+
Maskenpflicht gilt an allen Gymnasien, Mittel- und Realschulen, vorerst aber nur die ersten beiden Wochen. Danach wird das Tragen vom Infektionsgeschehen abhängig gemacht. Die Schulleiter finden das richtig.

Entzerrte Pausen, getrennte Wege, größere Räume, zusätzliche Lehrer

So bereiten sich die Schulen auf den Unterricht für alle vor

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
    schließen

In sechs Tagen fängt die Schule wieder an. Wie haben die sich für den Präsenzunterricht mit allen Kindern gerüstet? Wir haben uns umgehört

Erding – Die Schulleiter lassen ihre E-Mail-Fächer derzeit nicht aus den Augen. Sie warten auf Post vom Kultusministerium, wie sie ihre Schulen für die Wiedereröffnung am kommenden Dienstag zu rüsten haben. Viel Zeit bleibt nicht mehr. Baulich ist keine einzige Einrichtung an die Corona-Pandemie angepasst worden. Dafür haben die Schulen vieles in Eigenregie getan, um Ansteckungen möglichst zu vermeiden.

Wichtigster Punkt: Alle Schüler ab der fünften Jahrgangsstufen müssen immer Maske tragen – zumindest die ersten beiden Wochen. Wie es danach weitergeht, diktiert das Infektionsgeschehen. Wir haben die Schutzkonzepte der Schulen abgefragt. Alle eint Hoffnung und Zuversicht, dass der Vollunterricht dauerhaft gelingt und nicht wieder aufs verlustreiche Homeschooling umgestellt werden muss.

Mädchenrealschule Heilig Blut

Die Mädchen sollen sich so wenig wie möglich begegnen. Das ist die Prämisse für Josef Grundner, dessen letztes Schuljahr als Chef der Mädchenrealschule Heilig Blut beginnt. Die kirchliche Schule nutzt alle Eingänge, um größere Aufläufe zu vermeiden. „Wir versuchen deshalb auch, die Pausen zu entzerren. Die Schülerinnen sollen möglichst ins Freie und sich dort weit verteilen“, sagt Grundner. „Für den Pausenverkauf suchen wir noch nach einer praktikablen Lösung.“

Plexiglas-Trennwände und Entlüfter seien binnen einer Woche nicht zu schaffen. So äußern sich auch alle anderen Direktoren. Das sei zudem Sache der Aufwandsträger, vor allem Landkreis und Gemeinden. Ab Dienstag gibt es laut Grundner auch zwei Lehrerzimmer. Alle Pädagogen hätten die Möglichkeit, an einem Massen-Coronatest im MVZ des Klinikums teilzunehmen. Das bereits im vorigen Schuljahr erarbeitete Hygienekonzept werde fortgesetzt. Grundner verspricht: „Wir werden die Eltern so schnell wie möglich informieren, wenn wir vom Ministerium die Anweisungen erhalten haben.“

Gymnasium Dorfen

Markus Höß, Direktor des Dorfener Gymnasiums ist froh, „dass die Unterrichtsplanung steht“. Mit Lehrkräften sei man gut versorgt worden. Bis auf zwei würden alle zum Präsenzunterricht erscheinen. „Wir haben eine Team-Lehrkraft vom Ministerium erhalten, um die Ausfälle kompensieren zu können“, sagt Höß.

Er macht aber klar: „Bei vollem Präsenzunterricht lässt sich der Mindestabstand nicht einhalten.“ Deshalb sei die Maskenpflicht eine gute Lösung. Die Schüler würden Desinfektionsmittelspender vorfinden. „Wir achten auch auf das regelmäßige Stoßlüften nach jeder Stunde.“ Ungenutzte Räume will Höß freigeben, um klassenübergreifenden Unterricht zu ermöglichen. Alle Flächen würden für die Pausen genutzt. Ob die nach Jahrgangsstufen getrennt werden, sei noch nicht entschieden. Der Schule stehe ein Vertragsarzt zur Seite, der Lehrern Gratis-Tests anbiete.

Realschule Taufkirchen

Josef Hanslmaier, Chef der Realschule Taufkirchen, will die Anweisungen des Kultusministeriums im Laufe dieser Woche abwarten. „So lange gilt das Hygienekonzept aus dem vergangenen Schuljahr.“ Auch in Taufkirchen sollen sich die Jugendlichen in den Pausen über das ganze Schulgelände verteilen. „Wir werden alle Räume voll ausnutzen“, verspricht Hanslmaier. Auch er wird auf einige Lehrer im Präsenzunterricht verzichten müssen. Eine Team-Lehrkraft habe die Schule erhalten. „Wir versuchen, den Regelunterricht so gut wie möglich abzudecken.“

Herzog-Tassilo-Realschule

Gleich sechs Ein- und Ausgänge gibt es an der Herzog-Tassilo-Realschule – für Direktor Tobias Schiller eine wichtige Voraussetzung, „dass es zu möglichst wenig Begegnungsverkehr kommt“. Er ist froh, „dass wir über ausreichend Klassenzimmer verfügen und so flexibel reagieren können“. So werde einiger Fachunterricht nicht in den – kleineren – Lehrsälen, sondern im Klassenzimmer stattfinden. Zudem ist es Schiller gelungen, einen Online-Förderunterricht aufzubauen, um Wissenslücken individuell schließen zu können. Der Lehrerausfall halte sich in Grenzen und könne gut kompensiert werden. Die Erfahrungen mit Lockdown, Online- und Schichtunterricht seit März nennt Schiller „spannend“. Aufgrund der seither gesammelten Erfahrungen „gehe ich mit einem guten Gefühl ins neue Schuljahr“.

