar alle Beschäftigten aktiv angesprochen und für den Test geworben habe, allerdings keinerlei Druck ausgeübt werde und Testwillige beziehungsweise Getestete auch nicht bevorzugt behandelt würden.

Auch beim Möbelhersteller Himolla in Taufkirchen gibt es schon Erfahrungswerte. „Bereits seit Herbst werden unsere Mitarbeiter regelmäßig getestet“, informiert Vertriebsleiter Helmut Sperr. „Seit die Inzidenz wieder steigt, tragen zum Schutz unserer Belegschaft sämtliche Mitarbeiter permanent die Maske.“ Mittlerweile habe das Unternehmen die Teststation in einem separaten Raum in Betrieb genommen. Die Durchführung erfolgt in Abstimmung mit dem Betriebsarzt. Laut Sperr ist an alle Abteilungen eine E-Mail mit der nachdrücklichen Aufforderung, sich testen zu lassen, verschickt worden. Nur „ganz wenige Ausnahmen“ würden das Angebot nicht annehmen, berichtet Sperr. Er selbst lasse sich ebenfalls regelmäßig testen.

Einen extra Raum hat auch das Landratsamt für seine 620 Mitarbeiter eingerichtet, teilt Sprecherin Nicole Tietze mit. Dort würden Anleitungen für den Selbsttest ausliegen. Desinfektionsmittel und Einmalhandschuhe stünden zur Verfügung. Positiv getestete Mitarbeiter müssten den Verdachtsfall unverzüglich dem Gesundheitsamt melden, sich isolieren und einen PCR-Test machen. 

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