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So schützt sich die kritische Infrastruktur vor der Omikron-Welle

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Von: Hans Moritz

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Nur mit FFP2-Maske rücken Feuerwehren und Rettungsdienste aus. Denn bei vielen Einsätzen lässt sich kein Abstand einhalten, so wie hier bei einem Unfall auf der B388 bei Altenerding. © Hans Moritz

Omikron grassiert auch im Landkreis. Betreiber der kritischen Infrastruktur müssen sich gegen drohende Personalausfälle in größerem Stil widmen. Doch wie läuft das im Landkreis?

Erding - Die Stadtwerke Erding haben „immer schon, nicht erst während Corona“ dafür Szenarien entwickelt, berichtet Prokurist Thomas Altstetter. „Während sich in der Verwaltung ein Teil der Mitarbeiter im Homeoffice befindet, arbeitet der andere Teil im Wechsel in der Zentrale.“ Auch für die Montage-Teams, die sich im Außendienst befinden, habe man ein System entwickelt, „damit sie sich kaum begegnen und damit auch nicht infizieren können“, so Altstetter. „Sollte ein Team dennoch mal ausfallen, kann es durch eine andere Gruppe jederzeit ersetzt werden“.

Sein Kollege Klaus Steiner, Geschäftsführer der Stadtwerke Dorfen, berichtet, dass seine Einrichtung „schon vor zwei Jahren von einem unabhängigen Gutachter zertifiziert wurde“. Das heißt, alle Vorsorge-Maßnahmen für einen Aus- oder Ernstfall wurden hier begutachtet und in einer speziellen Betriebsvereinbarung dokumentiert. „Wir haben derzeit unser Kundenzentrum zwar geschlossen, sind aber telefonisch erreichbar. Von unseren 60 Mitarbeitern sind fast alle geimpft, auch in der Rufbereitschaft, die bei Bedarf mit besonderer Schutzkleidung ausrücken kann.“

Bestens vorbereitet sieht sich auch der Abwasserzweckverband Erdinger Moos (AZV) in Eitting. Verwaltungsleiterin Alexandra Melzer teilt auf Anfrage mit: „Seit Beginn der Pandemie gibt es einen mehrseitigen Aktionsplan, der allen 80 Mitarbeitern bekannt ist. Wir aktualisieren dieses Papier ständig und sind deshalb auch auf die Omikron-Variante vorbereitet.“ Zudem erfülle der AZV alle gesetzlichen Vorschriften. So testen sich etwa Ungeimpfte arbeitstäglich unter Aufsicht eines Vorgesetzten. „Da sich unser Gelände weitgehend im Freien befindet, fällt es leichter, sich mit großem Abstand zu bewegen, ein Vorteil in der aktuellen Lage“, stellt Melzer fest.

Ähnlich sieht ihr Kollege Thilo Kopmann aus Poing die Situation: Der Vorstand des Abwasserzweckverbands München-Ost, der eine große Kläranlage in Neufinsing betreibt, schickt Montage-Teams ebenfalls getrennt los.

Da hat es die Feuerwehr in Erding nicht ganz so einfach. Denn ihre Einsätze sind nicht planbar, ihr Personal dient freiwillig und muss, wenn es gerufen wird, oft körperlich eng zusammenarbeiten. „Trotzdem sind unsere Handlungsanweisungen weit höher als es das Gesetz verlangt“, weiß dazu Stadtbrandinspektor Markus Gebauer. Im Einsatz müssten seine Leute immer FFP2-Masken tragen – anstrengend bei schweren Arbeiten, aber unersetzlich. „Denn wir sind, etwa bei Unfällen, doch sehr dicht an Personen, die es zu retten gilt, da haben wir keine andere Wahl“.

Zum Glück sei eine hohe Durchimpfung bei den Feuerwehrleuten festzustellen, zudem würden sich bei Personal-Ausfällen die drei Wehren in der Stadt aufeinander abgestimmt gegenseitig unterstützen. „Unsere Einsatzkraft ist nicht in Gefahr, und wir tun alles, sogar im privaten Bereich, um nicht infiziert zu werden. Das ist bei einer Institution wie unserer, die stark auf Kameradschaft basiert, allerdings nicht leicht“, erklärt Gebauer.

Auch die Polizei hat schon früh auf die Einschränkungen in der Pandemie reagiert. „Daher ist die momentan ansteigende Lage für uns keine neue Herausforderung“, erklärt Michael Graf. Der Pressesprecher beim Polizeipräsidium Oberbayern Nord in Ingolstadt, zuständig auch für die Inspektionen im Landkreis, sieht die Polizei „sehr gut aufgestellt“. „Bei der Dienstplanung wird versucht, immer gleiche Teams zusammenzustellen, die etwa Streife fahren. Somit sind unsere Einsätze jederzeit machbar“.

„Wurzer Umwelt in Eitting hat seit Beginn der Pandemie ein umfangreiches Schutz- und Hygienekonzept, das ständig gemäß der aktuellen Gesetzes- und Pandemielage angepasst wird“, beschreibt Achim Lüdecke, Leiter Arbeitssicherheit, die Situation. „Müllabfuhr, Entsorgung und Energieversorgung sind systemrelevante Bereiche, die in unserer Personalplanung eine sehr hohe Priorität haben. Bei möglichen Ausfällen würden wir daher qualifiziertes Personal aus anderen Abteilungen einsetzen können.“

Mit rund 500 Angestellten aus etwa 40 verschiedenen Nationen hat es der Lebensmittelkonzern Rewe zu tun, der bei Eitting ein großes Logistik-Zentrum betreibt. Hierher und von hier fahren am Tag Hunderte von Lkw, die Waren aus ganz Europa umschlagen. Zwar hat Rewe keinen direkten Zugriff auf die Fahrer dieser 40-Tonner, „doch wir kommunizieren auch ihnen unsere besonderen Schutzmaßnahmen“, sagt Pressesprecherin Ursula Egger von Rewe Süd. „Vor allem die präventive Aufklärung ist uns wichtig, wir besitzen sogar ein eigenes Gesundheitsmanagement.“ Das Personal werde ständig zum Thema Arbeitsschutz geschult, Rewe biete zudem interne Impfangebote.

„Den Betrieb hier können wir weiterhin sicherstellen“, bewertet auch Flughafen-Pressesprecher Ingo Anspach die aktuelle Situation am Airport. „Unsere Schichtplanung ist so ausgelegt, dass in allen Fällen eine jeweilige Absicherung aller Tätigkeiten gewährleistet ist. Für die gleiche Arbeit gibt es stets zwei Teams, viele Mitarbeiter der Verwaltung sind im Homeoffice, einige Bereiche wurden wegen weniger Flugbewegungen heruntergefahren. Somit brauchen wir derzeit keine volle Mannschaftsstärke“. Wer dennoch arbeite, müsse sich an die geltende 3-G-Regel halten und überall Maske tragen. „Zudem“, darauf legt Anspach großen Wert, „treiben wir das Thema Impfen im Rahmen der Arbeitsmedizin bei den Mitarbeitern aktiv voran“.

„Das Klinikum Erding beugt Personalausfällen durch ein Hygienekonzept zur Vermeidung von Ansteckungen am Arbeitsplatz vor“, beschreibt die zuständige Abteilungsleiterin Nadia Fusarri die Situation. Eine interne Corona-Taskforce berate regelmäßig über die aktuelle Lage und passe die Regelungen gegebenenfalls an. Um die Handlungsfähigkeit des Klinikums zu erhalten, würden die Verantwortlichen permanent in enger Abstimmung stehen.

Friedbert Holz

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