+
Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Kommentar zum Wochenende

Zwischen den Stühlen, neben der Spur

  • schließen

Ein Landratskandidat, der seinen Platz noch nicht gefunden hat, und schwere Vorwürfe gegen das Dorfener Gymnasium. Unser Kommentar zur politischen Woche im Landkreis Erding.

Das muss für Hans Schreiner eine ganz neue Erfahrung sein: Bald 18 Jahre lang war es seine Aufgabe, als Bürgermeister die Interessen seiner Gemeinde Bockhorn zu vertreten. Nun ist er aber (auch) Landratskandidat. Und als solcher muss er beweisen, dass er einen Blick über die Gemeindegrenzen hinaus hat. Dabei ist er jetzt zwischen die Stühle geraten – eine Situation, die Landrat Martin Bayerstorfer und seine CSU weidlich ausnutzen.

Bockhorn sieht nicht ein, für einen dichteren Bus-Takt zwischen Erding und Taufkirchen mehr Geld zu bezahlen, weil auch Bockhorner Haltestellen auf der Strecke liegen. Der Grundsatzbeschluss des Kreistags über die Kostenaufteilung droht zusätzliche Fahrten auf der West-Ost-Achse zu Fall zu bringen. Schreiners Argument: Für den Überlandverkehr ist der Landkreis zuständig – und nicht die Gemeinden.

Eine mutige Äußerung für einen, der bald die Geschicke des Kreises leiten will. Doch die Zwickmühle öffnet sich für ihn noch weiter: Sollten die Busse künftig an Bockhorn vorbeifahren, wäre Schreiner nicht nur als Kreispolitiker blamiert. Er müsste auch seinen Bürgern erklären, warum sie an den Haltestellen im Gemeindegebiet stehen gelassen werden.

Dass dieser Vorschlag ausgerechnet von der SPD kam, zeigt, wie fragil die Konstruktion des gemeinsamen Kandidaten von Freien Wählern, SPD und Grünen ist.

***

Sollte es stimmen, dass die Leitung des Dorfener Gymnasiums den Teilnehmern an der Klimaschutz-Demo nicht nur mit Verweisen, sondern auch mit anderen Sanktionen wie dem Ausschluss von Klassenfahrten gedroht haben, wäre das ein starkes Stück. Ein Klima der Angst und der Kälte statt Klimaerwärmung. Schulleiterin Andrea Hafner muss sich umgehend erklären – und gegebenenfalls entschuldigen. Dieser Druck wäre inakzeptabel und völlig neben der Spur.

Man kann in Frage stellen, ob Schüler zur Unterrichtszeit demonstrieren müssen. Das geht auch am Nachmittag. Doch in Dorfen gingen nicht notorische Schulverweigerer auf die Straße. Es war die erste Kundgebung.

Wer so drastisch durchgreift, soll bitte nie wieder etwa bei Schulabschlussfeiern die jungen Leute animieren, sich gesellschaftlich einzubringen. Denn dazu gehört auch, unbequem zu sein.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

SPD will wieder Spaß an Kreistagsarbeit haben
Für Kreisräte, die nicht bei der CSU sind, sei die Arbeit spaßfrei, meint die SPD. Das soll sich ändern.
SPD will wieder Spaß an Kreistagsarbeit haben
Schock am Flughafen: Mann mit Clownsmaske bedroht Reisende - dann greift er nach Maschinenpistole
Am Flughafen München hat ein maskierter Mann für Aufregung gesorgt. Erst bedrohte und erschreckte er Reisende mit einer Clownsmaske - dann griff er nach der …
Schock am Flughafen: Mann mit Clownsmaske bedroht Reisende - dann greift er nach Maschinenpistole
Wo geht‘s hin? Erding im Immobilien-Dilemma
Immobilien werden immer teurer – egal ob man baut, kauft oder mietet. Zu diesem Thema gab es in der Stadthalle eine Podiumsdiskussion.
Wo geht‘s hin? Erding im Immobilien-Dilemma
Notlandung am Flughafen München: Katastrophenschutz im Einsatz
Am Flughafen München ist es am Montagmorgen zu einer Notlandung gekommen. Im Cockpit einer Maschine der lettischen Airline Smartlynx hatte sich Rauch entwickelt. 183 …
Notlandung am Flughafen München: Katastrophenschutz im Einsatz

Kommentare