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Vor allem Senioren, Verwitwete oder Alleinerziehende sind von Armut bedroht – in der Coronakrise noch stärker.

Senioren und Alleinerziehende besonders betroffen

Covid-19 verschärft die Armut

Die Armut im Landkreis wird durch Corona massiv befördert. Viele Senioren sind betroffen, ebenso alleinerziehende Mütter.

Erding – Während die einen Hamsterkäufe machen, leben 1245 Menschen im Erdinger Land laut Jobcenter in Erding von Hartz IV. Sie können sich Lebensmittelvorräte nicht leisten. Hinzu kommt eine hohe Dunkelziffer von Bedürftigen – niedrige Renten oder schlecht bezahlte Jobs bringen Betroffene ans Existenzminimum.

In Dorfen beispielsweise fällt derzeit auch noch die Tafel weg. „Wir beraten nicht nur Hartz-IV-Empfänger“, sagt Brigitte Fischer von der Erdinger Caritas. „Mehr als die Hälfte der Leute, die zu uns kommen, arbeiten in schlecht bezahlten Jobs, sie werden teilweise als Aufstocker vom Jobcenter unterstützt.“

Caritas-Beratung im Homeoffice

Auch bei der Caritas findet die Beratung mittlerweile im Homeoffice statt. Erst vor wenigen Tagen habe Fischer mit einer Klientin telefoniert: „Die Waschmaschine ist kaputt gegangen. Wie sollen wir derzeit günstigen Ersatz finden?“

Das Corona-Virus bedroht Existenzen. Doch wer ohnehin schon am finanziellen Limit lebt, spürt die Grenzen in diesen Zeiten noch stärker. Etwa Marie. Sie arbeitet in der Altenpflege als ungelernte Kraft. Die 32-jährige Mutter aus Taufkirchen verdient 600 Euro im Monat. Sie ist geschieden, hat zwei Töchter. Marie wird als Aufstocker vom Jobcenter unterstützt. Ebenso wie weitere 480 Bedürftige im Landkreis, die zwar jobben, aber nicht genug verdienen, um ihren Lebensunterhalt zu stemmen.

Niedriglohn: Größere Sorgen als Corona

Der Alltag ist schwer – schon in normalen Zeiten reicht das Geld nicht. „Billige Lebensmittel sind momentan oft ausverkauft, ich muss meist zu teureren greifen“, erzählt Marie. Die Angst vor Corona ist für sie unwirklich: „Als Mutter habe ich größere Sorge, die Kinder bald schon nicht mehr versorgen zu können.“ Denn Vorräte hat sie keine: „Ich warte auf das Monatsende, wenn Geld aufs Konto kommt.“

Eine Milchmädchenrechnung meint Fischer: „Was auf der einen Seite abgeknapst wird, fehlt im nächsten Monat auf der anderen Seite.“ Für die Sozialarbeiterin wäre es wichtig, wenn gerade arme Menschen in diesen Zeiten zusätzliche finanzielle Unterstützung bekämen. „Damit wenigstens ein kleiner Puffer da ist.“

Armut macht krank

Armut macht krank, weiß der Taufkirchener Psychotherapeut Klaus Gehring: „Menschen, die am Existenzminimum leben, haben Brüche hinter sich.“ Eine Scheidung zum Beispiel kann jedem passieren. Oder die Umstellung vom Job auf die Rente. Auch viele Witwen müssten auf jeden Cent achten. „Und schon befinden wir uns in der Risikogruppe, nicht nur von Covid-19.“ Und er ergänzt: „Viele Frauen haben Kinder groß gezogen, wenig in die Rentenkasse einbezahlt.“ Nun stünden sie mit leeren Händen da – und das in dieser unkalkulierbaren Krisensituation. „Viele Seniorinnen haben Panik, sie wissen derzeit nicht mehr weiter. Hilfe ist schwer zu finden, öffentliches Leben findet nicht statt, und Altersarmut ist nach wie vor schambesetzt.“

Etwa 130 Kunden pro Woche sind beispielsweise auf die Tafel in Erding angewiesen, versorgt werden aber mindestens doppelt so viele Menschen. „Wenn nun auch noch die Tafeln weniger Essen bekommen oder schließen müssen, ist das eine Katastrophe“, sagt Fischer. Die Tafeln seien eine Institution: „Eigentlich soll die Tafel ein Angebot für ALG II-Empfänger sein – notwendig geworden ist sie längst auch für andere.“ In Dorfen fällt die Tafel weg – hier leben laut Jobcenter 172 Bedarfsgemeinschaften. 

Michaele Heske

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