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Die Screeningstelle am Schwimmbad in Erding betreibt der Landkreis. Die Kosten dafür will Landrat Martin Bayerstorfer vom Freistaat zurück. 

Landkreis hat seit März 4,8 Millionen Euro ausgegeben – Klassenzimmer täglich desinfiziert

Teurer Kampf gegen Corona

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Die Bewältigung der Corona-Krise hat den Landkreis seit März rund 4,8 Millionen Euro gekostet. Am Klinikum dürfte ebenfalls ein Millionenbetrag für die Eindämmung der Pandemie anfallen. Wie viel Geld der Landkreis aus dem Katastrophenschutzfonds erstattet bekommt, weiß noch niemand.

Erding - Am 16. März wurde erstmals für ganz Bayern der Katastrophenfall ausgerufen. Er gilt bis heute. Der Landkreis musste Schutzausrüstung in hohen Stückzahlen bestellen, vor allem Masken, Kittel, Handschuhe, Visiere und Brillen. Im Kreisausschuss legte Tobias Kilger von der Kreisverwaltung am Montag eine erste Kostenaufstellung vor. Bislang wurde für 4,8 Millionen Euro bestellt. Bis 20. Mai wurden dafür schon knapp 3,7 Millionen Euro überwiesen. An sich hatte das Beschaffungsvolumen laut Kilger bei 5,5 bis sechs Millionen Euro gelegen. Es habe zuletzt aber einige Stornierungen gegeben.

Kritik an Land und Bund: Unzureichende Versorgung, schlechte Qualität

Kilger, der auch Geschäftsführer des Rettungszweckverbandes ist, beklagte, dass „über reguläre Bezugsquellen lange Zeit kein Material zu beziehen war, und der Freistaat beziehungsweise die Bundesrepublik nur sehr verzögert eine zentrale Versorgung einrichten konnten“. Bis heute würden „nicht bedarfsgerecht und teilweise auch qualitativ ungeeignete Materialien geliefert“.

Die bisher aufgelaufenen 4,8 Millionen Euro muss der Landkreis nicht komplett selbst bezahlen. Größtenteils dürfte der Betrag wegen des Katastrophenfalls vom Freistaat erstattet werden. Hinzu kommt, dass der Kreis auch Träger von Alten- und Pflegeheimen sowie Praxen mit versorgt und deshalb ein Recht auf Vergütung hat. Bislang steht laut Kilger nicht fest, wie viel Geld Corona den Landkreis kosten wird.

Corona: Mehraufwand am Klinikum steht noch nicht fest

Noch nicht beziffert ist der finanzielle Sonderaufwand im Klinikum. Er könnte kommenden Montag im Krankenhausausschuss benannt werden. Danach hatte sich FW-Fraktionschef Georg Els erkundigt.

Die Kosten für das Hilfskrankenhaus im Warteraum Asyl interessierten SPD-Fraktionssprecherin Ulla Dieckmann. Kilger berichtete, der Aufbau der ersten 160 von bis zu 1000 Betten habe 300 000 Euro gekostet. Der Unterhalt einschließlich Bereithaltung von Sauerstoff und Klimatisierung schlage monatlich mit 200 000 Euro zu Buche. Monatlich fielen 80 000 bis 90 000 Euro Betriebskosten an. Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) geht davon aus, dass der Landkreis hier sämtliche Ausgaben von der Regierung von Oberbayern erstattet bekommt – sie hatte den Aufbau angeordnet. Aus diesem Grund will Bayerstorfer auch nicht die Landkreise Ebersberg und Freising zur Kasse bitten, die im Falle einer zweiten Infektionswelle die Notklinik im Fliegerhorst mit belegen können (wir berichteten).

Klassenzimmer werden jetzt täglich desinfiziert

Deutlich teurer kommt den Landkreis die künftige Reinigung der Schulen. Matthias Huber von der Liegenschaftsverwaltung berichtete im Ausschuss, dass die Leiter der Schulen in Trägerschaft des Kreises den Wunsch geäußert hätten, nicht nur die Sanitäreinrichtung, sondern auch alle Klassenzimmer statt wie bisher alle zwei Tage nun täglich zu reinigen und zu desinfizieren. Dies sei erforderlich, um das Virus auch dann noch eindämmen zu können, wenn immer mehr Kinder in die Klassenzimmer zurückkehren.

So weit wollte der Ausschuss aber nicht gehen. Er folgte dem Beispiel anderer Landkreise, in denen in den Schulen die WCs zwar täglich, die Klassenzimmer aber weiterhin nur alle zwei Tage gereinigt werden. Dafür werden sie vorerst täglich desinfiziert – kostensparend mit dem vom Landkreis selbst hergestellten Desinfektionsmittel. Den Aufwand dafür bezifferte Huber mit maximal 131 000 Euro bis zu den Sommerferien. Bislang gibt der Landkreis für die Reinigung pro Monat 96 000 Euro auf. Eine tägliche Reinigung und Desinfektion hätten monatliche Mehrkosten von über 120 000 Euro bedeutet.

Sportvereine können Hallen wieder nutzen - unter einer Voraussetzung

Huber erklärte, Vereine könnten die Sporthallen wieder nutzen, sofern sie die entsprechenden Konzepte ihrer Verbände umsetzten. Erste Anfragen gebe es bereits.

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