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Corona schlägt Grippe

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Von: Hans Moritz

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Im Frühjahr 2022 kam es im Erdinger Land zu einer Erkältungswelle - just als die Maskenpflicht aufgehoben worden war. © MM-Archiv

Während der Corona-Pandemie ist die Zahl der Grippe-Infektionen stark zurückgegangen. Das belegen Zahlen des Erdinger Gesundheitsamts. 

Erding - Im Jahr 2019, also vor Corona, wurden im Landkreis 414 Grippe-Fälle ans Gesundheitsamt gemeldet. In den beiden Pandemiejahren 2020 und 2021 waren es zusammen 623, berichtet Landratsamtssprecherin Claudia Fiebrandt-Kirmeyer. Im laufenden Jahr sind es erst 22 Ansteckungen. Bemerkenswert: Seit 2019 ist kein einziger Bürger an Grippe gestorben.

Eine ganz andere Hausnummer ist SarsCoV2. Das Virus wurde laut der Sprecherin seit März 2021 insgesamt 55 500 Mal nachgewiesen. 186 Menschen starben an oder mit Corona. In beiden Fällen sind vor allem ältere und vorerkrankte Menschen besonders gefährdet.

Im Gesundheitsamt ist man davon überzeugt, dass die Corona-Schutzmaßnahmen auch die Ausbreitung der Influenza stark gebremst haben. „Die Maskenpflicht hat sich sicher auch hier ausgewirkt“, so Fiebrandt-Kirmeyer. Die Schulschließungen dürften die Fallzahlen ebenso gedrückt haben.

Allerdings gehen die Amtsärzte davon aus, „dass viele Influenza-Fälle unentdeckt geblieben sind, weil der Fokus auf Corona lag“. Andererseits wird auch bei SarsCoV2 eine hohe Dunkelziffer vermutet, vor allem wegen Infizierter, die überhaupt keine Symptome verspürt haben oder diese so leicht waren, dass die Menschen nicht zum Testen gegangen sind.

Auch der Lungenfacharzt und Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands, Dr. Markus Marschall, spricht von einem „milderen Verlauf der Grippe und spürbar geringeren Fallzahlen“. Er führt diesen Effekt ebenfalls unter anderem auf die Masken- und Homeofficepflicht sowie die Mindestabstände in Innenräumen zurück. Dafür hat der Erdinger Arzt einen konkreten Beleg: „Als die Regeln, insbesondere die Maskenpflicht, gelockert wurden, hat die Zahl der grippeähnlichen Infektionskrankheiten zugenommen.“ Im Frühjahr habe er sogar eine allgemeine Erkältungswelle wahrgenommen – „allerdings in der Regel mit nicht so gravierenden Verläufen“. In seiner Praxis seien vor allem Asthma-Patienten erschienen, denen selbst ein grippaler Infekt stark zusetze.

Gegen die Grippe muss man sich jährlich impfen lassen. Marschall empfiehlt als „Hausnummer“: „Am 1. Advent sollten vor allem Ältere und Vorerkrankte geschützt sein.“ Man könne sich die Spritze aber auch noch später holen, „weil die Grippe bis ins Frühjahr zirkuliert“. Es gibt weitere Personenkreise, denen er die Impfung empfiehlt – neben dem medizinischen Personal Bahn-Pendler und Studenten – „also alle, die mit vielen Menschen auf engem Raum in Kontakt kommen“. Immer wieder hört er, Grippe-Geimpfte seien dennoch erkrankt. „Auch hier gibt es keinen 100-prozentigen Schutz. Und auch Geimpfte können sich einen grippalen Infekt einfangen“, stellt er klar.

ham

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