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Bereich um Bereich können auch Dana und Thomas Klement aus Isen ihren Gasthof wieder in Betrieb. Ob der selbst gebaute Desinfektionsmittelspender für die Gäste zum Einsatz kommt, wissen die beiden noch nicht. Auch wenn die Messe Riem und die Therme Erding als Gäste-Magneten wegfallen, öffnen die Klements auch ihre Zimmer wieder für Touristen. 

Schwierige Lage im Tourismus

Hoteliers hoffen auf Thermenöffnung

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Die Auflagen sind streng, deswegen haben Beherbergungsbetriebe gerade viel zu tun, bevor sie ab 30. Mai wieder mehr Gäste aufnehmen können. Im Landkreis fehlt vor allem das Geschäft mit der Therme und Messen.

Landkreis Rechtzeitig zu Pfingsten sollen auch in Bayern Hotels und Gästehäuser wieder für den Tourismus öffnen dürfen. Doch während in klassischen Ausflugsgebieten Hotelbetreiber aufatmen, dürften im Landkreis Erding einige Häuser noch länger nicht ausgelastet sein. Denn ein Teil von ihnen lebt von der Messe Riem, vom Flughafen und nicht zuletzt von der Therme. Doch die soll vorerst genauso geschlossen bleiben wie Freibäder und Saunen.

Christian Wolf, Direktor des Best Western Hotel München-Airport in Erding, will den Betrieb dennoch langsam wieder hochfahren. Die Schließung der Therme durch das Landratsamt am Abend des 13. März sei für seine Mitarbeiter und ihn „sehr dramatisch“ gewesen. „Für den Samstag waren viele Anreisen geplant. Wir haben noch versucht, Gäste zu erreichen, aber das ist uns am Vorabend um 22 Uhr auch nicht mehr in jedem Fall gelungen“, berichtet Wolf.

In den Tagen danach hatte er 900 Stornierungen zu verzeichnen, musste das Personal in Kurzarbeit schicken. Die Gastronomie des Hauses ist geschlossen und die erlaubte Möglichkeit, Zimmer an Geschäftsreisende zu vermieten, wird nur wenig genutzt. Für die Sommermonate gebe es noch Buchungen, etwa von Reisegruppen, die die Königsschlösser besichtigen wollen. „Die Leute warten ab, wie sich die Lage entwickelt“, sagt der Direktor.

Für sein Haus wäre es das Beste, wenn die Therme wieder öffnen würde. Der 120 Mitglieder starke Verein „Tourismus Region Erding“, dessen 2. Vorsitzender Wolf ist, hat sich in einem Brief an Landrat Martin Bayerstorfer gewandt, sich für die Öffnung der Therme einzusetzen, auch wenn es zunächst nur Teilbereiche sind.

Bei der Umfrage der Heimatzeitung zeichnet sich von den meisten Herbergen das gleiche Bild: Nach dem Notbetrieb soll es ab Juni langsam wieder bergauf gehen. Ingrid Renner, die Betreiberin des Zehmerhofs in Walpertskirchen, wartet auf Buchungen für den Sommer. „Wir freuen uns auf jeden Gast“, sagt sie. Auch bei ihr spielt die Therme eine große Rolle, aber genauso wichtig sei das Anlaufen des öffentlichen Lebens.

„Wir hoffen auf die Reiselust der Leute ebenso wie auf Besucher, die Verwandte aus den verschiedensten Anlässen besuchen“, so Renner. In den vergangenen Wochen hat die Familie unter anderem die Bäder renoviert und den Frühstücksraum umgebaut. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, wir sind startbereit.“

Firmengäste und Verwandtenbesucher sind auch die Kunden, auf die Margit Aschenbrenner vom Hotel Apfelbaum, das etwa zehn Gehminuten von der Therme weg ist, ab Juni setzt. Aber auch Urlauber, die nicht ins Ausland fliegen oder Monteure erhofft sie als Gäste, die Schritt für Schritt in ein normales Leben zurückführen.

Mit einer Hotellerie wie früher rechnet Wolf nicht in absehbarer Zeit. „Ein Frühstücksbuffet wird es wohl lange nicht geben.“ Derzeit wird sein Best Western Hotel auf Sicherheit getrimmt, es wird Abstandsschilder und Plexiglasscheiben geben. „Wir nehmen die Sache sehr ernst, es geht hier um die Gesundheit unserer Gäste.“

Auch Friedrich Staudinger, der seit 1994 mit seiner Frau Eva das Best Western Parkhotel Erding am Bahnhof betreibt, hat seit März ebenfalls nur eine Handvoll Geschäftsreisende beherbergt. Ende Mai wird er sein Hotel langsam wieder für Touristen öffnen. Dazu gehören auch alle Schutzmaßnahmen, für die er teils nach individuellen Lösungen sucht – etwa, wie der Eingangsbereich zu gestalten ist, damit Gäste Abstand halten, aber die Abtrennungen sollen auch nicht zu sachlich wirken. „Die Auflagen sind hoch und die Kosten dafür werden nicht gering sein“, sagt Staudinger.

Wenn die letzten zwei Jahre nicht „extrem gut“ gelaufen wären, stünde er vor einer wirtschaftlichen Katastrophe, erklärt der Hotelier. Heuer wieder schwarze Zahlen zu schreiben, sei eher unwahrscheinlich. Es könnte zwei Jahre dauern, schätzt Staudinger, bis der Betrieb wieder normal läuft. 22 Beschäftigte sind betroffen, die meisten gerade in Kurzarbeit. Für die Wiedereröffnung von Terrasse, Garten und Gastronomie würden nun genauso Strategien entwickelt wie für die Desinfektion der Gästezimmer.

Das Hilton Munich Airport, das zwischen Terminal 1 und 2 am Flughafen liegt, fährt derzeit auf Sparflamme. Zwar übernachten Geschäftsreisende und Crews, aber Restaurants, der Spa- und Fitnessbereich sind derzeit ebenso geschlossen wie Sauna und Dampfbad. Die Gastronomie soll gemäß den Vorgaben Ende Mai wieder öffnen. Um seine neu entwickelten Reinigungs- und Hygienestandards darzulegen, hat das Unternehmen auf seiner Homepage einen eigenen Bereich eingerichtet. „Hilton CleanStay“ soll ab Juni 2020 weltweit eingeführt werden und verspricht neben vielen anderen Punkten auch die zusätzliche Desinfektion der zehn am häufigsten berührten Bereiche eines Zimmers.

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