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Für 600 Grund- und Mittelschullehrer im Landkreis Erding sprechen BLLV-Kreisvorsitzender Michael Oberhofer (l.) und sein Stellvertreter Michael Braun.

Chefs der Lehrergewerkschaft wollen Schulen wieder öffnen, aber nur mit neuem Konzept

„Herr Minister, trauen Sie uns endlich mehr zu“

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Das zweite Homeschooling seit Ausbruch der Corona-Pandemie vor einem Jahr befindet sich in der vierten Woche, seit 16. Dezember haben Tausende Schüler im Landkreis ihre Klassenzimmer nicht mehr von innen gesehen. „Es reicht“, meinen die beiden Kreisvorsitzenden des BLLV, der Gewerkschaft der Grund- und Mittelschullehrer, Michael Oberhofer und Michael Braun.

Erding – Sie fordern im Namen ihrer gut 600 Mitglieder: Sperrt die Schulen wieder auf – und zwar schnell, allerdings unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen. Ihre Prämisse: „Gesundheit und Verantwortung müssen Hand in Hand gehen“.

Dabei richten die beiden Pädagogen ihren Blick nach Österreich. Die Alpenrepublik führt Schnelltests vor Unterrichtsbeginn ein. „Das sollte auch bei uns der Weg sein“, bittet Oberhofer beim Redaktionsbesuch. Er kann sich zwei wöchentliche Tests vorstellen – einen am Montag, um das Wochenende abzudecken, und einen am Donnerstag, ehe es ins Wochenende geht. Er hat gehört, dass eine Klasse binnen 45 Minuten getestet werden könne, die Ergebnisse lägen binnen weniger Minuten vor. So verfährt derzeit übrigens auch der Kreistag.

Für ihn und Braun ist entscheidend: „Die Kollegen müssen geschützt werden, wir haben auch Lehrer, die einer Risikogruppe angehören“, so Oberhofer. Allerdings gehört für beide auch die seelische Gesundheit dazu, und die sehen sie bei immer mehr Kindern in Gefahr. „Und wir spüren natürlich auch, dass immer mehr Familien überlastet sind.“ Ewig könne das nicht so weitergehen.

Ihr Vorschlag: Die Schulen sollten am 15. Februar wieder öffnen. „Aber nicht gleich für alle“, schränkt Oberhofer ein. Ideal wäre es, mit den Jahrgangsstufen eins, zwei und fünf zu beginnen – im Wechselunterricht. „Es wäre verantwortungslos, jetzt wieder voll durchzustarten. Genauso verantwortungslos ist aber, die Schulen weiter geschlossen zu halten.“

Zu einem sicheren Unterricht gehört für die Rektoren aber nicht nur das Schulhaus an sich. „Der Staat muss den Lehrern ausreichend FFP2-Masken zur Verfügung stellen“, so Braun. Oberhofer regt an, die Lehrer früher zu impfen, „ohne jemandem was wegzunehmen“.

Beide freuen sich, „dass die Sachaufwandsträger alles unternehmen, um einen infektionssicheren Schulbetrieb zu ermöglichen, etwa durch den Einbau von Raumluftfiltern (Bericht auf der lokalen Seite 1). „Ich bin überzeugt, dass wir das in den Schulen gut hinbekommen“, meint Oberhofer, weist aber darauf hin, „dass das größere Risiko eher auf dem Weg von und zur Schule besteht“. Deswegen begrüßt er den Vorstoß von Landrat Martin Bayerstorfer, auch die Schulbusse mit Luftreinigern auszustatten.

Braun ist überzeugt, dass der Bildungslockdown nicht zuletzt deshalb so kritisch gesehen wird, weil alle Schulen über einen Kamm geschoren werden. Seine Forderungen lassen sich unter dem Appell an Kultusminister Michael Piazolo einordnen, den Schulen endlich mehr zuzutrauen. „Dort, wo Lockerungen und individuelle Lösungen möglich und sinnvoll sind, sollte man sie auch zulassen“, so der Leiter der Marie-Pettenbeck-Schule in Wartenberg. Es stört ihn etwa, dass es Notbetreuung nur bis zur sechsten Klasse gebe. „Wenn ich aber ein paar ältere Schüler habe, die mir abzudriften drohen und deshalb Betreuung nötig hätten, dann darf ich das nicht anbieten.“

Auch Oberhofer, Chef der Grund- und Mittelschule Isen, ist für mehr Individualität. „In Gebieten, in denen die Inzidenzzahlen niedrig sind, sollten die Schulen schneller und weitreichender öffnen dürfen.“ Dort, wo Platz etwa auf dem Schulhof ist, könnten auch mehr Jahrgangsstufen in den Unterricht zurückgeholt werden. „Es macht doch keinen Sinn, etwa Hohenpolding mit einer Großstadt zu vergleichen“, meint auch Braun.

Für beide steht fest: „Die Belastungsgrenze ist erreicht, für Kinder, Lehrer und Familien.“ Oberhofer treibt es um, „dass der Staat keinerlei Perspektiven aufzeigt“. Er ist deshalb auch für die Faschingsferien – mit Notbetreuung.

Die fordert der BLLV über die Pandemie hinaus. „Den eklatanten Lehrermangel gab es vorher schon“, sagt Oberhofer. Der Beruf müsse attraktiver werden. „Das erreiche ich auch durch eine bessere Bezahlung.“ Dann gäbe es an den Grundschulen auch mehr männliche Pädagogen.

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