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Eventmanager Giorgio  Zolyniak-Patulli hat das System entwickelt.

Schloss Aufhausen verfügt über ein System, mit dem Veranstaltungen wieder möglich sind

Feiern ohne Angst vor dem Virus

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Aus dem beschaulichen Schloss Aufhausen bei Erding kommen eine Idee und ein System, wie man auch in Corona-Zeiten sorgenfrei, aber nicht bedenkenlos feiern kann. 

Erding– Ruhig und beschaulich thront Schloss Aufhausen im Süden über Erding – ein erhabener Anblick, und doch traurig. In normalen Zeiten pulsiert hier das fröhliche Leben. 40 Hochzeiten und Konzerte finden jedes Jahr statt. Seit Corona liegt das Schloss im Dornröschenschlaf. Doch Giorgio Zolyniak-Patulli liegt wach. Er ist Eventmanager in Aufhausen – und ist seit einem Jahr zum Nichtstun verdammt. Fast.

2020 fanden auf dem Schloss gerade einmal zwei Trauungen und drei Konzerte statt, heuer noch gar nichts. Zolyniak, der an diesem Donnerstag 75. Geburtstag feiert, hatte viel Zeit. Die hat der umtriebige sechsfache Vater genutzt, um ein System zu entwickeln, das unbesorgtes, aber eben nicht sorgloses Feiern ermöglicht – CMTT heißt es: click, meet, test und tracing. Es könnte auch für andere Veranstalter und die Gastronomie der Schlüssel zur Normalität werden. Dem Landratsamt hat es Zolyniak bereits vorgestellt. Dort, berichtet er, ist man davon angetan.

Direkter Draht zum Gesundheitsamt

„CMTT vereint den Gesundheitsschutz der Besucher mit den Möglichkeiten, im Falle einer Infektion schnell alle Kontakte nachverfolgen zu können“, erzählt der Tüftler. Doch das System soll es erst gar nicht so weit kommen lassen. Sobald erste Veranstaltungen wieder möglich sind, soll CMTT zur Anwendung kommen. Dafür durchstöbert Zolyniak seit voriger Woche die Discounter.

Seine Tablet- oder Handyanwendung setzt bei der Registrierung aller Gäste an. Sie müssen ihre Adresse und eine E-Mail angeben, ehe sie sich auf den Weg ins Schloss aufmachen. „Der zweite Schritt ist dann ein Antigen-Schnelltest unmittelbar nach der Ankunft“, erklärt der 75-Jährige. Dafür hortet er nicht nur die derzeit verfügbaren Schnelltestes, er hat auch schon medizinisches Personal rekrutiert, das den Nasenabstrich durchführt. Fünf Minuten pro Person hat er einkalkuliert, mehrere Teststraßen sind gleichzeitig möglich. „Bei einer größeren Hochzeit würde das bedeuten, dass die ersten Gäste eineinhalb Stunden vorher da sein müssten.“

Ein Schnelltest vor dem Eintritt

Wer negativ getestet wird, erhält ein Bändchen. Wer ein positives Ergebnis hat, kommt gar nicht erst rein. Das Innovative an CMTT: Es erfolgt umgehend ein digitaler Hinweis an das Gesundheitsamt, das sofort mit der Kontaktermittlung beginnen kann. Negative PCR-Tests aus dem Labor will er nur akzeptieren, „wenn diese unmittelbar vor der Ankunft etwa am Flughafen gemacht wurden“. Tests daheim sind ihm zu wenig und zu unzuverlässig, zumal die Gewissheit, virenfrei zu sein, nur ein paar Stunden gilt. Ein zweiter Schlüssel zu Hochzeit oder Kulturevent ist für Zolyniak der Nachweis der Corona-Impfung.

Die Idee dazu hatte Zolyniak bereits im Januar. „Doch damals haben Tests noch zwischen 40 und 60 Euro gekostet. Das wäre für eine Hochzeitsgesellschaft zu teuer gewesen.“ Mittlerweile kalkuliert er nur noch zwischen zehn und zwölf Euro pro Besucher. Er verspricht: „Die Sicherheit der Daten ist nach den strengen US-Vorgaben gewährleistet, nach der Veranstaltung werden sie nach einer Frist gelöscht.“

Sind bald Sondergenehmigungen möglich?

Im Schloss selbst gibt es in jedem Raum CO2-Ampeln, die ans regelmäßige Lüften erinnern und Zolyniak eine Warnung aufs Handy schicken, sowie Luftbefeuchter, die dafür sorgen, dass Aerosole umgehend zu Boden sinken.

Dem Landratsamt hat er die Idee schon vorgestellt. „Ich möchte wissen, ob es auf dieser Basis die Möglichkeit für Sondergenehmigungen für Veranstaltungen gibt.“ Da muss er sich noch eine Zeit gedulden, denn der Infektionsschutz untersagt derzeit Ansammlungen generell. Doch das, hofft Zolyniak, könnte sich nach der nächsten Ministerpräsidentenrunde mit der Kanzlerin am 22. März ändern.

Feiern bis Mai abgesagt oder verschoben

Dabei haben viele Paare ihre Hochzeitspaare ihre Feiern bis in den Mai schon abgesagt beziehungsweise verschoben. Das schmerzt nicht nur Zolyniak finanziell, sondern auch die Inhaber von Schloss Aufhausen, die Familie des Baron von Hammerstein. Und der Eventmanager fürchtet, dass es 2022 eine große Konkurrenz um Termine geben könnte.

Lösung auch für die Gastronomie

Zolyniak will CMTT nicht nur auf dem Schloss nutzen, sondern bietet das System auch anderen Veranstaltern und vor allem der Gastronomie an. Er hat die Anwendung so programmiert, dass sich Gäste vor einem Restaurantbesuch anmelden und einen Tisch reservieren können sowie dabei gleichzeitig alle Daten für die Gesundheitsbehörden angeben – alles leicht per QR-Code auf dem Smartphone ablesbar. Der Wirt hätte eine virtuelle Gästeliste, die bei einem Corona-Fall sofort alle unmittelbaren Kontakte liefert und den Datenschutz gewährleistet. Zolyniak baut sein System in den Internetauftritt des Kunden ein, sodass es wie aus einem Guss erscheint. Kostenpunkt: rund 500 Euro.

Informationen zur Plattform CMTT gibt es unter Tel. (01 74) 2 01 12 13, per Mail an giorgio-zolyniak@visionare24.com oder unter www.visionare24.com.

ham

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