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Wann sollen die Läden wieder öffnen? Die CSU verlangt ein zügiges, aber vorsichtiges Hochfahren der Wirtschaft.

Vor allem die CSU sieht Zeitpunkt für Lockerungen – Grünen und SPD ist das noch zu gefährlich

Corona: Ausstieg nur in kleinen Schritten

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Wann soll das öffentliche Leben wieder hochgefahren werden? Landkreispolitiker haben dazu unterschiedliche Meinungen.

Erding – Am Mittwoch beraten Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten über Lockerungen der Corona-Verbote. Auch im Landkreis gibt es immer mehr Befürworter einer vorsichtigen Exit-Strategie – in der Wirtschaft ebenso wie in den Schulen. Vor allem die CSU sieht den Zeitpunkt für Lockerungen gekommen. Prämisse für alle ist: Ohne Schutz jedes Einzelnen wäre ein Wiederanfahren des öffentlichen Lebens unverantwortlich. Doch an ausreichend Mund-Nase-Masken fehlt es noch.

CSU-Bundestagsabgeordneter Andreas Lenz sagt: „Entscheidend sind die Fallzahlen, und die stabilisieren sich. Ewig können wir nicht so weitermachen wie in den vergangenen vier Wochen. Wir brauchen eine vorsichtige Rückkehr zur Normalität.“ Lenz meint, der Einzelhandel solle sukzessive wieder öffnen dürfen. Von Bürgern höre er immer öfter: „Ihr könnt uns nicht ewig einsperren.“

Corona-Exit: Zu früh wäre sehr riskant

Landrat und CSU-Kreisvorsitzender Martin Bayerstorfer warnt: „Eine frühzeitige flächendeckende Wiedereröffnung ist mit hohen Risiken verbunden. Allerdings haben wir der Bevölkerung seit März sehr viel abverlangt.“ Auch er spricht sich für ein abgestuftes Wiederbeleben der Wirtschaft aus.

„Dabei sollten wir auch Ungereimtheiten beseitigen, etwa dass Schreibwarenläden öffnen dürfen, Buchhandlungen aber nicht“, so Bayerstorfer. Gleiches gelte für Bau- und Gartenmärkte und Gärtnereien. „Die bisherige Erfahrung lehrt, dass die meisten vernünftig sind.“ Darauf könne man aufbauen.

MdL Ulrike Scharf: Gesellschaft wartet auf ein Signal

CSU-Landtagsabgeordnete Ulrike Scharf berichtet: „Die Gesellschaft braucht jetzt Signale für eine Lockerung. Denn viele Alleinstehende leiden unter der Isolation.“ Auch befürchtet sie bei einer Fortsetzung des Lockdowns „wahnsinnige Schäden für die Wirtschaft. Das treibt mich sehr um.“ Ungerechtigkeiten müssten beseitigt werden. „Es versteht niemand, wenn ein Blumengeschäft zu ist, und im Supermarkt nebenan Schnittblumen verkauft werden“, sagt Scharf. Allerdings müssten strenge Sicherheitsvorkehrungen gelten, „denn einen Rückfall bei den Erkrankungen können wir uns nicht leisten“. Sie rechnet mit einer Liberalisierung in den nächsten ein bis zwei Wochen.

Grünen-Kreisvorsitzende Helga Stieglmeier tut sich mit einer Festlegung schwer. „Wir wissen über das Virus noch sehr wenig.“ Deswegen plädiert sie für Zurückhaltung. „Wir müssen auch an die Beschäftigten denken, die einem enormen Risiko ausgesetzt sind. Es gibt immer noch Unvernünftige.“ Je mehr Läden offen seien, „desto mehr Menschen sind auch wieder auf der Straße, es würde dann wieder enger“.

SPD-Kern: Zurückhaltung noch ein, zwei Wochen

SPD-Kreischef Martin Kern plädiert ebenfalls für „weitere Zurückhaltung in den nächsten ein, zwei Wochen“. Und: „Jede Ausnahme verschärft die Ungereimtheiten in der Verbotsstrategie.“

Einig sind sich alle Politiker, dass es in der Gastronomie noch kein schnelles Ende der Verbote geben kann. Stieglmeier: „Man bürdet den Wirten eine große Verantwortung auf, was Sicherheitsabstände betrifft.“ Enge in der Küche sei überall gegeben, das Servicepersonal komme den Gästen nahe.

Abschlussklassen wieder in die Schulen

Was die Schulen betrifft, sprechen sich Vertreter aller Parteien dafür aus, die Abschlussklassen nach den Osterferien wieder zu unterrichten. Kern, selbst Lehrer, sagt: „Alle brauchen die gleichen Voraussetzungen, ehe sie in die Prüfung gehen.“ Einigkeit besteht, dass alle anderen noch warten müssen. Scharf hält Unterricht im Schichtbetrieb für möglich, um Abstand zu wahren.

Kern blickt schon weiter voraus: „Wenn auch die nächsten Wochen kein Unterricht stattfindet, kann man im Herbst das neue Schuljahr nicht beginnen, als ob nichts gewesen wäre. Jeder muss die gleichen Chancen haben.“

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