Am Silvesterabend geht nicht nur ein Jahr zu Ende, sondern auch ein ereignisreiches Jahrzehnt. Wir haben uns bei der Landkreis-Prominenz umgehört, welche Erlebnisse sie geprägt haben (oben, v.l.): Dorfens Bürgermeister Heinz Grundner mit Lebensgefährtin Johanna Streibl und Sohn Leonhard, das Tierheim Kirchasch, (unten, v.l.) das Hochwasser in Simbach am Inn 2016 und Mr. Woodland beim Berlin Mural Art Festival 2018.
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Am Silvesterabend geht nicht nur ein Jahr zu Ende, sondern auch ein ereignisreiches Jahrzehnt. Wir haben uns bei der Landkreis-Prominenz umgehört, welche Erlebnisse sie geprägt haben (oben, v.l.): Dorfens Bürgermeister Heinz Grundner mit Lebensgefährtin Johanna Streibl und Sohn Leonhard, das Tierheim Kirchasch, (unten, v.l.) das Hochwasser in Simbach am Inn 2016 und Mr. Woodland beim Berlin Mural Art Festival 2018.

Tiefschläge und Glücksmomente - Von Flüchtlingspolitik bis Nachwuchs

Diese Erlebnisse haben die Landkreis-Prominenz im vergangenen Jahrzehnt geprägt

  • Veronika Macht
    vonVeronika Macht
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  • Dieter Priglmeir
    Dieter Priglmeir
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Am Silvesterabend geht nicht nur ein Jahr zu Ende, sondern auch ein ereignisreiches Jahrzehnt. Wir haben uns bei der Landkreis-Prominenz umgehört: Welche Erlebnisse haben Sie geprägt?

Schwimmerin Amelie Zachenhuber: „Mich als Sportler beschäftigen in erster Linie Themen des Spitzensports, etwa der Dopingskandal in Russland vor kurzem. Da es immer wieder auffällige Dopingproben gab, werden nun alle Sportler für drei Jahre vom internationalen Wettkampfgeschehen ausgeschlossen. Da ich es absolut unfair finde, sich mit unlauteren Methoden einen Vorteil zu verschaffen, halte ich die Strafe für gerechtfertigt. Ich bin gerade von einem Wettkampf aus St. Petersburg zurückgekommen. Der Wahnsinn, wie sich diese Sportler nicht nur leistungsmäßig, sondern auch körperlich von uns Deutschen abheben. Trotzdem macht’s mir Riesenspaß, mich mit internationalen Gegnern zu messen.“

Kabarettistin Monika Gruber: „Mein prägendstes Ereignis war die desaströse Flüchtlingspolitik der Bundesregierung von 2015, bei der sowohl die meisten Politiker als auch ein Großteil der Medien auf geradezu erschütternde Art und Weise demonstrierten, dass der gesunde Menschenverstand nicht Teil ihres Geschäftsmodells ist, was zu einer tiefen Spaltung der deutschen Gesellschaft und zur Entstehung der AfD geführt hat. Beides wird leider vor allem künftige Generationen noch nachhaltig beschäftigen.“

Die „desaströse Flüchtlingspolitik der Bundesregierung von 2015“ ist für Monika Gruber das prägendste Ereignis des vergangenen Jahrzehnts.

Ruder-Weltmeister Oliver Zeidler: „Mein Jahrzehnt ist auf alle Fälle durch meinen Wechsel vom Schwimmen zum Rudern geprägt. Das spezifische Ereignis war mein erster Ruder-Weltcup in Belgrad 2018. Nach dem Gewinn der Bronzemedaille sind viele Leute auf mich zugekommen und meinten, dass man gemerkt habe, dass auf dem Wasser gerade etwas Magisches passiert ist. Das war mein Einstieg in die Ruder-Weltspitze.“

Streetartist Daniel Westermeier alias Mr. Woodland: „Mein Highlight war ganz klar die Wand, die ich beim Berlin Mural Art Festival 2018 gestalten durfte. Das war das größte Bild, das ich je gemacht habe – 23 Meter hoch, mitten in Friedrichshain. Es heißt „Hope“, also Hoffnung, und war rein künstlerisch gesehen mein persönlicher Höhepunkt. Das Flair beim Festival mit den Spitzenreitern der Szene – für mich ein absoluter Ritterschlag, dass ich dabei sein durfte. Noch dazu in einer Stadt wie Berlin, in der Streetart einen derart hohen Stellenwert hat.“

Über den Dächern Berlins: Die Teilnahme am Berlin Mural Art Festival 2018 war für Mr. Woodland ein Highlight.

