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Hans Moritz Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Die Corona-Krise verschärft sich auch im Landkreis

Kommentar: Von Vollprofis und Vollpfosten

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Die Kreisbehörden unternehmen alles, um das Corona-Virus einzudämmen. Das Engagement verdient Lob. Angesichts der Dramatik der Corona-Ausbreitung ist es umso unverständlicher, warum sich immer noch so viele Menschen nicht daran halten. Es könnten noch strengere Regeln kommen. Das kommentiert Redaktionsleiter Hans Moritz.

Es ist eine beruhigende Gewissheit in einer ungewissen Zeit: Das Corona-Krisenmanagement im Landkreis Erding funktioniert. Kreisverwaltung mit Gesundheitsamt, Klinikum und jetzt der Führungsgruppe Katastrophenschutz bilden im Abwehrkampf gegen das global grassierende Virus eine schlagkräftige Einheit. Das Erdinger Land ist besser aufgestellt als andere Regionen.

Binnen nicht mal zwei Wochen wurden in Erding und Dorfen zwei Screeningstellen aufgebaut, eine dritte in Taufkirchen ist konkret geplant, eine vierte in der Kreisstadt soll kommen – als Drive-In-Teststelle. Die Zahlen beweisen es: In Erding beginnen die Infektionszahlen exponentiell zu steigen. Die Welle wächst beträchtlich an, die Schwere der Fälle nimmt zu. Umso wichtiger ist es, dass jetzt möglichst viele Verdachtsfälle untersucht werden, um Erkrankte umgehend zu isolieren, damit es zu keinen weiteren Ansteckungen kommt.

Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Nicht minder entscheidend ist, die Kontakte Infizierter zu ermitteln – die einzige Möglichkeit, Corona einzudämmen beziehungsweise die Verbreitung wenigstens zu verlangsamen.

Auch im Klinikum wurde das Mögliche getan, um eine hohe Fallzahl schwerer Verläufe behandeln zu können. Der Regelbetrieb ist auf das Notwendigste beschränkt, eine ganze Station wurde für zu isolierende Covid 19-Patienten reserviert, es gibt mehr Beatmungsplätze.

Landrat Martin Bayerstorfer gibt als Krisenmanager eine gute Figur ab, die Mitarbeiter gehen an ihre Belastungsgrenze. Das verdient Lob.

Zu einem guten Krisenmanagement gehört aber auch Transparenz. Täglich informiert das Landratsamt über die Fallzahl und die Wohnorte der Betroffenen. Es geht dabei nicht um Panikmache, sondern um eine möglichst weitreichende Aufklärung der Öffentlichkeit.

Es müsste also jedem klar sein, wie hoch die Gefahr ist. Umso unverständlicher ist, wie viele Bürger den Schuss noch nicht gehört haben. Unglaublich, wie fahrlässig sich die Massen verhalten, die in den vergangenen Tag etwa in Erding in den Stadtpark oder an den Kronthaler Weiher geströmt sind, ebenso die Gäste in der Gastronomie, die dicht gedrängt die Biergärten bevölkert haben. Sie schaden sich und anderen – nicht nur wegen des erhöhten Ansteckungsrisikos.

Die Restriktionen sind eine enorme Belastung, die sich mit der Sorge paaren, wie lange Schulen noch geschlossen sind und das öffentliche Leben lahmgelegt ist. Doch diese Maßnahmen werden umso länger dauern, je mehr Menschen sich nicht dran halten. Deswegen ist die Ausgangsbeschränkung, die Ministerpräsident Markus Söder am Freitagmittag verhängt hat, nur konsequent. Es wird nicht der letzte Schritt sein. Jetzt büßen alle die Ignoranz einiger.

Selten hat man sich so auf ein nasskaltes Wochenende gefreut. Das wirkt vermutlich besser als Verbote.

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