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Die Wege trennen sich: Stadthallen-Gastronom Reinhold Dangl und -Geschäftsführerin Jutta Kistner.

Reinhold Dangl kündigt nach 30 Jahren zum 31. Juli 2021 – Pension und Klinik-Kiosk behält er

Corona: Stadthallen-Wirt hört auf

  • Hans Moritz
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Die wohl längste und stabilste Wirte-Ära in Erding geht zu Ende: Zum 31. Juli kommenden Jahres hört Reinhold Dangl als Gastronom in der Stadthalle auf. Und das nach 30 Jahren.

Erding – Wenig Branchen sind von den Corona-Beschränkungen so sehr betroffen wie der Veranstaltungssektor. Der ruinösen Entwicklung seit März zollt der 49-Jährige nun Tribut. Das Bedauern in der Stadthalle ist groß. Wie es dort mit der Gastronomie weitergeht? Völlig offen. An die Öffentlichkeit sei man bereits jetzt gegangen, „um Gerüchten entgegenzutreten“, betont Stadthallen-Geschäftsführerin Jutta Kistner.

Als 20-Jähriger übernahm Dangl die Stadthallen-Gastronomie von seinem Vater Willi. Dessen Tod vor wenigen Tagen sei nicht ausschlaggebend für seine Entscheidung gewesen, betont Dangl. Der Entschluss sei eigentlich bereits im Mai gefallen – in Absprache mit dem Vater. Acht Festangestellte hat die Dangl-Stadthallengastronomie. „Einige werden sich einen neuen Job suchen müssen“, gibt Dangl zu. Von den 40 Aushilfen sei bereits ein gutes Drittel weg. Auch die anderen müssen sich nun ein neues Zubrot suchen – in einer Zeit, in der geringfügige Beschäftigungsmöglichkeiten rar sind.

Cafeteria im Klinikum und Pension bleiben

Der Gastronomie wird die Familie Dangl aber treu bleiben. „Ich werde den Kiosk im Klinikum Erding ebenso behalten wie die Pension in Aufkirchen“, verrät der 49-Jährige. Beide hätten Familie und Firma seit Beginn des Lockdowns über Wasser gehalten. „Auch wenn ich im Frühjahr nur ein paar Tassen Kaffee an Ärzte und Schwestern verkauft habe“, erinnert er sich. Besucher seien ja über Wochen verboten gewesen. Zudem plant Dangl den Aufbau eines Party- und Cateringservice. „Da habe ich schon einige Ideen“, verspricht er. Vielleicht werde er in dieser Rolle auch wieder ab und an in der Stadthalle anzutreffen sein.

Dass er sich zum Aufhören entschlossen hat, hängt auch mit den Perspektiven zusammen. „Leider hat keine bisher von der Regierung ausgesprochene Lockerung eine Verbesserung in der Veranstaltungsbranche gebracht.“ Es sei nach wie vor so gut wie nichts möglich und nicht einzuschätzen, welche mittel- und langfristigen Auswirkungen Corona auf die Event- und Kulturbranche habe. Dangl fragt sich, „wann und ob Großveranstaltungen, Partys, Kongresse und Firmenfeiern überhaupt wieder möglich sind“.

Die 1,5-Meter-Regel ist der größte Hemmschuh

Und selbst wenn Lockerungen endlich diese Branche erreichen, „bleibt die Frage, wie wirtschaftlich man unter Einhaltung der Abstands- und Hygienevorschriften überhaupt arbeiten kann“. Das kann Kistner nur bestätigen: An sich fasst der Veranstaltungstempel am Alois-Schießl-Platz 800 Gäste. „Aktuell können wir 200 Leute reinlassen. De facto sind es dann aber nur 150 bis 170“, rechnet Kistner vor. So könne man keinesfalls wirtschaftlich arbeiten. Das sei auch der Grund, warum bis jetzt anders als auf anderen, kleineren Bühnen wie dem Jakobmayer in Dorfen in der Stadthalle noch keine Veranstaltungen stattfinden. „Ich will dem schlechten Geld kein gutes hinterherwerfen.“ Dangl erklärt es so: „Wenn die Hälfte aller Gäste oder Veranstaltungen ausreichend wären, um wirtschaftlich zu sein, hätte ich es die Jahre davor auch schon so gemacht.“

Auch der Gastronom musste seine Stammbelegschaft in Kurzarbeit schicken und die Helfer vertrösten. „Nur wenn eine Kontinuität an Veranstaltungen gegeben ist, ist eine Personalvorhaltung und -planung effektiv und wirtschaftlich möglich.“ Es bedürfe eines Stamms gut ausgebildeter Kräfte, um gleichbleibend hohe Qualität liefern zu können.

Beide bedauern die Entscheidung

Kistner bedauert die Entscheidung. Man werde im Guten auseinandergehen, betonen beide. Dangl lobt nicht nur Kistner und ihren Vorgänger Hermann Herrndobler. Auch die Bürgermeister Gerd Vogt, Karl-Heinz Bauernfeind und Max Gotz hätten viel für die Stadthalle übrig gehabt. Zudem habe ihm die GmbH mit Beginn des Lockdowns die Pacht erlassen.

Für die Zukunft der Gastronomie in der Stadthalle gibt es mehrere Möglichkeiten – etwa einen neuen Wirt oder einen Caterer. Kistner will sich nun bei anderen Hallen informieren und sich auch einen Berater holen. ham

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