BLSV-Kreisvorsitzender Martin Weber: „Persönlich war die Geburt meiner Enkel Valentin und Korbinian das größte Ereignis in diesem Jahrzehnt. Unvergessen bleiben auch die Tage im Erdinger Fliegerhorst, als Sportler wie Schorsch Hackl und Maria Riesch zu uns kamen und hier zweimal für olympische Winterspiele eingekleidet wurden. Welthistorisch waren die Wahl der Amerikaner von Donald Trump und der Brexit der Engländer sicherlich für mich die unverständlichsten Ereignisse.“

Tennis-Ass Annette Zweck: „Tatsächlich ist das neben der Geburt meiner Tochter Annabelle im Jahr 2011 noch ein persönliches Highlight: 2013 habe ich in der Türkei im Einzel, Doppel und Mixed an einem Tag nacheinander alle drei Weltmeistertitel gewonnen.“  

CSU-Landtagsabgeordnete Ulrike Scharf: „Das Ereignis, das mich am meisten betroffen hat, war das Hochwasser in Simbach am Inn im Jahr 2016. Diese Katastrophe, die durch ein Starkregenereignis ausgelöst worden ist, hat unfassbarerweise sieben Menschen das Leben gekostet. Neben dem immensen Sachschaden sind die emotionale Belastung und die seelischen Schäden eine große Qual für die Betroffenen. Ohnmacht und Hilflosigkeit spüren die Menschen noch heute. Meine Konsequenz aus dieser Tragödie ist klar: Wir müssen den Hochwasserschutz insbesondere im Hinblick auf den Klimawandel vorantreiben. Tragfähige Konzepte müssen erarbeitet und umgesetzt werden.“

„Das Ereignis, das mich am meisten betroffen hat, war das Hochwasser in Simbach am Inn im Jahr 2016“, sagt Ulrike Scharf.

Helga Stieglmeier, Kreissprecherin der Grünen: „Das Jahrzehnt war für mich geprägt durch den – erfolgreichen – Widerstand gegen eine 3. Startbahn am Münchner Flughafen. Während des ganzen Jahrzehnts war ich mit viel Herzblut Sprecherin des Aktionsbündnisses Aufgemuckt. Sehr beeindruckt war ich von der Hilfsbereitschaft der Bevölkerung, als Menschen aus Krieg und Not zu uns fliehen mussten. Beängstigend finde ich das Erstarken der extremen Rechten und den Versuch, in unserer vielfältigen Gesellschaft das Rad zurückzudrehen – hier ist der Zusammenhalt der demokratischen Kräfte wichtig. Persönlich begann ein neuer Lebensabschnitt durch den Umzug von Wörth nach Erding und eine neue berufliche Herausforderung.“

Christa Manschek, langjährige Vorsitzende des Tierschutzvereins: „Besonders wichtig war für mich die Eröffnung unseres Tierheims in Kirchasch im November 2013. Wir haben in den Bau enorm viel Zeit und Kraft investiert. Es war wahnsinnig mühsam, bis wir alle Bürgermeister von der Idee überzeugt, die Finanzierung geklärt und den Entwurf ausgearbeitet hatten. Meinen Mann sowie meine Mitstreiterinnen Gabi Eibl und Monika Braun mit ihren Ehemännern möchte ich hervorheben, da ohne deren Hilfe das Tierheim niemals gebaut hätte werden können. Ich bin wahnsinnig froh darüber, dass wir es geschafft haben, den Fundtieren, die vorher oft unter unmöglichen Zuständen leben mussten, ein tolles Zuhause zu bieten.“

„Besonders wichtig war für mich die Eröffnung unseres Tierheims in Kirchasch im November 2013“, sagt Christa Manschek.

