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Michael SchöttlFachbereichsleiter Verbraucherschutz im Landratsamt. 

Infektionsschutz treibt die Bürger um – Landrat fordert: Therme öffnen

Corona: Bis zu 70 Anzeigen pro Woche

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Michael Schöttl ist zwar kein Jurist, dennoch muss der Fachbereichsleiter Verbraucherschutz am Landratsamt fast täglich neue Verordnungen der Staatsregierung studieren. Denn im Kampf gegen das Corona-Virus gibt es ständig neue Regelungen. Schöttl und seine Mitarbeiter sorgen im Landkreis dafür, dass der Infektionsschutz umgesetzt wird – und verschicken notfalls Bußgeldbescheide.

Erding – 50 bis 70 Verstöße wurden zu Beginn der Corona-Verbote der Kreisverwaltung gemeldet – jede Woche. Mittlerweile sind es nur noch 20 bis 30. 427 Verfahren hat der Fachbereich seit Mitte März auf den Weg gebracht – und 229 Bußgeldbescheide verschickt. „150 Mal wurde Anzeige erstattet, weil Bürger die Wohnungen ohne triftigen Grund verlassen haben sollen“, erinnert sich Schöttl. 75 Mal stellte sich fahrlässiges Verhalten heraus. Schöttl macht keinen Hehl daraus, dass es vor allem Nachbarn gewesen seien, die ihre Mitbürger hingehängt hätten –nicht selten grundlos. „Das ist schon eine sehr sonderbare Blockwartmentalität, die nicht ausstirbt“, meint dazu Landrat Martin Bayerstorfer.

13 Verstöße gegen Maskenpflicht gemeldet

Seit 27. April gilt in Bayern die Maskenpflicht. „Seither wurden uns 13 Verstöße mitgeteilt“, bilanziert Schöttl – und rechnet mit weiteren Anzeigen. Denn die Meldungen der Polizei gingen oft erst mit zwei-, dreiwöchigem Nachlauf ein.

Angesichts ständiger Neuerungen bei den Lockerungen ist der Informationsbedarf der Öffentlichkeit hoch. So hätten mehr als 4000 Anfragen das Bürgertelefon erreicht – Tendenz mittlerweile abnehmend.

Über 4000 Anrufe beim Bürgertelefon

Weitere 98 Anfragen galten der Quarantäne nach der Einreise. Dazu erklärt Schöttl: „Sie entfällt mittlerweile bei Einreisen aus der EU sowie Island, Liechtenstein, der Schweiz, Großbritannien und Nordirland.“ Das Gleiche gelte für Berufspendler, Auslandsaufenthalte von nicht länger 48 Stunden, medizinische Anlässe sowie bei Besuchen von im Ausland lebenden Partnern.

„Darüber hinaus haben uns 115 Anfragen und Anträge bezüglich Veranstaltungen und Versammlungen erreicht“, so der Fachbereichsleiter. Dazu gehörten unter anderem die Grundrechte-Demos in Erding. „Wir informieren aber auch Sportvereine, Musikgruppen und kirchliche Gemeinschaften, was sie anbieten dürfen.“ Im Moment genehmige man neben Gottesdiensten nur Veranstaltungen im Freien. „Die Regelung, dass fünf Personen mit entsprechendem Abstand gemeinsam Sport treiben dürfen, wenden wir analog auf andere Unternehmungen an“, erklärt Schöttl. Alles, was innerhalb geschlossener Räumlichkeiten stattfindet, werde vorerst nicht gestattet.

Landrat: Gastro-Biergarten-Regel ist unlogisch

Aber auch hier ist alles im Fluss, denn ab Montag dürfen Speisegaststätten wieder öffnen – bis 22 Uhr –, sofern dort zubereitetes Essen verkauft wird. Seit einer Woche bewirten die Biergärten wieder Gäste, allerdings nur bis 20 Uhr. Bayerstorfer bringt kein Verständnis auf, warum die Bewirtung unter freiem Himmel mit geringerer Infektionsgefahr zwei Stunden früher aufhören muss. „Diese Sinnhaftigkeit erschließt sich mir nicht“, so der Landrat.

Erleichtert ist er, dass nun auch die Hotels wieder aufsperren dürfen – und das nicht nur wie bisher für Geschäftsreisende. Anzeigen wegen Verstößen in den Biergärten sind laut Schöttl bislang nicht eingegangen.

Therme: Fahren jetzt alle nach Österreich?

Er rechnet mit einer weiteren Liberalisierung zu den Pfingstferien in einer Woche. So hat Ministerpräsident Markus Söder angedeutet, dass auch die Freizeiteinrichtungen wieder an den Start gehen dürften, darunter Schwimmbäder und Wellnessanlagen im Freien.

Nicht aber die Therme. Und das verwundert den Landrat. „Mir wurde ein sehr überzeugendes Hygienekonzept vorgelegt.“ Staatskanzleichef Florian Herrmann habe er auf eine rasche Wiederöffnung gedrängt. „Es kann nicht sein, dass die Grenzen zu Österreich aufgemacht werden, und die Menschen dann in die Thermen dort fahren.“ Er fordert eine Gleichbehandlung der Bäder. ham

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