Ferhat Gülcü starb an den Folgen einer Corona-Infektion.
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Ferhat Gülcü starb an den Folgen einer Corona-Infektion.

Nachruf

Corona: Beliebter Wirt und Fünffach-Vater (45) stirbt - sein Bruder appelliert an alle Ungeimpften

  • VonMayls Majurani
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Er war in Erding allseits bekannt und beliebt. Nun ist Papa-Remo-Wirt Ferhat Gülcü im Alter von 45 Jahren an Covid-19 verstorben.

Erding – Ruhige Zeiten ist Familie Gülcü nicht wirklich gewohnt. Laute und lustige Abende sind eher die Regel im Papa Remo oder im Zeitlos, den beiden Lokalen, die die Gülcü-Geschwister in der Erdinger Altstadt führen. Ganz still wurde es in der ganzen Stadt aber, als die Islamische Gemeinschaft Erding eine Nachricht auf Facebook teilte: „Wir haben unseren Bruder Ferhat Gülcü, Inhaber des Papa Remo, aufgrund von Corona verloren.“

Ferhat Gülcü wurde 45 Jahre alt. Die letzten vier Wochen seines Lebens hat er in einem Krankenhaus in Izmir gegen das Virus gekämpft – und verloren. Familie und Freunde sind erschüttert, die Gastronomieszene Erdings ist geschockt.

Papa-Remo-Wirt Ferhat Gülcü aus Erding stirbt nach Corona-Infektion: Er war immer herzlich

„Izmir war seine Lieblingsstadt“, erzählt sein älterer Bruder Ramazan Gülcü, der das Imbiss-Lokal Orient-Express im Gewerbegebiet Erding-West leitet. „Er verbrachte fast alle Schulferien dort, gemeinsam mit seiner Familie.“ Dort wurde er nun auch beigesetzt.

Nach Deutschland ist Ferhat Gülcü mit seiner Familie gekommen. Da war er vier Jahre alt. Geboren wurde er in Diyarbakir im Südosten Anatoliens. In Erding besuchte er den städtischen Kindergarten St. Antonius an der Prielmayerstraße, die Grundschule am Grünen Markt und die Hauptschule am Lodererplatz. Dann absolvierte er eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker.

Tod nach Corona-Infektion: Ferhat Gülcü aus Erding stirbt in seiner Heimat Türkei

Früh begann Ferhat Gülcü in der Gastronomie zu arbeiten. Er kellnerte im Boeuf à la Mode (heute Gruberei) und beim Glaserwirt. Als dieser den Betrieb aufgab, übernahm Ferhat Gülcü mit seinem älteren Bruder und eröffnete 1998 das mexikanische Lokal Papa Remo. Nach einigen gemeinsamen Jahren übernahm Ferhat Gülcü alleine die Leitung. Seit einigen Jahren wurde er von seinem Bruder Tarik unterstützt.

Die Gastronomie ist das Leben von Familie Gülcü. Sie sind Gastgeber aus Leidenschaft. Die Erdinger fühlen sich bei ihnen wohl. Auch deshalb nehmen so viele Anteil am Tod von Ferhat Gülcü. „Danke für die vielen wunderschönen Abende im Papa Remo“, schrieb eine Frau unter dem Facebook-Beitrag. Ein anderer bedankte sich „für sein Engagement in der Erdinger Gastronomie, das wir sehr genossen haben“. Vom Lieblingswirt ist die Rede, von einem „warmherzigen und tollen Menschen“, der es sich nicht nehmen ließ, seine treuen Gäste auch im Dauerstress eines Altstadtfestes herzlich zu begrüßen.

Nach Tod von Ferhat Gülcü wegen Corona: Appell des Bruders - „Lasst euch impfen“

Amateurfußballer, Lokalpolitiker, Künstler, Kollegen, Angestellte – alle kannten Ferhat Gülcü und bekunden ihre Trauer sowie ihr Mitgefühl. Alle waren schon mal im Papa Remo und ratschten mit ihrem „Ferhi“, der immer für einen Spaß zu haben war. „Er war ein hilfsbereiter, freundlicher Mensch, der immer gut gelaunt war“, erzählt Ramazan Gülcü. „Er liebte seinen Job, und die Gäste liebten ihn.“

2004 heiratete Ferhat Gülcü seine Emine. Sie stammt wie er aus Diyarbakir und zog dann nach Erding. Gemeinsam haben die beiden fünf Töchter. Die jüngste ist heute vier, die älteste 14 Jahre alt. „Er war ein Vorzeigevater“, sagt Ramazan Gülcü über seinen Bruder. Jede freie Minute habe er mit seiner Familie verbracht, habe gerne Ausflüge ins Umland unternommen und sei in den Schulferien fast immer nach Izmir geflogen. „Vor allem in den Strand von Ilica war er verliebt“, sagt Ramazan Gülcü.

Dort wollte Ferhat Gülcü auch die Sommerferien verbringen. Doch es kam anders. Wenige Tage nach seiner Ankunft wurde er positiv auf das Corona-Virus getestet. Sein Zustand verschlechterte sich rasch, er wurde ins Krankenhaus gebracht. „Hätte er sich impfen lassen, wäre es anders gekommen. Das haben uns alle Ärzte gesagt“, berichtet Ramazan Gülcü. Er appelliert nun an alle: „Lasst euch bitte impfen. Ich bin einen Monat lang jeden Tag ins Krankenhaus gefahren. Mit dieser Krankheit ist nicht zu spaßen.“

Eine Impfpflicht gibt es in Deutschland nicht. Jedoch erklärt Jens Spahn, dass in dieser Zeit die Weichen gestellt werden, wie stark Corona das Land im Herbst noch im Griff hat. Ein Experte aus München warnt die Ungeimpften eindringlich. Die Corona-Welle wird sie mit „allen Konsequenzen“ treffen.

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