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Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Christkindlmarkt: Gut, dass die Stadt den Versuch wagt

Kommentar Glühwein mit Vertrauensvor-Schuss

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Es ist gut, dass die Stadt Erding den Versuch wagt, den Christkindlmarkt durchzuführen. Ob es klappt, liegt vor allem an uns selbst. Doch es wäre noch mehr Normalität in der Pandemie möglich, meint Redaktionsleiter Hans Moritz in seinem Kommentar zum Wochenende.

Die Stadt Erding setzt alles daran, dass es heuer einen Christkindlmarkt gibt. Angesichts der in den vergangenen Tagen auch im Landkreis stark angestiegenen Corona-Zahlen mag man daran noch nicht so recht glauben. Und sicher ist der Budenzauber noch lange nicht. Dennoch ist es richtig, dass OB Max Gotz „ein Zeichen setzen will, dass man auch in Zeiten der Pandemie wieder feiern kann“. Natürlich wird es kein Christkindlmarkt sein, wie wir ihn kennen. Wenn es so weit kommt, wird er ein Teil der viel zitierten neuen Normalität sein.

Ob er stattfindet, ob er nicht abgebrochen werden muss, liegt auch an den Bürgern selbst. Der Volksfestausschuss schenkt gewissermaßen Glühwein mit Schuss aus, Vertrauensvorschuss. Es ist jetzt an uns, wie viel Normalität wir uns zurückerobern – durch Vorsicht und Einhalten der AHA-Regeln: Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen. Viele Infektionen sind auf Nachlässigkeit zurückzuführen – zu große und ausufernde Familienfeiern und Partys etwa. Im Sommer mag das noch tolerierbar gewesen sein. Doch jetzt zieht es die Menschen in die Häuser zurück, in schlecht gelüfteten Räumen verbreitet sich das Covid-19-Virus leichter.

Mutig, aber richtig ist auch der Vorstoß, an Heiligabend das Turmblasen und die Silvester-Lasershow zumindest vorzubereiten. Beides findet unter freien Himmel statt. Es wird Zeit, dass es nach einem völlig verkorksten Jahr im Pandemie-Ausnahmezustand wieder Gelegenheiten gibt, zusammenzukommen – wie gesagt: mit Abstand.

Erding wetzt auch eine Scharte aus: Es war schade, dass es hier kein Volksfest to go gegeben hat wie den „Sommer in München“. Die Infektionszahlen waren damals niedriger. Man hätte es probieren sollen.

Es gäbe noch eine Möglichkeit, den Erdingern ein bisschen (neuer) Normalität zurückzugeben. Die verkaufsoffenen Sonntage sind heuer allesamt ausgefallen. Es wäre ein starkes Signal an den Handel, noch einen oder zwei anzusetzen, und die Regel, dass ein historischer, kultureller oder sozialer Anlass gegeben sein muss, außer Kraft zu setzen. Dieses Jahr war so verrückt, dass die Regierung von Oberbayern getrost ein Auge zudrücken darf.

Einem Ziel muss sich im Bemühen um die Rückkehr zu Bewährtem freilich alles unterordnen: Einen zweiten Lockdown darf es nicht geben – nicht in der Wirtschaft und schon gar nicht an den Schulen. ham

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