Dorfens Bürgermeister Heinz Grundner: „Die Antwort auf diese Frage fällt mir nicht schwer. Das prägendste Ereignis war für mich die Geburt meines Sohnes Leonhard im Jahr 2016. Bei mir steht die Familie an oberster Stelle. Beruflich möchte ich zwei Ereignisse anführen, die für mich als Bürgermeister von Dorfen sehr erfreulich waren: die Fertigstellung und Eröffnung des Kulturzentrums Jakobmayer im Jahr 2011 und die Eröffnung des neuen Rathauses, die dieses Jahr stattgefunden hat.“

Stockschützen-Welt- und Europameister Thomas Elsenberger: „Rein privat war das Wichtigste die Geburt meines Sohnes Luca am 17. Mai 2012. In diesem Jahr hatte ich auch mein sportlich größtes Erlebnis dieser Dekade, als wir in Waldkraiburg Mannschaftsweltmeister wurden. Die Stimmung war sensationell. Unvergessen bleibt auch die Fußball-WM 2014. Am Tag des Endspiels hatte Marco seinen fünften Geburtstag und sich schon für Fußball interessiert, er ist schon mit eineinhalb Jahren seinem kleinen Plastikball hinterhergerannt.“

Landrat Martin Bayerstorfer: „Für mich gab es nicht ein einzelnes Erlebnis, sondern viele. Sie lassen sich aber zusammenfassen, weil sie alle etwas gemeinsam hatten: Zusammenhalt. Der Zusammenhalt der Bürger und die Hilfsbereitschaft, die sie im vergangenen Jahrzehnt bei den verschiedensten Anlässen gezeigt haben, ist für mich das prägendste Element. Dabei ist es egal, ob man die Hochwasserkatastrophe von 2013 betrachtet, die Flüchtlingswelle 2015 oder den massenhaften Schneefall Anfang 2019 – die Bürger des Landkreises Erding haben zusammengehalten und sich selbst ebenso wie anderen Mitmenschen außerhalb des Landkreises geholfen.“

Auch beim massenhaften Schneefall Anfang 2019 haben die Landkreisbürger zusammengehalten - für Landrat Martin Bayerstorfer ein prägendes Erlebnis.

Kreisbäuerin Irmgard Posch: „Das Ereignis mit der wohl einschneidendsten Veränderung war für mich die Wahl zur Kreisbäuerin. Durch das zeitintensive Ehrenamt nutze ich aber die Zeit vor allem mit den Kindern viel bewusster, die vorher bei der alltäglichen Arbeit manches Mal zu kurz kamen. Als Kreisbäuerin begegne ich den unterschiedlichsten Menschen, Ansichten und Problemen. Manches wird mir auch in den nächsten Jahrzehnten in Erinnerung bleiben. Gerade das vergangene Jahr war kein einfaches für die Landwirtschaft und für die bäuerlichen Familien. Ich bin gerne Kreisbäuerin, weil mir die Landwirtschaft am Herzen liegt und nur durch Engagement etwas bewegt werden kann und ich mir wünsche, das auch nachfolgende Generationen den landwirtschaftlichen Betrieb gerne fortführen wollen und auch können.“  

CSU-Bundestagsabgeordneter Andreas Lenz: „Persönlich war für mich der Tag entscheidend, an dem ich als Kandidat für den Deutschen Bundestag für den Wahlkreis Erding und Ebersberg gewählt wurde. Das war im Februar 2013. Seitdem hat sich einiges getan, für mich persönlich, aber auch politisch. Ich betrachte es immer noch als Privileg, dass ich unsere Region vertreten darf. Ich glaube, dass wir politisch in den ,10er Jahren‘ eine schleichende Zeitenwende erlebt haben. Das wird sich vielleicht erst später richtig zeigen. Alte Gewissheiten gelten nicht mehr, die Welt muss sich wieder finden. Trotzdem lohnt sich Optimismus, wenn es darum geht, die Zukunft zu gestalten.“

Im Freudentaumel: Andreas Lenz wurde im Februar 2013 zum CSU-Bundestagskandidaten gewählt.

Erdings OB Max Gotz: „Die Typisierungsaktion für Kathi Heilmaier, bei der Stadt und Region zusammen geholfen haben; der Tunnelvertrag zum S-Bahn-Ringschluss mit dem Freistaat; die Erhebung zur Großen Kreisstadt Erding und kurz danach zum Oberzentrum; das Ansiedeln eines Lebensmittelmarkts in der Innenstadt, weil Engagement und Mut dies ermöglicht haben; die Sanierung des Stadtparks, weil das zunächst stark kritisiert wurde und am Ende eine in allen Belangen gelungene Aktion wurde; die Schaffung von günstigem Wohnraum; der Tod meines besten Freundes.“  

vam/pir/sw

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