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Betriebsbereit ist das Notkrankenhaus im Warteraum Asyl seit Anfang April. Benötigt wurden die ersten 160 von über 1000 Betten bislang noch nicht. 

Landkreis will für zweite Welle gerüstet sein

Corona: Notkrankenhaus bleibt stehen

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Während andere Landkreise ihre im April eiligst hochgezogenen Corona-Notkrankenhäuser nach und nach abbauen, hält Erding an seiner Pandemie-Infrastruktur fest. Auch am Klinikum ist man weiter für das Virus gerüstet. Die Zahl der Covid-19-Tests soll steigen.

Erding -  „Wir wollen für eine zweite Welle gewappnet sein, auch wenn es derzeit nicht danach aussieht“, erklärt Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) im Gespräch mit unserer Zeitung. Deswegen bleibe das Covid-19-Notkrankenhaus auf dem Gelände des Warteraums Asyl im Fliegerhorst vorerst im Stand-by-Modus bestehen.

Bayerstorfer sieht Erding dazu auch als Standort des Rettungszweckverbandes in der Pflicht. „Freising hat nie eine solche Notfallklinik aufgebaut, und Ebersberg hat seine in einer Turnhalle mittlerweile zurückgebaut“, berichtet er. „Seine“ Notklinik könnte auch Patienten von dort aufnehmen.

Aufbau hat 300.000 Euro gekostet

300 000 Euro hat der Aufbau gekostet. Die monatlichen Betriebskosten beziffert er mit einem zweistelligen Tausenderbetrag. „Ein Rückbau würde wiederum mehrere hunderttausend Euro kosten. Und die Vorhaltung bekommen wir nach Katastrophenschutzgesetz vom Freistaat Bayern ersetzt“, kalkuliert Bayerstorfer. Die Regierung von Oberbayern habe bislang keine Anweisung erteilt, das Notkrankenhaus abzubauen. Das finanzielle Risiko, die Einrichtung im Falle eines erneut starken Anstiegs von Infektionen sei ihm „zu hoch und zu teuer“.

Auch im Klinikum Erding bleibt ein Bereich für Corona-Patienten reserviert, wenngleich auch nur noch ein kleinerer. Intensiv behandelt werden muss seit mehreren Wochen kein Corona-Patient mehr, auch die Isolierstation stand zuletzt mehrere Tage lang leer. Derzeit befinden sich zwei Infizierte dort. In der Hochzeit der Pandemie wurde ein komplettes Stockwerk für Covid-19-Patienten freigehalten. Insgesamt gab es 100 Plätze auf der Isolier- und gut 20 auf der Intensivstation. Letztere wird längst wieder für die üblichen Patienten benötigt.

Infektionsabteilung am Klinikum bleibt

„Die Infektionsabteilung mit einem separaten Zugang über das Gartengeschoss bleibt“, verspricht Bayerstorfer. Etwa 35 Betten würden vorgehalten.

Er würde gerne deutlich mehr Corona-Screenings durchführen, nicht zuletzt, um das Dunkelfeld der Lungenkrankheit zu ergründen. Zuletzt suchten aber gerade einmal zwischen zehn und 30 Verdachtsfälle pro Tag die Screeningstelle am Erdinger Schwimmbad auf, an einem Tag waren es sogar nur sechs. „Die Kapazitäten sind da, und wir dürften auch deutlich mehr testen“, erklärt Bayerstorfer. Das Problem: Viele Bürger würden trotz Symptomen den Weg dorthin scheuen, weil sie wissen, dass sie sich bei Anhaltspunkten auf das Virus umgehend in eine bis zu fünf Tage dauernde häusliche Quarantäne begeben müssen, bis das Ergebnis des Abstriches vorliegt.

Landrat will verstärkt präventiv testen

Der Landrat berichtet, dass man erwogen habe, die Testungen wieder der Kassenärztlichen Vereinigung (KVB) rückzuübertragen. „Die würde unsere Screeningstelle aber nicht übernehmen. Das heißt, wir würden blank dastehen. Das kann es nicht sein.“ Bayerstorfer möchte, dass das Personal aus Kliniken und Heimen, aber auch Lehrer und Erzieherinnen auf breiter Front und regelmäßig getestet werden können – allein schon, damit Schulen und Kindertagesstätten wieder in den Regelbetrieb zurückkehren können. Das Problem: Das geht erst, wenn die Kassen die Kosten übernehmen. Genau das strebt derzeit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an. Das Virus könne nur mit präventiven Reihentests im Keim erstickt werden. „Wir befürworten das“, betont Bayerstorfer, „denn das dient der Sicherheit der Bevölkerung“. Die Kosten dafür „seien nicht die Welt“ – etwa 80 Euro pro Test.

Heute geht es im Kreistag um Corona-Millionen

Im Kreisausschuss werden am heutigen Montag erstmals die Kosten der Pandemiebekämpfung benannt. Die Rede ist von einem einstelligen Millionenbetrag.

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