Korbinian-Aigner-Gymnasium

Andrea Hafner, Oberstudiendirektorin am Korbinian-Aigner-Gymnasium, setzt auf ein Drei-Säulen-Konzept aus Maskenpflicht, (freiwilliger) Reihentestung der Lehrer vor und zwei Wochen nach Unterrichtsbeginn sowie Online-Unterricht von den wenigen Lehrkräften, die als Risikogruppe nicht in die Schule kommen. „Der findet jetzt allerdings umgekehrt statt“, sagt Hafner. „Die Schüler werden im Klassenzimmer beaufsichtigt, während sich der Lehrer via Teams-Sitzung zuschaltet.“

Am KAG werden beide Eingänge genutzt. Aufgegeben wurde das Prinzip, dass die Schüler zum Lehrer in dessen Raum gehen. Nun wandern die Pädagogen, das minimiert den Schülerverkehr auf den Gängen. Problematisch ist, dass am KAG wegen des Mensa-Baus nicht alle Zimmer genutzt werden können. „Aber wir sind so flexibel, dass wir auch den Mehrzweckraum und den Musiksaal für den Unterricht nutzen“, kündigt Hafner an.

Anne-Frank-Gymnasium

Das Anne-Frank-Gymnasium in Erding hat den Vorteil zweier Baukörper. „So können wir die Schülerströme sehr gut lenken“, versichert die neue Schulleiterin Regine Hofmann. Die Jahrgangsstufen könnten so sauber getrennt werden. Das werde auch in den Pausen so sein, die jetzt auch im Klassenzimmer stattfinden könnten. Auch Wahlunterricht findet laut Hofmann nur jahrgangsweise statt. Sie will zumindest ein Grundangebot an Wahlfächern wie Theater und Chor ermöglichen. „Das ist den Schülern sehr wichtig.“ Vorrang habe nach der langen Zwangspause aber der Regelunterricht. An den Treppenhäusern stünden Desinfektionsmittelspender. Nur ein Lehrer falle aus. In den ersten Tagen werde der Wissensstand der Schüler ermittelt. Über das Prozedere entscheide das schuleigene Corona-Krisenteam. Etwa die Hälfte der AFG-Lehrer will sich laut Hofmann einem freiwilligen Test unterziehen.

Realschule Oberding

Die Jugendlichen der Realschule Oberding bekommen demnächst Post, welchen Weg sie am ersten Schultag nehmen sollen. „Damit wollen wir Aufläufe verhindern“, erklärt Direktor Martin Heilmaier. Danach werden die 16 Klassen auf drei Zugänge verteilt. „Die Pausen finden in zwei Gruppen abwechselnd im Zimmer und im Hof statt, um Begegnungen zu minimieren“, kündigt er an – mit Klassenschildern vor der Schule als Sammelpunkt. Ist die Mittelschule im Oktober ausgezogen, „haben wir deutlich mehr Platz“, so der Rektor. Den Mehrzweckraum will er für Unterricht nutzen, denn dieser sei sehr groß.

Digital-Unterricht wird in Oberding jetzt fest verankert. „Ich will das nicht aufgeben. Das ist ein gutes Mittel, etwa um kranke Schüler mitzunehmen.“

Grund- und Mittelschulen

Das staatliche Schulamt wird über den Start an den Grund- und Mittelschulen am heutigen Donnerstag in einer Pressekonferenz informieren. Die Stadt Erding hat in ihren sechs Grund- und zwei Mittelschulen laut Patrik Goldes aus dem Schulreferat baulich noch nichts verändert. Es werde aber häufiger gereinigt und desinfiziert. Die Duschen in den Turnhallen seien gesperrt, ebenso nahe beieinander liegende Toiletten.

Schulbusse

Das Landratsamt wird darüber ebenfalls morgen berichten. Es gilt als wahrscheinlich, dass Verstärker eingesetzt werden, damit die Busse nicht zu voll sind. Die Kosten dafür übernimmt vorerst bis zu den Herbstferien der Freistaat, verspricht Staatskanzleichef Florian Herrmann. Die Grünen verlangen vom Landkreis ein eigenes Bus-Hygienekonzept. (Bericht folgt.)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kroatien-Urlaub zu Corona-Zeiten: Familie aus Bayern erhält Hassbrief - der Inhalt macht betroffen
Kroatien-Urlaub zu Corona-Zeiten: Familie aus Bayern erhält Hassbrief - der Inhalt macht betroffen
Lehrerin an Gymnasium mit Corona infiziert
Lehrerin an Gymnasium mit Corona infiziert
Krach um einen Straßenmusiker
Krach um einen Straßenmusiker
Flughafen München: „Wie das gehen soll?“ - Passagier verwundert über Schild - Airport reagiert
Flughafen München: „Wie das gehen soll?“ - Passagier verwundert über Schild - Airport reagiert

Kommentare