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Auch Booster sehr gefragt: Immer mehr wollen sich impfen lassen - doch jetzt werden wieder die Dosen knapp

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Von: Hans Moritz

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Wieder im Stress sind Impfzentren und Ärzte, was die Corona-Impfungen betrifft. Aktuell ist die Nachfrage deutlich größer als das Angebot. © Friso Gentsch/dpa

Die Impfbereitschaft ist im Landkreis Erding wegen der grassierenden Pandemie und des drohenden Lockdowns für Ungeimpfte in den vergangenen Tagen drastisch gestiegen. 

Erding - Das berichten BRK und Ärzte. Zusätzlich kommen immer mehr Menschen, die den Booster gespritzt bekommen wollen. Die Situation ist wie im Winter und Frühjahr vor einem Jahr: Der Impfstoff wird knapp.

Hinzu kommen markige Ankündigungen aus der Politik, die den Mangel noch verschärfen. Die Experten vor Ort bitten schweren Herzens um Geduld. Der Schutz der vulnerablen Gruppen vor Corona müsse Vorrang haben. Bei der Online-Anmeldungen gibt es zum Verdruss der Ärzte aber keine Priorisierung mehr.

Corona: Vor allem Lehrer pochen auf Booster-Impfung

In der Redaktion sind die vergangenen Tage mehrere Beschwerden von Bürgern eingegangen, die sich die Drittimpfung abholen wollten, aber wieder nach Hause geschickt wurden. Zwar lag bei ihnen die zweite Impfung schon mindestens sechs Monate zurück, dennoch wurden sie mit Verweis auf die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (StiKo), zunächst die Generation 70+ zu boostern, abgewiesen. Ein Umstand verschärft den Ärger: Es spricht sich herum, dass einige dennoch die dritte Spritze erhielten, obwohl sie deutlich unter 70 sind. Vor allem die Lehrer pochen darauf, im Unterricht vor noch nicht geimpften Kindern endlich besser geschützt zu werden, zumal es keinerlei pädagogische Reserve mehr gebe.

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Es mangelt an Corona-Impfstoff - und an der Infrastruktur

Dr. Markus Marschall, Sprecher des Ärztlichen Kreisverbandes, kennt die Beschwerden – und kann sie nachvollziehen. „Das Problem ist, dass wir auch beim Impfen eine sehr dynamische Lage haben.“ Einerseits gebe es die 70+-Empfehlung der StiKo, an die sich viele Kollegen hielten. Andererseits heiße es seitens des Herstellers Biontech/Pfizer, die Zweitimpfung sollte nach sechs Monaten aufgefrischt werden. Die Zulassung dafür liegt laut Marschall vor. Er bittet noch ein wenig um Geduld. „Es ist davon auszugehen, dass die StiKo den Booster bald für alle empfiehlt.“ Dann sei der Weg frei. Das größte Problem, so der Erdinger Lungenfacharzt weiter, seien im Moment mangelnde Kapazitäten – bei Impfstoffen wie Infrastruktur, nachdem sich zuletzt immer weniger Menschen immunisieren ließen.

Kapazitäten im Impfzentrum sollen ausgebaut werden

Das bestätigt Dr. Hermann Schöberl. Der Leiter des BRK-Impfzentrums erlebt seit Tagen einen lange nicht gekannten Ansturm auf die Einrichtung an der Haager Straße in der Erdinger Altstadt, einziges Impfzentrum im Landkreis. „Im Moment ist die Nachfrage enorm. Das Impfzentrum ist auf maximal 150 Dosen pro Tag ausgelegt. Mehr geht auch nicht“, so Schöberl. Man sei aber dabei, „die Kapazitäten massiv auszuweiten“. Aber das dauere, es müsse erst Fachpersonal rekrutiert werden. Schöberl sichert aber zu, dass die mobilen Teams bald noch mehr abdecken könnten. Aktuell seien es 100 Dosen täglich, „unser Auftrag sind 300“.

Auch er bittet um Verständnis – und hadert gleichzeitig. „Unser zentrales Anliegen ist, neben einer stark gestiegenen Zahl von Erst- und Zweitimpfungen zunächst die Älteren zu boostern, weil bei ihnen das Risiko am größten ist.“ Allerdings hat er vollstes Verständnis, dass sich auch etwa Lehrer und Feuerwehrleute absichern wollten. Die Praxen fokussierten sich zunächst ebenfalls auf die Älteren. „Sie haben zusätzlich die Belastung mit den Corona-Tests“, wirbt Schöberl um Verständnis.

Wer sich jetzt zur Corona-Impfung anmeldet, bekommt erst Ende Dezember einen Termin

„Ein weiteres Problem ist, dass es bei der zentralen Online-Anmeldung keine Priorisierung mehr gibt“, bemängelt Schöberl. Da seien die Jungen oft schneller dran. Kritik übt er auch an der vollmundigen Ankündigung von Ministerpräsident Markus Söder, der am Wochenende erklärt hatte, die dritte Spritze könne man sich auch schon fünf Monate nach der zweiten holen. „Das schaffen wir im Moment gar nicht“, so Schöberl. Wer sich derzeit digital anmelde, „bekommt leider erst ab Ende Dezember einen Termin“, so der Arzt.

Zum Impffortschritt teilt das Landratsamt mit, dass mittlerweile 174 618 Dosen verabreicht worden seien. 88 500 Bürger seien doppelt (oder dreifach) geschützt. Das entspricht 64,1 Prozent der Gesamtbevölkerung und 72,4 Prozent der über Zwölfjährigen. Übers Wochenende wurden 622 Dosen gespritzt. 2200 Impfungen waren es binnen einer Woche, darunter 1000 Booster.

Wer zum Impfen einen Hausbesuch benötigt, wendet sich an Impfzentrum, Tel. (0 81 22) 5 53 79 40. Den Schutz gibt es auch in den Medizinischen Versorgungszentren Erding und Taufkirchen, Tel. (0 81 22) 59 17 17 oder (0 80 84) 9 65 90 20. Auf der Homepage des Landkreises (www.landkreis-erding.de) gibt es eine Liste mit allen impfenden Ärzten im Erdinger Land.

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